: Eleonore Heerwart
: Matthias Brodbeck
: Fünfzig Jahre im Dienste Fröbels Erinnerungen von Eleonore Heerwart
: Books on Demand
: 9783769346862
: Frühe Schriften zur Fröbelpädagogik
: 1
: CHF 22.20
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 656
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eleonore Heerwart wurde als herausragende Vertreterin der frühen Fröbelbewegung von Freunden in Deutschland und Amerika gebeten, die Erinnerungen ihrer mehr als 50-jährigen Wirksamkeit als Fröbel-Pädagogin aufzuschreiben. Sie schreibt darüber:'Das Interesse meiner pädagogischen Freunde knüpft sich nicht an meine Person, sondern an Fröbel, dessen Erziehungsweise ich mich seit 1853 unausgesetzt gewidmet habe und daher mein Leben wie ein Faden durchzieht. In derselben Zeit entwickelten sich die in seinem Sinne errichteten Anstalten, namentlich die Kindergärten und Bildungsanstalten für Kindergärtnerinnen, sodass ich das Wachstum von kleinen Anfängen bis zu der jetzigen Verbreitung mit erlebt habe.' Die Selbstzeugnisse Eleonore Heerwarts belegen, wie sie die für eine Frau um 1850 bestehenden Hürden überwand und zu einer weltweit bekannten und hoch geachteten Expertin und Protagonistin der Kindergartenbewegung wurde. Ihr Einfluss darauf, dass die Kindergarten-Idee Friedrich Fröbels heute weltweit verbreitet ist und somit faktisch zum kulturellen Erbe der Menschheit gehört, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Kinder auf der ganzen Welt eint, dass sie in einen Kindergarten gehen. Wie bedeutsam für eine Welt, in der sich wieder Zwietracht breit machen möchte.

Eleonore Heerwart, geb. 24.02.1835 in Eisenach; verst. 19.12.1911 ebenda, gehört zu den bedeutendsten Personen der frühen Fröbelbewegung. Besondere Verdienste erwarb sie sich um die Zusammenführung der Fröbelanhängerinnen und -anhänger in Deutschland. Durch ihr mehr als ein Jahrzehnt währendes Wirken in Großbritannien und Irland erwarb sie sich darüber hinaus um die weltweite Verbreitung der Kindergartenidee und ihre praktische Umsetzung höchste Verdienste. Sie hatte das große Glück, in ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin mit Fröbels zweiter Ehefrau Luise, geb. Levin, und Wilhelm Middendorff, dem engsten Mitstreiter Fröbels, aus den direkten Quellen Fröbelscher Ideen schöpfen zu können. Ihr sehr ansprechender persönlicher Schreibstil macht dieses Buch zum lesenswerten Zeugnis einer Geschichte der frühkindlichen Erziehung von Fröbel bis zum Beginn des'Jahrhunderts des Kindes' (E. Key).

Kindheit und Jugendzeit.


Es gehörte zu den glücklichsten Stunden meiner Jugend, wenn wir Geschwister, Auguste, Emil und ich zusammen saßen, um unserer Mutter zuzuhören, wenn sie italienische Lieder sang und die Gitarre dazu spielte; das geschah freilich selten, denn ein chronischer Husten plagte sie gar sehr; oder wenn sie aus ihrer Jugendzeit erzählte, die sie von 1794 im Elternhaus zubrachte und von den Kriegsjahren 1810, bis es keine Franzosen, Russen, Kosaken und andere Völkerschaften in Eisenach mehr gab. Auch im Kreise von lieben Verwandten und Bekannten wurde meine Mutter gebeten, ihre interessanten Erlebnisse zu erzählen und während jene mit weiblichen Arbeiten beschäftigt, bei Kaffee und Kuchen in der traulichen Stube bei uns zusammen saßen, da lauschten sie den Geschichten aus „alter Zeit“. Manchmal wurde weiter zurückgegriffen, denn die Art und Weise, wie „mein Großvater die Großmutter nahm“ war zu amüsant; man wollte sie immer wieder hören, zumal jüngere Mitglieder des gemütlichen Kreises sie noch nicht gehört hatten. Da saß nun meine Mutter mittendrin, nähend oder strickend und fing von ihrem Vater an:

Er stammte aus Hardegsen in der Nähe von Göttingen; war 1740 geboren und ging früh unter die Soldaten, machte den 7jährigen Krieg 1756—1768 und andere Kriege mit, stieg schnell empor, wurde Adjutant und Hauptmann, war ein stattlicher Mann, trug rote Uniform mit Silber, erhielt feine Pension aus England, wo Kurfürst Georg III. als König regierte; wurde als Freund des Generals von Seebach eingeladen, sich mit ihm auf dessen Gut Kammerforst bei Gotha zurückzuziehen, wo die beiden Offiziere bis zum Jahre 1790 zusammen lebten. Der Hauptmann Köchig war bereits 50 Jahre alt geworden und bisher unverheiratet geblieben; sein Freund war älter und wurde von Gicht geplagt, was ihn veranlagte, den Dr. Stammler in Mechterstädt zu Rate zu ziehen. Hauptmann Köchig schrieb eines Tages an diesen Arzt und erhielt in zierlicher Schrift eine Antwort von der Tochter, dass ihr Vater nicht zu Hause sei, die Botschaft ihm aber sofort nach seiner Rückkehr mitgeteilt werden solle. Der Hauptmann, der selbst eine gute Hand schrieb, sagte beim Empfang jener Zeilen, dass im Falle er sich noch verheiraten würde, er die Schreiberin dieses Briefes zur Frau haben möchte. Gesagt, getan! Als Dr. Stammler kam, hielt er um dessen Tochter an, bekam aber zur Antwort, dass sie noch sehr jung sei. Obgleich der General den Freund nicht gern verlieren wollte, gab er ihm doch den Galawagen, mit 4 Pferden bespannt, mit Kutscher und Bedienten in Livree zur Brautwerbung mit nach Mechterstädt, wo die Ankunft des schönen Mannes in hannöverischer Uniform am 4. Mai 1791 gewiss großes Aufsehen erregte. Die Werbung wurde angenommen und im November 1791 folgte die Hochzeit mit der einzigen Tochter des Dr. Stammler, der im Dezember vorher gestorben war, womit freilich auch die Trennung der Freunde verbunden war; denn der Hauptmann sollte nach Mechterstädt ziehen und Haus, Garten und Felder seiner Braut in Besitz nehmen. Bald