Karl saß in einem Wartezimmer, das ihm wie jedes andere erschien. Dass er die meisten seiner Arztbesuche in den letzten Jahren in ähnlichen Räumen verbracht hatte, irritierte ihn nur manchmal. Ein schaler Kaffee stand vor ihm, längst kalt geworden, und die wenigen Seiten eines Magazins, das einen warmen September besang, waren ohne Bedeutung. Für ihn war heute nur der kühle Raum wichtig – und die Tür, die bald aufging. Als Dr. Müller schließlich hereinkam und ihn mit einem Kopfnicken begrüßte, erhob Karl sich und folgte ihm schweigend. Er kannte den Weg durch die schmalen Gänge, wie man den Weg zum eigenen Schlafzimmer im Dunkeln kannte. Er hatte lange aufgehört, Details wahrzunehmen – die weißen Wände, die antiseptischen Gerüche, die sanften Stimmen der Schwestern im Flur.
Im Büro des Arztes setzte Karl sich. Dr. Müller war ruhig, beinahe zu ruhig, und für einen Moment fühlte Karl, wie sich eine Anspannung in ihm regte, die er nicht zuordnen konnte. „Herr Neumann,“ begann der Arzt, und das