: Sabine Speer
: Die Philosophie der Deichschweine
: Books on Demand
: 9783769366686
: 1
: CHF 7.90
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 206
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Deichschweine werden an der nordfriesischen Küste liebevoll die Schafe auf dem Deich genannt. Und dort, wo Himmel und Meer aufeinandertreffen, wagt Charlotte einen Neuanfang. Nach einem Schicksalsschlag beschließt sie, ihren stressigen Job als Journalistin an den Nagel zu hängen. Da kommen ihr das Erbe ihres Vaters und das kleine alte Haus an der Westküste in Schleswig-Holstein gerade recht, um zu ihren Wurzeln als Malerin und Illustratorin zurückzukehren - und vor allen Dingen auch zu sich selbst. Schnell wird sie heimisch in dem kleinen Dorf Ossenbüll, wo ein Becher Kaffee eine Zeiteinheit ist und die meisten Besucher einfach zur Hintertür hereinkommen. Während sie das kleine Haus umbaut und neu gestaltet, lernt sie ihre neuen Nachbarn kennen, jeder für sich ein Unikum und allesamt sehr liebenswert. Dabei merkt sie schnell, dass es mit der ersehnten Ruhe noch weit hin ist. Nur gut, dass sich mit dem Bootsbauer Jan ein guter Freund an ihrer Seite findet, der sie durch das Chaos lotst. Die Deichschweine Güde und Olde kommentieren derweil das menschliche Geschehen mit ihren kurzen, philosophischen Einlagen. In aller Ruhe, versteht sich.

Sabine Speer wurde 1959 in Hamburg geboren und lebt seit den siebziger Jahren in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein. Sie veröffentlicht Romane, Erzählungen und Gedichte seit dem Jahr 2000. Aus ihrem Interesse für die Schleswig-Holsteinische Geschichte ist 2022 der Erzählband DIE UNHEIMLICHE FAHRT DES JÜRGEN JENS CLAASEN erschienen, sechs Erzählungen auf dem Hintergrund historischer Ereignisse in Schleswig-Holstein, die Geschichte erlebbar machen. Des Weiteren sind von der Autorin der historische Roman DAS ERBE DES PENDRAGON (2020) und die Erzählung LANCELOTS STILLE (2017) erschienen, die im Zuge der Arbeit an ihrer Internetseite www.whisper-of-gododdin.de entstanden sind. Hier präsentiert die Autorin ihre umfangreiche und detaillierte Kenntnis zur Entstehung der Artussage. 2020 erschien ihr Kinderbuch MATHILDA UND LEOPOLD. DIE PHILOSOPHIE DER DEICHSCHWEINE ist ihr erster Gegenwartsroman, dessen Schauplatz ein fiktives Dorf an der Westküste Schleswig-Holsteins ist. Mehr über die Autorin erfahren Sie auf www.sabinespeer7.de

Kapitel 1


Stadt, Land, Dorf

Die Haustür klemmte. Charlotte nahm es als natürlichen Fortlauf aller Dinge, die in den vergangenen Monaten geklemmt, gezwickt und gebremst hatten. Sollte sie noch einmal den anderen Schlüssel…nein, ein leises Klicken verriet ihr, dass sich das Schloss bewegt hatte. Entschlossen stemmte sie sich mit der Schulter gegen das alte Holz, dessen rauchblaue Farbe wie Rinde von einem morschen Baum blätterte. Um ein Haar wäre sie lang hingeschlagen, als die instabile, verzogene Tür unvermutet nachgab und sie in die dahinter liegende Veranda stolperte. Ein kühler, leicht modriger Dunst schlug ihr entgegen. Durch die verstaubten Fenster ringsum drang das milchige Licht eines verhangenen Frühsommernachmittags, das gleichfalls mit ihrer Person in die sich selbst überlassene Stille des Hauses einfiel. Sie meinte zu spüren, wie das Haus durch ihr plötzliches Eintreten zusammenzuckte, dann aber aufatmete, als sie zwei der Fenster aufstieß, nachdem sie sich an den rostigen Fensterhaken zu schaffen gemacht hatte. Die zweite Tür, die eigentliche Haustür, war leicht aufzuschließen und ließ sie mit einem heiseren Schaben herein. Sie blinzelte in eine düstere Diele, die kein Tageslicht erreichte, weil alle von ihr abgehenden Türen geschlossen waren.

Grete Hansen, die verstorbene Vorbesitzerin, hatte selbst den stets unverschlossenen Hintereingang, der zum Garten hinausführte, benutzt, der im Übrigen auch für die unmittelbaren Nachbarn das Tor zu ihrem Refugium gewesen war. So hatte es ihr die Tochter, die ihr das Haus verkauft hatte, berichtet. Versonnen folgte Charlottes Blick dem einfallenden Lichtstrahl durch die geräumige Diele, die in einen schmalen Flur mündete, an dessen Ende die besagte Hintertür wie ein Korken auf einer liegenden Flasche das Haus verschloss. Sie zählte innerlich langsam bis drei. Sollte bis dahin niemand zur Tür hereingetreten sein, nahm sie es als Zeichen, dass sie hier ab jetzt ein ungestörtes, ruhiges Leben führen würde.Sei nicht albern, Charlotte. Wer sollte denn da