I nere Unruhe, die sich durch Meditation und Entspannungstechniken nicht beheben lässt, ständige Erschöpfung, ohne je Erholung zu spüren: Manchmal fühlt sich das Leben an, wie ein Gewitter im eigenen Kopf - wolkig, undurchsichtig, unkontrollierbar. Wenn Überforderung zum Dauerzustand wird, liegt das oft daran, dass du verlernt hast, Körper und Geist als Ganzes zu begreifen.
Die Psychologin Jennifer Subke ist Begründerin der Traumaorientierten, Körperzentrierten Hypnose. In ihrem Selbsthilfe-Buch zeigt sie dir Wege auf, wie du deinem Nervensystem Sicherheit vermittelst und zur Ruhe kommst.
Weg von den Wolken im Kopf und hin zu einer Zukunft voller Freiheit und Glück: Kindheitstraumata und Prägungen hinterlassen Spuren - nicht nur in deiner mentalen Gesundheit, sondern auch in deinem Körper. Jennifer Subke hat eine Methode entwickelt, wie du diese alten Wunden und Mikrotraumata heilen kannst. Ihr Ratgeber ist voller wertvoller Impulse und Übungen, um mit Mut und Zuversicht Verhaltensmuster zu ändern. Angstbewältigung beginnt im Körper - damit du zukünftigen Herausforderungen mit Sicherheit und Kraft begegnen kannst!
Wir Menschen haben Angst, während wir versuchen, keine Angst zu haben.
Jennifer Subke
Die Selbstregulation ist eine der wichtigsten und größten Kompetenzen für ein Leben in Sicherheit und Vertrauen. Diese besteht, wenn eine Herausforderung in deinem Leben kommt und du sie wie eine Welle durch dich gleiten lassen kannst, ohne dich aber von ihr mitreißen zu lassen. Das heißt, das Leben an sich beeindruckt dich weniger – und gleichzeitig ist alles weniger dramatisch und überwältigend. Immer dann, wenn du das Leben als überwältigend wahrnimmst – im positiven wie im negativen Sinne –, entsteht in dir ein Trauma. Folglich speichert sich in dir ab: Das Leben ist mehr als ich und ich bin zu wenig. Du hast es also nicht geschafft, dich so zu regulieren, dass du wieder im grünen Bereich deines Nervensystems landest. Dieser ist der sichere Bereich, wo du dich pudelwohl in deinem Leben und in deiner Haut fühlst.
Selbstregulation an sich ist somit die Fähigkeit, den Widrigkeiten des Lebens aufrecht und in Entspannung zu begegnen, während du aus diesen in einem Wachstum und nicht in einem Durchhalten oder einer Überwältigung herausgehst. Ich beschreibe das auch gerne damit, die Wellen des Lebens surfen zu lernen. Hier gibt es noch einen zweiten Begriff, den ich als wichtig erachte: das Containment. Das bedeutet, die Höhe der Wellen, die anrollen, containen (= halten) zu können und auch zu lernen, schnell wieder aus dem Zustand des Unangenehmen in einen sicheren Zustand zu wechseln. Dabei kannst du dir Selbstregulation so vorstellen, als würdest du ein Sportler sein, der – wenn es anstrengend wird – danach sehr schnell aus dem erhöhten Puls wieder in den Ruhepuls gelangt. Containment meint hier, den hohen Puls und die hohe Anstrengung länger halten und auch als angenehmer empfinden zu können. Dies kannst du eins zu eins auf Herausforderungen in deinem Leben übertragen.
Die Selbstregulation lernst du in den ersten Jahren deines Lebens. Denn hier musst du zwingend über deine Mama, deinen Papa oder andere nahe Bezugspersonen reguliert werden. Du wirst nicht mit der Fähigkeit geboren, dich selbst zu regulieren. Ein Baby kann sich nicht selbst regulieren, genauso wenig wie es sich selbst füttern oder ernähren kann. Also gerade in den ersten Monaten ist das Nähren durch die Bezugsperson auch im übertragenen Sinne entscheidend. Wenn du in diesem Zeitraum auf allen Ebenen physisch, seelisch und psychisch richtig und gut genährt wirst, dann wird dein Nervensystem Sicherheit, Liebe und Ankommen verspüren. Die Regulation erfolgt durch deine Eltern oder eine andere nahe Bezugsperson und dabei vor allem durch Körperkontakt, Stimme und indem deine Bedürfnisse richtig erkannt und dann auch adäquat befriedigt werden. Das heißt, dass deine Eltern spüren, wann du Hunger hast, wann du Liebe und Geborgenheit benötigst (wobei das permanent nötig ist), wann du schlafen möchtest oder andere Leiden oder Bedürfnisse hast. Nach dem Neugeborenen-Stadium werden sich deine Bedürfnisse zunehmend erweitern. So wird jenes nach Erkundung und Entdeckung der Welt hinzukommen und auch nach Bewegung. Jedoch ist es in den ersten Lebensjahren die Basis für alles, dass du Sicherheit spürst und Regulation erlebst. Wenn du also schreist, dann sollte deine Bezugsperson sofort kommen und dich beruhigen. Die Art von Beruhigung ist unbedingt durch Singen, Summen, Körperkontakt und vor allem durch physisches und PSYCHISCHES Präsentsein zu erzeugen. Denn viele Eltern glauben, es reiche aus, wenn sie einfach physisch präsent sind. Dem ist aber nicht so, denn das kleine Wesen, das sehr offen, spürig und sensibel ist, merkt, ob die Bezugsperson gerade am Handy, gestresst ist oder andere Themen wichtiger sind – oder ob es und seine Bedürfnisse und seine Regulation an erster Stelle stehen. Blicken wir zeitlich ein wenig zurück, dann war die Generation meiner Eltern, die jetzt ungefähr 60-Jährigen, die Generation der »Mitläufer« – das bedeutet, dass es in den Familien oft mehrere Kinder gab, die einfach da waren. Außerdem waren es ja noch die Eltern der Nachkriegsjahre, die meine Mutter und meinen Vater großzogen. So war mein Großvater noch im Krieg gewesen und meine Großmutter eher kalt und abwesend aufgrund der Nachkriegszeit und der damaligen widrigen Umstände. Kinder hatten nicht die gleichen Rechte und die gleiche Wichtigkeit wie Eltern, sie waren einfach da. Die Erlebnisse der Großeltern wirkten sich auf die Erziehung und Prägung unserer Eltern aus.
Wenn wir in die Zeit meiner Kindheit schauen, die durch die wiederum weitergegebenen Erfahrungen unserer Eltern, also der nächsten Generation, geprägt wurde, war es schon anders. Meine Eltern hatten mich und meine Schwester bekommen und meine Mutter war drei Jahre für uns da, bis sie wieder arbeiten ging. Allerdings war es damals so, dass die moderne Medizin Frauen primär in Krankenhäusern gebären ließ. Zu den Zeiten, als meine Großmutter Kinder bekam, war eine Hausgeburt noch völlig normal. Die letzten Jahrzehnte war eine solche hingegen undenkbar, da sie als zu gefährlich abgetan w