Kapitel 2: Flucht
»Sind das Angreifer aus Naraka?« – »Das ist schon seit 16 Jahren nicht mehr passiert!« – »Was werden sie mit uns machen?« – »Warum jetzt? Warum hier?«
Die aufgebrachten Leute im Innern der Kirche tauschten emotional aufgeladene Theorien, Ängste und Sorgen miteinander. Die etwa zwanzig Leute, die hier Schutz gesucht hatten, verursachten in ihrer Panik mehr Lärm als angesichts ihrer Situation ratsam gewesen wäre.
Kaukas stand mitten zwischen diesen Menschen, überwältigt von ihren lauten Geräuschen und starken Gefühlen. Kurz davor, wieder auf dem Boden zusammen zu sacken entschloss Kaukas, sich ein wenig von der Menge zurückzuziehen.
Langsam und mit dem Blick gen Boden gerichtet bewegte er sich in die hintere Ecke des blau-grünen, mit viel Glas gebauten Gebäudes.
Dabei kam er an einer 3D-Projektion vorüber, die einen in einer anderen VISION-Kirche stationierten Weiser abbildete. Als Kaukas ihn passierte, sprach der Weiser ihn an.
»Du siehst verloren aus, mein Junge. Finde Trost darin, dass dies eine Welt des Guten ist und du Gutes in dir trägst. Möchtest du vielleicht über deinen Kummer sprechen?«
Kaukas war sich nie sicher, ob diese Projektionen Programme oder Atmas waren oder wirklich echte Menschen im Livestream.
»Nein, danke. Ich möchte mit niemandem sprechen.«
Der Weiser sah ihn an. »Schäme dich nicht, ein bisschen Glaube in dein Leben zu lassen.«
»Tut mir leid«, sagte Kaukas, »ich interessiere mich für keine der beiden Religionen.«
Damit entfernte sich Kaukas und wandte sich den weiter hinten gelegenen, bequemen Sitzmöbeln zu, die dem ganzen Raum eher den Anschein einer schicken Firmenlobby als eines sakralen Gebäudes gaben.
Über den Sofas wurde eine Predigt des Erzdasturs Dievas übertragen, und auf einem Tisch davor standen Erfrischungen bereit.
Kaukas setzte sich unter den Bildschirm mit der Predigt und blickte in die Menge der übrigen Leute, die ebenfalls Zuflucht in der Kirche gesucht hatten.
Er sah, wie sie miteinander sprachen, sich umarmten, beruhigten und unterstützten.
Unwillkürlich musste Kaukas an seine Kindheit im Waisenhaus des Ordens