: Egon Spiegel
: Peter Bürger
: Gewaltverzicht Grundlagen einer biblischen Friedenstheologie
: Books on Demand
: 9783769394146
: edition pace
: 1
: CHF 4.50
:
: Religion/Theologie
: German
: 412
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der vorliegende Band im Regal"Pazifismus der frühen Kirche" erschließt eine bibeltheologische Gesamtschau zum Themenkreis"Gewalt - Gewaltverzicht - Frieden". Unsere Neuedition des erstmals 1987 veröffentlichten Pionierwerks"Gewaltverzi ht" von Egon Spiegel folgt ohne Änderungen der zweiten Auflage aus dem Jahr 1989. Der Verfasser arbeitet nicht nur die Tragweite des Gewaltverzichts Jesu heraus. Indem er der Frage nachgeht, warum sich Jesus jeder Gewaltanwendung enthalten hat, führt er in eine wenig bekannte alttestamentliche Theologie des Gewaltverzichts ein. Selbstverständlich setzt er sich dabei auch ausführlich mit der weitverbreiteten Vorstellung eines gewalttätigen Gottes auseinander. Im dritten Hauptkapitel wird gewaltfreies Handeln in der Reich-Gottes-Perspektive erklärt. Das zentrale Fazit der Untersuchung: Gebrauch und Einsatz von Gewalt sind atheistisch. Wo immer Gewalt angewandt wird, da wird nicht mit Gott als einer lebensfördernden Macht gerechnet, ja wird ein Eingreifen Gottes dadurch verhindert, dass die Konfliktpartner die Lösung des Konflikts eigenmächtig in allein ihre Hand zu nehmen versuchen. Umgekehrt ist es das Ziel der gewaltfreien Aktion, einen von Gewalt und Gegengewalt freien Raum der politischen Auseinandersetzung zu schaffen, in dem göttliche Dynamik schalom-stiftend wirksam werden kann. edition pace. Regal: Pazifismus der frühen Kirche 3. Herausgegeben von Peter Bürger. In Kooperation mit: Lebenshaus Schwäbische Alb, Ökumenisches Institut für Friedenstheologie.

Egon Spiegel, Dipl.-Theol. (Universität Freiburg i.Br.), Dipl.-Pol. (Universität Marburg), Ausbildung zum Pastoralreferenten (Diözese Fulda), theologische Promotion in Christlicher Gesellschaftslehre (Universität Freiburg i.Br.), theologische Habilitation mit Venia legendi für Religionspädagogik (Universität Münster), Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Religionspädagogik des Instituts für Katholische Theologie und ihre Didaktik der RWTH Aachen, Wissenschaftlicher Assistent im Institut für Lehrerbildung der Universität Münster, Lehrkraft für besondere Aufgaben im Institut für Lehrerbildung der Universität Münster, Lehraufträge an den Universitäten Köln, Siegen, Gießen, Professor für Religionspädagogik in der Philosophischen Fakultät der TU Dresden, Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Theologie: Religionspädagogik und Pastoraltheologie in der Universität Vechta, zwischenzeitlich Titularprofessor der Ermländisch-Masurischen Universität in Olsztyn/Polen, Visitingprofessor der Cyber University in Seoul/Südkorea, Rufe an die Universitäten Wien und Luzern, seit der Pensionierung Advisory Professor am UNESCO-Lehrstuhl für Friedenswissenschaft der Nanjing University, Nanjing/China. - Als einer der Pioniere der kritischen Friedenswissenschaften: zahlreiche Publikationen zur Friedenserziehung und Friedensarbeit, seit den 1970er Jahren aktiv in antimilitaristischen und pazifistischen Bewegungen,1974 wegen seiner Totalverweigerung (Zivildienst"Kriegsdiens ohne Waffen") in einem Aufsehen erregenden Prozess zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und inhaftiert. Friedenswissenschaftlich international vernetzt mit Projekten in den USA, Asien und Afrika.

1 ǀ Umfang des Gewaltverzichts Jesu


Jesu Gewaltverzicht hinsichtlich seines Umfanges in den Blick zu bekommen, ist angesichts der Quellenlage und des großen zeitlichen Abstandes kein unproblematisches Unterfangen. Selbstverständlich heißt es dabei, die Ergebnisse der historisch-kritischen Exegese aufzugreifen, was freilich nicht ausschließen muß, sich in die Existenz Jesu, d. h. hier sein Ringen um den rechten Weg in den Auseinandersetzungen mit den religiösen und politischen Kräften seiner Zeit,einzufühlen. Das Profil Jesu, die Konturen seines gewaltfreien Handelns erschließen sich – das unterstreicht auch die Vielfalt der zitierten Beiträge – im Geltenlassen, mehr noch in der einander ergänzenden Zusammenführung unterschiedlichster Entdeckungsversuche. Eine historisch völlig abgesicherte Wiedergabe des Verhaltens Jesu wird es niemals geben und braucht es auch niemals zu geben: der geglaubte, kerygmatische Jesus ist zugleich auch der irdische, historische Jesus, wie umgekehrt der historische Jesus als vor allem der geglaubte zur Überlieferung Anlaß gibt.

Natürlich ist dabei auch die Unterscheidung von jesusechten Worten bzw. Taten und sogenannten Gemeindebildungen35 und – damit verbunden – die interessante und reizvolle Frage nach dem historischen Jesus36 angezeigt. Um jedoch nicht in dem weiten Feld der dadurch aufgeworfenen (Vor)fragen stecken zu bleiben, wird dem hier nur exemplarisch und nicht durchgängig entsprochen. Das Bild des historischen Jesus mag von den Verfassern und Redaktoren der neutestamentlichen Schriften verschiedentlich verzeichnet sein, indes niemals so verzerrt, daß dadurch das Anliegen Jesu verdunkelt oder gar verraten wäre. Der geglaubte Jesus der nachösterlich entstandenen schriftlichen Zeugnisse ist auch ein Spiegelbild des historischen, mehr noch: eine dichte Wiedergabe jesuanischen Profils. Die Inkaufnahme einer mehr verschwommenen Sicht des historisch wahren Wirkens Jesu, die z. T. unkritische Hinnahme vielfältiger, situations- und auseinandersetzungsbedingter Einfärbungen37 halten freilich dazu an, wo immer im folgenden vomGewaltverzicht Jesu die Rede ist, ergänzend mitzudenken: imZeugnis seiner ersten Jünger, in der Wiedergabe der Evangelisten. Um es abschließend noch einmal zu betonen: so sinnvoll die angedeuteten Differenzierungen sind, hier würden sie, streng durchgehalten, den Versuch einer Orientierung in der Gewaltfrage, ausgehend vom Beispiel Jesu, eher behindern als fördern. Nach Jesu Verhältnis zur Gewalt fragen heißt auch, nach dem der ersten Gemeinden (in denen die schriftlichen Glaubenszeugnisse entstanden sind) fragen. Darin sauber unterscheidende Detailuntersuchungen bleiben reizvoll und sind überaus wünschenswert; hier können sie nicht geleistet bzw. nicht in jedem Fall referiert werden.

Mit diesen Einschränkungen gilt es nun, in einem ersten Kapitel nachUmfang und Tragweite des Gewaltverzichts Jesu zu fragen, um in den beiden darauffolgenden Kapiteln (2 und 3) dieGründe undAbsichten seines Verhaltens so herauszuarbe