Mein erster Morgen wieder zu Hause war total verregnet. Beruhigend prasselten die Regentropfen gegen mein Schlafzimmerfenster und trommelten auf die Fensterbank. Das Fenster in meinem Schlafzimmer war zu jeder Jahreszeit gekippt. Je kühler es war, desto besser war mein Schlaf. Meine Freundin Anna schimpfte mich immer einen Frischluftfanatiker. Wenn wir ein paar Gläschen zu viel getrunken hatten und uns in stundenlangen Gesprächen über Gott und die Welt verloren, übernachtete sie manchmal bei mir. Anna und ich kannten uns schon ewig. Seit dem Kindergarten waren wir unzertrennlich. Die Freundschaft mit ihr war ein Segen. Obwohl wir grundverschieden waren, hörten wir uns immer zu. Auch wenn wir den anderen nicht verstanden, so werteten wir uns gegenseitig nicht. Wir konnten einander so lassen, wie wir waren, und das war wahrscheinlich das Geheimnis unserer langen Freundschaft. Annas Freund Robert war ein richtiger Nerd. Er arbeitete für einen Software-Entwickler und studierte nebenbei noch Geschichte und Mathematik. Seine geistigen Ergüsse und Belehrungen nervten mich immer. Robert konnte mit mir und meinem Sarkasmus ebenfalls nichts anfangen, weshalb Anna und ich uns immer bei mir zu Hause trafen. Anna und er liebten sich aus tiefsten Herzen und Robert würde alles für sie tun. Deshalb akzeptierte ich ihre Liaison und freute mich für die beiden. Wir wollten beide nicht, dass Anna zwischen zwei Stühlen saß. Das schätzte ich sehr an ihm.
Gestern, während der Heimfahrt von Peer, hatte ich noch meiner Kollegin geschrieben, dass ich einen freien Tag bräuchte, um etwas zu erledigen. Urlaubstage und Zei