Valerie ist verschwunden
Kurz vor 20:00 Uhr betrat Valerie den Pub durch die Hintertür, weil der Nebenraum auf diese Art sofort zu erreichen war. Was sie jetzt überhaupt nicht brauchte, waren Bekannte oder Freunde. Amelia war am Nachmittag für drei Tage nach Edmonton geflogen, das lag 200 Kilometer westlich von Hay River im Bundesstaat Alberta. Sie wollte dort eine kranke Freundin besuchen.
Als Valerie eintrat, saß Mario schon in der hintersten Ecke des Raumes an einem Tisch und hatte ein Bier vor sich stehen. Sie setzte sich zu ihm. Er sah sie schweigsam von der Seite an, allerdings schien er nicht gerade begeistert zu sein. Valerie bemerkte die Unrast in seinen Augen. Irgendetwas schien ihm zu schaffen zu machen. Valerie entschloss sich, nicht um den heißen Brei herum zu reden, und zeigte ihm wortlos die Bilder von diesem Grab im Wald und fragte dann:
„Hast du ihn erschossen oder dein Kumpel, dieser Engländer?“ Mario starrte erst auf das Handy in Valeries Hand und sah dann sie an. Sein Gesicht war zu einer Maske erstarrt. Gerade als er etwas sagen wollte, kam die Kellnerin und fragte, ob sie etwas trinken wollte. Valerie bestellte ein Cola mit Rum. Bis jetzt hatte Mario noch mit keiner Silbe auf Valeries Frage geantwortet und Valerie versuchte es erneut:
„Du musst zur Polizei gehen, Mario! Wenn du ihn nicht erschossen hast, dann kann dir auch nicht viel passieren. Und mit einem guten Anwalt kommst du noch mit einem blauen Auge davon.“ Die Kellnerin kam wieder zurück und brachte Valeries Getränk. Als sie wieder gegangen war, holte Mario tief Luft.
„Wieso hast du mir hinterher spioniert?“ Valerie schüttelte den Kopf.
„Das war reiner Zufall, das musst du mir glauben! Wir waren ausreiten und sind durch Zufall dort vorbeigekommen. Durch den lauten Streit sind wir auf euch aufmerksam geworden. Dann fiel der Schuss.“ Mario starrte sie böse an und fauchte:
„Was heißt denn „wir“? Wer war denn noch dabei?“ Valerie merkte sofort, dass sie einen Fehler begangen hatte und so nur Amelia in Gefahr brachte. Deshalb wehrte sie ab:
„Das tut nichts zur Sache, Mario. Ich habe dich, den Engländer und die beiden vom Boot gesehen. Das reicht doc