Er erwachte am Morgen und merkte, dass er alles vergessen hatte. Die Meisen zirpten in den Buchen, unter deren Schutz er lag; das dürre Laub duftete, die Sonne schimmerte durch das Kronendach. Nein, nicht alles hatte er vergessen. Dass er er war, wusste er noch. Und dass diese Welt nicht die seine war. Ursprünglich. Dass er irgendwie hierhergekommen sein musste. Was davor war, daran erinnerte er sich nicht. Er erinnerte sich auch nicht daran, wo er vor hundert Tagen gewesen war, oder vor zwei Wochen, oder nur gestern. Er hatte vergessen, wie er an diese Stelle unter Buchen in der Nähe des Flusses gekommen war. Er wusste nicht, was er gegessen, was er gefühlt, wo er sich gewaschen hatte und ob. Manchem scheinen das nebensächliche Dinge zu sein, die man ruhig vergessen kann. Aber ihn beunruhigte das.
Er wusste einiges. Nicht, dass er sich daran erinnern konnte. Er hatte oft bloß ein paar Bilder im Kopf, meistens aber nur das Wissen davon. So wusste er, dass er in dieser Welt schon Leuten begegnet war. Menschen, ja, aber auch seltsamen Fabelwesen, Kobolden, Wichten, Elfen, einem Faun – oder zumindest wusste er, dass es diese Wesen gab. Er wusste, dass er selber keinen Namen hatte, und er wollte auch keinen, weil er ihn sowieso vergessen würde.
Kaum wach, schwirrte ihm schon wieder der Kopf. Obwohl er sich nicht erinnern konnte, musste ihm das jeden Morgen so gehen. Er wusste, dass es mit der Zeit besser geworden war, denn am Anfang – welchem Anfang? wann war das? – hatte er sogar das Vergessen vergessen und gemeint, an jedem neuen Tag, eben erst in diese Welt gekommen zu sein. Das muss eine schlimme Zeit gewesen sein, dachte er, auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann.
Er stand von dem Laubhaufen auf, den er sich zusammengescharrt hatte, und streckte sich. Er gähnte. Er spürte den Fluss, der da drüben in den wilden Wiesen zog. Dann roch er ihn: Wasser, Fische, Bachkraut. Den Schatten unter den Felben. Das Mädesüß am Ufer. Erst dann hörte er seine St