: Mary Ryan
: Das Schloss an der irischen Küste - oder: Lied der Gezeiten Irland-Roman | Ein dunkles Familiengeheimnis und das Schicksal zweier Liebenden
: dotbooks
: 9783989528420
: 1
: CHF 3.60
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 459
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Liebe im Schatten der Vergangenheit ... An der rauen Westküste Irlands, wo das alte Schloss Dunbeg über dem stürmischen Meer thront, kreuzen sich die Wege von Áine O'Malley und Rupert. Es ist Liebe auf den ersten Blick, doch ein schicksalhafter Vorfall treibt die beiden schon bald wieder auseinander ... Jahre später kreuzen sich ihre Wege erneut, doch Rupert ist inzwischen verlobt. Und dann geschieht das Unfassbare: Er gerät unter Mordverdacht. Fest entschlossen, die Wahrheit über den tragischen Vorfall zu erfahren und getrieben von ihrer Liebe zu Rupert, kehrt Áine nach Dunbeg zurück. Sie vermutet ihre Antwort dort, wo alles begann: An den steilen Klippen von Schloss Dunbeg. Doch wird sie das dunkle Geheimnis lüften können, bevor es zu spät ist? Ein ergreifender Liebesroman der irischen Bestsellerautorin für Fans von Maeve Binchy und Nora Roberts.

Die irische Autorin Mary Ryan begann ihre berufliche Laufbahn als Lehrerin in England, bevor sie nach Dublin zurückkehrte, um Jura zu studieren. Sie arbeitete in einer Anwaltskanzlei, bevor sie den Entschluss fasste, sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Ihr erster Roman »Ein sanftes Flüstern im Wind« erreichte ein breites Publikum und verkaufte sich über 300.000 Mal. Seitdem widmet sie sich mit Begeisterung dem Schreiben neuer Geschichten. Mary Ryan veröffentlichte bei dotbooks bereits ihre Irland-Romane »Ein sanftes Flüstern im Wind«, »Irisches Glück«, »Träume in der Ferne«, »Irischer Wind«, »Das Geheimnis von Glenallen«, »Ein irischer Sommer«, »Das Schloss an der irischen Küste«, »Zwei irische Herzen« sowie ihren Tatsachenroman »Drei irische Frauen« und ihren Italien-Roman »Wiedersehen in Florenz«.

Kapitel 1


Rupert sagte einmal zu mir, die Realität habe keinen festen Ort, aber Rupert war ein Pilger. Als wir uns kennen lernten, war ich zehn, eine Begegnung, die die Wegmarken für mein weiteres Leben setzen sollte. Es war im Sommer 1986, als er mit meiner Tante Isabelle, seiner Mutter, zu uns nachDunbeg kam.

Dún Beag ist irisch und bedeutet »kleine Festung«. Die eigentliche Festung war vor ein paar tausend Jahren auf der InselInishdrum entstanden, eine Anhäufung alter Steine aus der Bronzezeit. Gegenüber lag das »neue«Dunbeg, ein mit Türmen und Zinnen versehenes viktorianisches Haus hoch über der felsigen Festlandküste, wo meine Familie im Sommer Ferien machte. Wie ihre uralte Namensschwester auf der Insel war auch diese »Burg« teilweise dem Verfall preisgegeben, doch da meine Eltern nicht über die Mittel verfügten, sie zu restaurieren, überließen wir sie ihrem Schicksal und hielten die Türen zu dem Teil des Hauses geschlossen, der uns über dem Kopf zusammenzubrechen drohte.

Dieses burgartige Haus inDunbeg war von meinem Ururgroßvater, WilliamO’Malley, für seine Braut Sarah errichtet worden, und zwar anlässlich ihrer Hochzeit im Jahre 1850, kurz nach der Großen Hungersnot. Eine düstere Zeit, um ein Haus zu bauen und eine Ehe zu schließen – inmitten eines wilden, verödeten Landstrichs, dessen einstige Bewohner entweder verhungert oder ausgewandert waren.

Sarah war weithin für ihre Schönheit bekannt, doch offenbar stimmte etwas nicht mit ihrem Verstand. Ihr Vater war ein Grundbesitzer, den die Hungersnot ruiniert hatte und der seine Tochter daher nur allzu bereitwillig dem soliden Anwalt WilliamO’Malley zur Frau gab. Als Mitgift bekam sie die wunderschöne LandzungeDún Beag, die nach der verfallenen, eine schmale Bucht bewachenden prähistorischen Festung benannt war – ein melancholisches Stückchen Land, insgesamt etwa vierzig Hektar, mit verlassenen Steinhäusern übersät. Williams Kanzlei war inCastlebar und Westport vertreten und erledigte einen Großteil der Rechtsgeschäfte in der Grafschaft Mayo. Er hatte sein Vermögen vor der Hungersnot gemacht und konnte es sich nun leisten, der Laune seiner Braut nachzugeben und das Haus ihrer Träume für sie zu erbauen.

Als die »Burg« stand, benutzten Sarah und William sie als Sommerhaus, und Sarah lebte dort während der warmen Jahreszeit angenehm, aber recht einsam. Sie war zierlich und überaus fruchtbar. Doch obwohl sie in den ersten neun Jahren ihrer Ehe ebenso viele Kinder gebar, war sie den Strapazen von Schwangerschaft und Geburt eigentlich nicht gewachsen. Sie war nervös und überreizt, hörte Geräusche und sah Dinge, die kein anderer wahrnahm, und im Lauf der Zeit, während eine schreckliche Geburt auf die andere folgte, geriet sie immer mehr aus dem Gleichgewicht. Von ihren neun Kindern waren noch drei am Leben, als sie, zum zehnten Mal schwanger, durch einen Sturz aus dem hohen Fenster des Nordturms zu Tode kam. Manche meinten, sie sei gesprungen; andere verbreiteten das Gerücht, William habe seine Hand im Spiel gehabt, wenn auch nur aus der Ferne. Im Haus lebten mehrere Bedienstete, denen durchaus zuzutrauen gewesen wäre, dass sie der zunehmend launenhaften und unangenehmen Hausherrin in eine bessere Welt verhalfen. Und es ging die Rede von einem unschönen Zwischenfall, der angeblich ihr Werk gewesen war. Es handelte sich um die Vertreibung eines Pächters, der in einem Cottage auf der benachbarten Landzunge gelebt hatte, und der üble Nachgeschmack dieser Sache war selbst hundert Jahre später noch nicht gänzlich verschwunden.

William erholte sich anscheinend rasch von seinem vorzeitigen Verlust. Er beerdigte Sarah auf dem kleinen Gottesacker in Askreagh, etwa sieben Kilometer vonDunbeg entfernt; der Friedhof lag neben einer verfallenen Zisterzienserabtei, die unter Heinrich VIII. aufgelöst worden war. Doch Sarah war noch nicht lange unter der Erde, da führte er eine neue Braut heim. Sie war die Tochter eines Arztes, still und gehorsam, so wie die Männer der damaligen Zeit ihre Frauen schätzten. Außerdem sollte sie sich als unfruchtbar erweisen.

Dunbeg ging von einer Generation auf die nächste über, und schließlich erbte mein Großv