: Peter H. E. Gogolin
: Im Totenwald Journal 2008 - 2011
: Kulturmaschinen Verlag
: 9783967633399
: 1
: CHF 7.10
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 430
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Journal Im Totenwald erzählt aus den Jahren des Kampfes. Vom Zusammenbruch nach dem Tod des Vaters, über legendäre 122 Ablehnungen des Romans Calvinos Hotel, der hernach als »einer der vielleicht größten deutschsprachigen Romane des letzten Jahrzehnts« bezeichnet wurde, bis zur Begegnung mit der Verlegerin Simone Barrientos. Ein Buch über Wiederaufstehen und Neubeginn. »Keiner kehrt nach 21 Jahren zurück. - Aber du kehrst zurück.«

2009

 

1. Januar 2009

Bevor ich wie Jutta ins Bett gehe, will ich doch noch das neue Journal beginnen. Irgendwo in der Nacht rumpeln die letzten Böllerschüsse des Feuerwerks, um dem Einzug des neuen Jahres hinterher zu knallen. Wir waren bis halb drei Uhr auf, nachdem wir schön gegessen hatten, dabei im Radio dem Otto Meier mit der Sendung »Kopfhörer« nebenher gefolgt waren und am Ende, nach den ersten zwanzig Minuten des Feuerwerks, mit den Schwiegereltern telefonierten.

2. Januar 2009

Gestern erst gegen Mittag auf. Jutta ging es nicht gut, da der Wein doch wohl etwas zu reichlich für sie gewesen war. Wir frühstückten lange und fuhren dann auf meinen Vorschlag hin nach Frankfurt, um in der Schirn die Ausstellungen von René Magritte und Peter Doig zu sehen.

Heute nun Fahrt nach Domburg, wo wir bis zum 10. bleiben wollen. Werde den Text des »Schattenbruder« Manuskriptes mitnehmen, um eventuell daran weiter zu schreiben.

3. Januar 2009 / Domburg

Heute hat also tatsächlich mein sechzigstes Jahr begonnen. Im Grunde wäre es jetzt einmal an der Zeit, dass die Aufmerksamkeit auf das Alter aufhört. Aber das ist wohl eine unerfüllbare Hoffnung.

Wir kamen gestern nach problemlos verlaufener Fahrt gegen 17:45 Uhr in Domburg an. Das HotelBommeljé, in dem wir ein Appartement gemietet haben, befindet sich in der Herenstraat und liegt zumindest in dieser Jahreszeit sehr ruhig. Obwohl der Ort einigermaßen voll ist, kommt uns alles recht angenehm vor, was daher rührt, dass jetzt im Januar hauptsächlich ältere Leute hier Urlaub machen und die Winterkälte abends nicht sonderlich viele dazu veranlasst, besoffen durch die Straßen zu grölen, wie es in den Sommermonaten passiert.

Nach unserer Ankunft waren wir trotz des Windes noch am Strand und aßen dort auch, hernach noch kurzer Rundgang zurCarmen Silva und zum Badpaviljoen, der völlig renoviert ist und nun luxuriöse Appartement­wohnungen beherbergt. Heute dann nach dem Frühstück ein etwa vierstündiger Strandgang bei Sonnenschein und eisblauem Himmel. Es war sicher die richtige Entscheidung, wieder hierher zu fahren, nachdem wir den Ort seit fast neun ­Jahren gemieden hatten. Jutta meinte, sie habe ein Gefühl, als sei sie nach Hause gekommen.

Meinen Geburtstag feierten wir schon um Mitternacht mit einer Flasche Winzersekt, den wir uns aus dem Kaiser­stuhl mitgebracht hatten. Wobei Jutta freilich ­etwas gedrückt war und es immer noch ist, denn sie hat es fertiggebracht, alle Geschenke, die sie für mich bereitgelegt hatte, in ­ihrem Schreibtisch in der unteren Wohnung zu vergessen. Ich finde das nicht so arg, aber e