Juril saß auf einer kleinen Kaimauer im Hafen von Syrka und ließ sich den Wind um die Nase wehen. Er genoss es, die salzige Luft zu atmen und den Geräuschen des Hafens zu lauschen. Er liebte das Rauschen des Meeres, das Schreien der Möwen und vor allem die Gespräche der Matrosen und fremden Händler untereinander, welche in den verschiedensten Sprachen stattfanden. Der Hafen seiner Heimatstadt war der größte des ganzen Demerkianischen Reiches, manche sagten sogar, der Welt. Das lag nicht zuletzt an seiner strategisch günstigen Lage. Syrka lag am östlichen Rand der Goldenen Straße, einer Meerenge, die das Nordmeer von der großen See trennte. Wegen dieser Lage und seiner Größe wurde die Stadt auch das Tor zu den zwei Ozeanen genannt. Das behauptete zumindest die Literatur, Juril selbst hatte noch nie jemanden diesen Ausdruck verwenden hören. Von hier wurden die Waren, die weiter im Landesinneren produziert wurden, in alle Welt verkauft und hier kamen die meisten der für die Städte jenseits der Küsten bestimmten Güter an. Diesen günstigen Umständen hatte Syrka einen immensen Reichtum zu verdanken, überall sah man prächtige Gebäude, die vom Wohlstand der Stadt und ihrer Besitzer zeugten. Als eines der prachtvollsten galt das große Archiv. Die Fassade des kreisrunden Baus war aufwendig mit glanzvollen Darstellungen vergangener Ereignisse verziert, wie etwa der Schlacht am Fluss Ren. Ab und zu, wenn er seinen verträumten Blick auf das Archiv statt auf das Meer richtete, dachte Juril darüber nach, wie bizarr es eigentlich war, dass König Tyrlios VI. auch diese Schlacht hatte darstellen lassen. Klar, die Schlacht am Ren war quasi der Gründungsmythos von Demerkia und von daher ergab das Ganze schon Sinn, aber nichtsdestotrotz hatte Tyrlios I. damals eine Niederlage erlitten. Deshalb fand Juril es doch etwas zum Schmunzeln, dass ausgerechnet diese Schlach