: Heinz Eigenbrodt
: Operation Pandora
: TWENTYSIX EPIC
: 9783740760984
: 3
: CHF 5.30
:
: Fantasy
: German
: 620
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Am Morgen nach ihrer feierlichen Verabschiedung in den vorzeitigen Ruhestand, steigen Kapitän Magnus Pricken und sein sprechender Papagei Cora im Hamburger Freihafen in ein Taxi, das sie zum Bahnhof Altona bringt, von wo sie in einem Intercity-Zug aus ihrem geliebten Seemannsleben rauschen. Am Abend steigen sie in Wiekenbüttel aus dem Linienbus, um bei Marthe, der Schwester des Kapitäns, ihren Lebensabend zu verbringen. Das heißt, erst einmal nur probeweise, weil sie nach ihrem abenteuerlichen Seefahrerleben gewisse Vorbehalte gegenüber einer vermeintlich gähnenden Leere bäuerlichen Landlebens hegen. Das ändert sich, als sie, schon in Sichtweite ihres Zielortes Kiebitzberge, von einem unsichtbaren Aggressor mittels einer subtil ausgetüftelten Methode angegriffen werden, was darauf schließen lässt, dass der Angreifer nicht von dieser Welt ist. Eine zur Hilfe herbeigeeilte Elfe rettet den Kapitän aus der tödlichen Umklammerung des außerterrestrischen Monsters. Von Marthe mit offenen Armen empfangen, werden die beiden Globetrotter von der urigen Dorfgemeinschaft akzeptiert und in diverse, das Dorf betreffende Geheimnisse eingeweiht. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Eine Turbulenz der vierten Dimension löst in der Region eine Zeitebenenverschiebung aus, die eine längst vergangene Epoche sporadisch mit der Gegenwart kollidieren lässt, was dazu führt, dass unter einer Brücke im Wiekenbruch Stimmen von Unsichtbaren aus dem 8. Jahrhundert vernehmbar werden. Die unsichtbaren Fremden ersuchen um Hilfe und versuchen ihr Anliegen auf Althochdeutsch verständlich zu machen. Das Resultat einer simultanen Übersetzung der uralten, ausgestorbenen Sprache durch einen Chatbot, bleibt jedoch rätselhaft. Die einzige brauchbare Andeutung weist auf ein Zeit-Portal hin, das in einem Tumulus verborgen ist, und unter ganz bestimmten Voraussetzungen einen Zugang in die mehr als 1200 Jahre zurückliegende Zeitebene ermöglicht. Von Hilfsbereitschaft, aber auch Neugier und Lust auf Abenteuer getrieben, findet sich eine Gruppe Entschlossener, die unter Kapitän Prickens Führung, dem kryptischen Hilferuf in die Vergangenheit folgt. Sie bemerken nicht die verdeckt agierenden Ermittler einer dubiosen Gesellschaft. Dank der Unterstützung ortsansässiger Elfen, befreundeter Ratten und Marthes runenkundiger Enkelkinder überwinden aber am Ende die Gefährten um Kapitän Pricken alle Hindernisse und öffnen das buntbewegte Kaleidoskop dieser spannenden Geschichte mit verblüffendem Ausgang.

Im Oktober 1942 wurde ich in Berlin-Reinickendorf geboren. Umzug 1946 nach Hannover, wo ich eingeschult wurde und später bis 1959 die Gustav-Stresemann-Mittelschul besuchte. Anschließend absolvierte ich eine 3-jährige Handwerkslehre zum Universaldreher. Den Wehrdienst leistete ich von Oktober 1962 bis Oktober 1964 als Radar-Operator bei einer Raketenabwehr-Einheit auf dem Fliegerhorst Oldenburg. Danach Umzug nach Braunschweig, wo ich eine weitere Lehre zum Großhandelskaufmann bei einer hiesigen Eisen- und Stahlgroßhandlung machte, für die ich danach Streckengeschäfte mit Industriebetrieben und Großkunden abwickelte. Vom Januar 1970 bis zu meinem Eintritt in den Ruhestand im Januar 2001 arbeitete ich im Motorenwerk eines namhaften Automobilherstellers in verantwortlicher Position als Logistik-Disponent für Produktionsmaterial. Seit März 1971 bin ich glücklich verheiratet. Meine Frau und ich haben drei wunderbare Kinder in die Welt gesetzt, die natürlich längst verheiratet sind und selbst eigene Kinder haben. Meine Hobbies sind Aquarellmalerei, Aquatinta-Radierungen und das Schreiben von Fantasy-Romanen. Operation Pandora ist mein erster Roman, den ich veröffentliche.

Erstes Kapitel


»Wann sind wir denn endlich da, Käpt’n?«, maulte der Papagei. »Ich bin nämlich müde, und Hunger habe ich auch.«

»Ach, Cora«, antwortete der Kapitän geduldig, »halte noch ein bisschen durch, ja? Es kann nun nicht mehr weit sein.«

Kapitän Magnus Pricken, auf dessen Schulter der mittelgroße grüne Papagei mit dem roten Köpfchen hockte, war ein hochgewachsener, kräftiger Mann in den sprichwörtlich besten Jahren. Silbernes Haupthaar und ein weißstoppeliger Dreitagebart rahmten sein wettergebräuntes Gesicht, dessen ebenmäßige Züge und die prägnant hohe Stirn ihm das Aussehen eines unrasierten, etwa sechzigjährigen Hans Albers zu besten Hamburger und Babelsberger Zeiten verliehen. Unter buschigen Brauen blickte ein Paar eisblauer Augen freundlich und unternehmungslustig in die Welt.

Auf dem Kopf trug er die weiße Schirmmütze eines Marineoffiziers, die er sich lässig auf den Hinterkopf geschoben hatte. Die nachtblaue Uniform mit den goldenen Ärmelstreifen, Knöpfen und Tressen saß ihm wie auf den Leib geschneidert; sie unterstrich die natürliche Autorität, die von der äußerlichen Erscheinung des stattlichen alten Herrn ausging und wies ihn zudem als Kapitän der Handelsmarine aus.

Er hielt sich ein wenig schief, der lederne Handkoffer in seiner Linken glich das Gewicht des prall gefüllten Seesacks in seiner Rechten nur unzureichend aus. Bis nach Wiekenbüttel waren er und sein Papagei mit dem Linienbus gekommen, den Rest ihrer Reise nach Kiebitzberge mussten sie, mangels einer weiterführenden Bus- oder Bahnverbindung, zu Fuß zurücklegen. Hier draußen ein Taxi aufzutreiben, hatten sie sich vergeblich bemüht.

Als sie auf der Landstraße nach Kiebitzberge die letzten Häuser von Wiekenbüttel hinter sich gelassen hatten, öffnete sich ihnen einladend eine Birkenallee, in deren kühlen Schatten sie dankbar Zuflucht vor dem grellen Sonnenlicht und der noch anhaltenden Hitze des sich neigenden Sommertages fanden. Ein sanfter Abendwind ging wie eine zarte Berührung durch das Laub der Bäume; die Sonne warf bereits lange Schatten.

Sie waren erst wenige Meter unter dem Schutz der Bäume gegangen, als der Kapitän plötzlich seinen Schritt verhielt und mit angespannter Miene wie gebannt an dem Spalier der nach Norden führenden Birkenallee entlang spähte – so als habe dort etwas seine Aufmerksamkeit erregt.

Der Papagei auf seiner Schulter, der verwundert seinem Blick gefolgt war, sah aber nichts als die weißen, schwarz gemusterten Birkenstämme, die auf beiden Seiten der Straße ihre prächti