: Anna Undietz
: Silberreiher auf grünem Feld
: Books on Demand
: 9783769385458
: 1
: CHF 4.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 308
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nach einer gescheiterten Karriere und der Rückkehr aus Wien versucht Wilma in der oberfränkischen Provinz ein neues Leben zu beginnen. Zwischen dörflicher Idylle und innerem Chaos sucht sie nach ihrem Platz - und sich selbst. Doch ihre Vergangenheit und die scharfe Stimme ihrer inneren Kritikerin lassen sie nicht los. Parallel begegnen wir Lisa und Birgit, zwei Frauen, deren Lebensentwürfe auf einer griechischen Insel aufeinandertreffen. Unterschiedlich wie Tag und Nacht, werden sie durch ihre Träume und Zweifel verbunden. Eine einfühlsame Geschichte über Selbstfindung, die Schönheit des Unperfekten und die Kraft der Veränderung. Ein Roman, der die Sehnsucht nach Freiheit und Zugehörigkeit weckt - und den Leser zum Nachdenken bringt.

Anna Undietz ist in Regensburg geboren und lebt mit ihrer Familie in Franken. Das Studium der Anglistik und Romanistik in den 80er Jahren öffnete ihr Bewusstsein für die unterschiedlichen Welten, in denen wir Menschen leben. Silberreiher auf grünem Feld ist Annas zweiter Roman, in dem sie sich mit den Lebensrealitäten junger Frauen auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht Wilma und ihr eigenwilliger Lebensentwurf.

AUGUST 1997

Der Maiskolben in meiner Hand fühlt sich schön fest an. Ich denke, er müsste schon reif sein, und drücke noch einmal zu. Der Mais steht hoch, hier sieht mich kein Mensch. Außerdem schlafen um diese Zeit noch alle. Ist gerade mal sieben und obendrein Samstag.

»Denkst du!«, tönt meine Nervensäge neben mir.

Ich höre den kritischen Unterton in ihrer Stimme, aber ich bleibe gelassen. Ihre Angewohnheit, sich anzuschleichen und alles zu kommentieren, was ich tue, regt mich mittlerweile nicht mehr auf. Ich habe gelernt, mit ihr zu leben. Sie folgt mir auf Schritt und Tritt, sie warnt mich, sie streitet, lacht und weint mit mir. Und immer dann, wenn ich mich fühle, als könnte ich die Welt erobern, dann leuchten ihre Alarmlampen rot auf. Sie sieht mich dann bereits wippend auf der äußersten Kante des Sprungbretts, gewillt, Schwung zu holen für den nächsten Höhenflug. Das ist der Moment, wo sie dazwischengrätscht, das kleine Miststück. Genüsslich reibt sie mir dann unter die Nase, wie naiv und selbstüberschätzend ich bin: »Du denkst wohl, alle haben nur auf dich gewartet?