Der Tempel
im Inneren der Erde
Beinahe lautlos schritt der Zauberer durch einen schmalen Gang. Er trug eine lange Kutte aus dünnem Leinen, die fast bis zum Boden reichte. Feine Silberfäden umsäumten das leichte Gewand. Die Kapuze hatte er weit über den Kopf bis tief in das Gesicht gezogen. Mit jedem Schritt, den er machte, näherte er sich einer Halle, die am Ende des Tunnels lag, welcher in den harten Stein geschlagen war.
Er murmelte leise vor sich hin und fingerte hastig in seinen Umhangtaschen herum. Vorsichtig zog er einen steinernen Gegenstand aus seinem Umhang und nahm ihn dicht vor sein Gesicht. Er führte ihn bis an seine dünnen Lippen und behauchte ihn dreimal. Da entfaltete der kleine, unscheinbare Stein seine Leuchtkraft und man konnte seine Kristallstruktur erkennen. In schillernden Farben glitzerte er in der schmalen Hand des großen, schlanken Mannes. Man sah, dass seine Haut vom Schein des Kristalls beleuchtet, in bläulich schimmerndem Licht erstrahlte.
Der würdige, große Magier lächelte und lief weiter in Richtung der Halle, die am Ende des schmalen Ganges lag. Die Zwerge hatten den Weg in den Fels geschlagen und sich bemüht, die Wände glatt und glänzend zu halten. Es musste lange gedauert haben, diesen Gang in das Innere des Berges zu formen, der in einer Anhöhe gut versteckt von den Zwergen bewusst ausgesucht worden war. Hervorragend getarnt hatten sie den Eingang mit Runen versiegelt, und nur Eingeweihte waren in der Lage, ihn zu öffnen, um in das Innere des Berges zu kommen.
Mit leichten Schritten lief der hagere, große Mann ehrfürchtig in die Halle, die sich symmetrisch in die Höhe entfaltete. Die Baukunst der Zwerge war an diesem Ort eine Augenweide. Das Gewölbe erstreckte sich schier endlos und war von meterhohen Säulen eingerahmt. An der Hallendecke waren geschickt winzige, wie Fenster wirkende Schächte in die Hülle des Felsenberges angebracht. Das Tageslicht wurde dadurch in die Halle gelenkt und über Spiegel aus poliertem Stein in das Gewölbe geleitet. Es machte den Eindruck, als würde der Berg aus sich selbst heraus leuchten und es bedurfte keiner weiteren Lichtquelle. Die Wände glänzten glatt und ebenmäßig und der Ausdruck der Halle war machtvoll und imposant.
Der leuchtende Stein in der Hand des Zauberers änderte seine Farbe und es schien, als würde er dem dünnen Mann den Weg weisen. Er drehte sich in der Halle einige Male um sich selbst und beobachtete das Farbspiel des Steines in seiner Hand. Je nach Farbverlauf wendete er sich in die entsprechende Richtung und lief weiter bis ans Ende des imposanten Gewölbes.
Der kleine, kristalline Kompass in seiner Hand führte ihn zielsicher bis zu einer Wand, die mit Zeichen, Symbolen und Runen vollständig bedeckt war. Der hagere Magier zog seine Kapuze vom Kopf und sein silbriges Haar leuchtete mystisch mit dem funkelnden Licht des Saales um die Wette. Vorsichtig tastete er die einzelnen Runen ab und murmelte leise vor sich hin.
Seine blauen Augen funkelten hell und es schien, als würde seine Haut dünn in allen Regenbogenfarben glänzen. Der große Mann wirkte würdevoll und strahlte gleichzeitig liebevolle Güte aus. Er trug unter seinem Mantel ein schlichtes, naturfarbenes Hemd über einer weiten Leinenhose, die mit einer Hanfschnur an der Hüfte gebunden war.
Leise flüsterte er in Richtung der Wand, und der kleine Kristall in seiner Hand fing an, hell zu strahlen. Dann öffnete sich langsam die Felswand vor ihm. Der schwere, massive Stein rückte mit einem Grollen nach innen und die F