: Tim Höregott
: Hypostasis
: Books on Demand
: 9783769375633
: 1
: CHF 8.80
:
: Fantasy
: German
: 458
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der verträumte Junge Kaukas kommt mit Menschen nicht besonders gut zurecht - dafür aber mit der magischen Technologie, die in seiner Welt weit verbreitet ist. Als er sich ein paar besonders nützliche Bauteile auf nicht ganz legalem Wege sichern will, gerät er mit der resoluten Sicherheitsbeamtin Vaska aneinander. Gerade als dann noch die gutmütige Priesterin Athame dazustößt, um den Streit zu schlichten, bricht das Chaos los: Durch alte Portale fallen die Streitkräfte der Höllenwelt Naraka ein. Die drei fliehen und geraten ins Visier des Regierungskonzerns. Dieser stattet sie mit magischen Kräften aus und schickt sie für einen Gegenangriff hinüber nach Naraka. Doch die Welt, die sie dort vorfinden, ist nicht die Hölle, von der man ihnen immer erzählt hat. Allen Widrigkeiten zum Trotz halten die drei zusammen, denn schnell wird ihnen klar, dass in diesem Konflikt das Schicksal beider Welten auf dem Spiel steht. ***"Hypostasis" verbindet epische High Fantasy mit Sozialkritik, Ätherpunk und Science Fantasy. Im Mittelpunkt stehen Außenseiter der Gesellschaft, die gemeinsam eine kleine Familie bilden und sich gegen alle Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen. Wer Geschichten mag, die Genregrenzen überschreiten, progressive Werte vertreten, unterrepräsentierte Perspektiven bieten und dabei den Fokus auf Menschlichkeit und Verständnis anstelle von Dominanz behalten, ist mit"Hypostasis" gut beraten.

Als Game Designer und leidenschaftlicher Weltenbauer vereint Tim Höregott in seinen Werken spielerische Struktur mit tiefgreifenden narrativen Erfahrungen. Aufgewachsen mit einer Vorliebe für das Fantasy-Genre, fand Tim, ein queerer Mann auf dem Autismus-Spektrum, im Geschichtenerzählen einen Raum, um emotionale und intime Gedanken auf eine zugängliche Weise zu teilen. Er nutzt seine persönlichen Erfahrungen des Außenseitertums, um fantastische, epische Geschichten von Mitgefühl und Verständnis zu erzählen. Seine Geschichten drehen sich stets um das Fantastische und das Mysteriöse, sowie um Verständnis und Zusammenhalt. Wer auf der Suche nach Ausflügen in fremde Welten und ungewöhnliche Situationen ist, jedoch gleichzeitig mit Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen abgeholt werden möchte, ist mit seinen Geschichten gut beraten. Tim ist im Jahr 1990 geboren und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Kapitel 2: Flucht


»Sind das Angreifer aus Naraka?« – »Das ist schon seit 16 Jahren nicht mehr passiert!« – »Was werden sie mit uns machen?« – »Warum jetzt? Warum hier?«

Die aufgebrachten Leute im Innern der Kirche tauschten emotional aufgeladene Theorien, Ängste und Sorgen miteinander. Die etwa zwanzig Leute, die hier Schutz gesucht hatten, verursachten in ihrer Panik mehr Lärm als angesichts ihrer Situation ratsam gewesen wäre.

Kaukas stand mitten zwischen diesen Menschen, überwältigt von ihren lauten Geräuschen und starken Gefühlen. Kurz davor, wieder auf dem Boden zusammen zu sacken entschloss Kaukas, sich ein wenig von der Menge zurückzuziehen.

Langsam und mit dem Blick gen Boden gerichtet bewegte er sich in die hintere Ecke des blau-grünen, mit viel Glas gebauten Gebäudes.

Dabei kam er an einer 3D-Projektion vorüber, die einen in einer anderen VISION-Kirche stationierten Weiser abbildete. Als Kaukas ihn passierte, sprach der Weiser ihn an.

»Du siehst verloren aus, mein Junge. Finde Trost darin, dass dies eine Welt des Guten ist und du Gutes in dir trägst. Möchtest du vielleicht über deinen Kummer sprechen?«

Kaukas war sich nie sicher, ob diese Projektionen Programme oder Atmas waren oder wirklich echte Menschen im Livestream.

»Nein, danke. Ich möchte mit niemandem sprechen.«

Der Weiser sah ihn an. »Schäme dich nicht, ein bisschen Glaube in dein Leben zu lassen.«

»Tut mir leid«, sagte Kaukas, »ich interessiere mich für keine der beiden Religionen.«

Damit entfernte sich Kaukas und wandte sich den weiter hinten gelegenen, bequemen Sitzmöbeln zu, die dem ganzen Raum eher den Anschein einer schicken Firmenlobby als eines sakralen Gebäudes gaben.

Über den Sofas wurde eine Predigt des Erzdasturs Dievas übertragen, und auf einem Tisch davor standen Erfrischungen bereit.

Kaukas setzte sich unter den Bildschirm mit der Predigt und blickte in die Menge der übrigen Leute, die ebenfalls Zuflucht in der Kirche gesucht hatten.

Er sah, wie sie miteinander sprachen, sich umarmten, beruhigten und unterstützten.

Unwillkürlich musste Kaukas an seine Kindheit im Waisenhaus des Ordens