1. KAPITEL
Evan Taggart schreckte aus dem Schlaf auf und schoss im Bett hoch. In seinem Schlafzimmer stand eine unbefugte Person. „Verdammter …“ Er verstummte abrupt. Denn der junge Mann mit dem Körperbau eines Holzfällers war ihm nicht fremd. Ebenso wenig war das rote Auge der Fernsehkamera ein überraschender Anblick.
Gerade noch rechtzeitig schluckte Evan den derben Fluch hinunter, der ihm auf der Zunge lag, bevor er für die Ewigkeit eingefangen wurde – oder zumindest für die Sendedauer einer gewissen Reality-Show im Kabelfernsehen. Grimmig erklärte er: „Ich bin noch nie im Bett gefilmt worden, ob mit oder ohne Frau. Und ich lasse dich bestimmt nicht hier und jetzt damit anfangen.“
Ted Richards Grinsen wirkte geradezu unheimlich im grellen Licht des Scheinwerfers, den er neben dem Bett aufgebaut hatte. „Die Regisseurin wäre glücklicher, wenn du eine Frau unter der Decke hättest. Ihrer Meinung nach würde es die Einschaltquoten erhöhen.“
Evan war nicht amüsiert. „Wie bist du überhaupt reingekommen?“
„Leandra sagt, dass niemand seine Tür verschließt, weil es hier in Weaver so harmlos zugeht. Sie scheint recht zu haben.“
Das hätte ich ahnen müssen. Evan unterdrückte einen erneuten Fluch, der sich diesmal gegen Leandra Clay und ihre Rolle in der Farce richtete, zu der sein Leben in der letzten Woche geworden war. „Stell das Ding ab“, verlangte er. Wäre er nicht die halbe Nacht unterwegs gewesen, um einen kranken Bullen zu versorgen, hätte er den Überfall des Kameramanns niemals verschlafen.
Ted nahm das schwere Gerät jedoch nicht von der Schulter. Das rote Lämpchen leuchtete weiterhin hell und klar. „Lass nicht deine Wut am Falschen aus, Mann“, entgegnete er leichthin. „Ich tue nur meinen Job.“
Dieser Job bestand darin, Evan sechs Wochen lang auf den Fersen zu bleiben, für eine Kabelfernsehserie namensWalk in the Shoes, abgekürzt Wits. Sie wurde unter Leandras Regieassistenz gedreht und sollte, getreu dem Titel, den Zuschauern den Eindruck vermitteln, in den Schuhen einer interessanten Persönlichkeit zu wandeln. „Keiner hat mir gesagt, dass es zu deinem Job gehört, in meine intimste Privatsphäre einzudringen.“
Ted wirkte noch immer völlig ungerührt und machte keinerlei Anstalten, die Kamera abzustellen. Doch er wandte den zotteligen blonden Schopf, als leichte Schritte auf der Treppe ertönten.
Einen Moment später schlitterte förmlich die Frau herein, die Evan diese Kopfschmerzen bereitete. Er erhaschte einen Blick in schokoladebraune Augen, bevor sie die Aufmerksamkeit auf den Kameramann richtete.
„Ted, mach das Ding aus. Du solltest gar nicht hier sein.“ Leandra schob sich den Riemen ihrer riesigen Umhängetasche höher auf die Schulter und strich sich mit schlanker Hand durch das kurze zerzauste Haar.
Gehorsam senkte er die Kamera. „Dann gehe ich jetzt zurück ins Motel und hau mich noch mal aufs Ohr“, verkündete er unbekümmert. „Hat sich was am Plan für heute geändert?“
Sie schüttelte den Kopf. „Bisher nicht. Wir sehen uns später.“
Er nickte und ging hinaus. Seine Schritte polterten auf den Stufen. Einen Moment später f