Wie die Engel plaudern
Vor mir stand eine junge, herzliche, quirlige Frau, die uns übers ganze Gesicht anstrahlte. Sie hatte eine grau gefärbte Kurzhaarfrisur, helle, grüne, leuchtende Augen und hatte einen etwas tollpatschigen Gang. Sie war mir von Anhieb unglaublich sympathisch.
Bei manchen Menschen kann man nicht anders als zu schmunzeln und zu lächeln, wenn man sie sieht. Auch, wenn man sie gar nicht kennt. Kim war so eine Person und ich fühlte mich ihr gleich verbunden.
Wir tauschten uns erst ein bisschen aus und sie zeigte mir ihre Wohnung. Dann fragte sie, ob wir anfangen sollen. Wir könnten ja auch später noch etwas quatschen. Meine Ungeduld war wahrscheinlich schon in der Luft zu spüren. Joana und ich setzten uns auf ein braunes zweier Ledersofa, gemütlich zusammengekuschelt mit einer Decke und Kim sass auf dem passenden grossen Sessel gegenüber. Die Sofagruppe erinnerte an die typischen Szenen aus Psychiater-Sitzungen auf der Leinwand.
Joana fing an und stellte einige Fragen zu ihrer Energie, denn oft hatte sie Mühe, sich für Dinge zu motivieren. Sie hatte schon einige Freizeitaktivitäten ausprobiert, nichtsdestotrotz fand sie nirgends Erfüllung und blieb schlussendlich lieber zuhause. Doch was sie zu dieser Zeit am meisten beschäftigte, war ihr Körper. Sie fühlte sich so unwohl in ihrer Haut, dass es sie richtig unglücklich machte. Mir schossen sofort die Tränen in die Augen, als sie schluchzend erklärte, wie sie sich derzeit fühlte.
Kim erklärte, während sich auch ihre Augen mit Wasser füllten, was Joanas Schutzengel ihr mitteilen und dazu sagen wollte.
Ich wünschte, sie hätte sich durch meine Augen sehen können. Sie war eine so schöne junge Frau. Ihr Körper war nicht dick, so wie sie ihn sah, sondern rundlich, feminin und sexy. Und sie sah sportlich aus und nicht so, als hätte sie sich zu sehr gehen lassen.
Doch wenn ich darüber nachdenke, wie oft ich meinen eigenen Körper verurteilt und abgestossen hatte, darf ich gar nichts sagen. Joanas Reaktion auf die Worte von Kim zu sehen und zu spüren, war unglaublich berührend und auch faszinierend. Die Worte trafen genau ins Herz. Das konnte doch nur echt sein. Ich war mehr als gespannt darauf, was wohl mein Engel mir sagen würde und ob ich auch bei mir das Gefühl haben würde, dass die Worte echt sind und wirklich aus der geistigen Welt stammten. Denn immer noch wäre es möglich gewesen, dass Kim Menschen einfach sehr gut lesen und ihnen sagen kann, was sie in diesem Moment hören wollen. Es fühlte sich aber einfach nicht so an.
Völlig eingenommen starrte ich Kim jedes Mal an, wenn sie den Kopf langsam nach oben bewegte, um die Antwort der Engel anzuhören. Als würde sie i