EINLEITUNG | 1984
„Wenn alle es machen würden wie die Christen“, so schrieb der Platoniker Celsus im dritten Jahrhundert kritisch über die Kriegsdienstverweigerung der Christen, „so wäre der Kaiser bald allein und vereinsamt, und die Dinge auf Erden würden in kurzem in die Hände der wildesten und abscheulichsten Barbaren geraten; darum sollten die Christen dem Kaiser den möglichsten Beistand gewähren, ihn in der Erfüllung der Obliegenheiten seines Amtes unterstützen, für ihn die Waffen tragen und, wenn die Not es fordert, für ihn zu Felde ziehen und seine Truppen anführen“.
Auf diese sehr aktuell anmutende und oft in der Geschichte so oder leicht abgewandelt vorgetragene Argumentation für den Kriegsdienst antwortete derzeit der Christ Origenes im Blick auf sich und seine Glaubensbrüder: „Wir sind gekommen, den Ermahnungen Jesu gehorsam, die Schwerter zu zerbrechen, mit denen wir unsere Meinungen verfochten und unsere Gegner angriffen, und wir verwandeln die Speere, deren wird uns früher im Kampf bedient haben, in Pflugscharen; wir lernen nicht mehr, den Krieg zu führen, nachdem wir Kinder des Friedens geworden sind durch Jesus, der unser Führer anstelle der heimischen geworden ist.“
Die Argumente des Nicht-Christen Celsus haben sich über viele Jahrhunderte hinweg bei der Mehrheit der Christenheit durchgesetzt, nicht die Haltung des Christen Origenes. Wie kam es dazu?
Origenes ruft die prophetische Verheißung des Alten Testamentes in Erinnerung, wie sie von Jesaja und Micha ausgesprochen wurde: „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.“ Heute stehen diese Worte auf dem Denkmal vor dem UNO-Gebäude in New York, und der Philosoph Ernst Bloch schreibt dazu: „Hier ist das Urmodell der pazifistischen Internationale“. In Jesus ist die Verheißung des alten Bundes zur Erfüllung gekommen, und Gott wird im Neuen Testament der „Gott des Friedens“ genannt. Jesus lehnte die Anwendung von Gewalt oder die Beteiligung daran ab und nahm, als er als Verbrecher am Kreuz hingerichtet wurde, lieber das eigene Leiden hin, als daß er es anderen zugefügt hätte.
Die Aussagen der Bergpredigt, die er seinen Jüngern als Orientierung gegeben hatte, hatten eine nachhaltige Wirkung auf die frühe Kirche der ersten Jahrhunderte. Von den Christen der frühen Zeit ist keinerlei Beteiligung an gewaltsamen Handlungen überliefert; sie waren dagegen oft das Opfer von Gewalt, sie waren Verfolgung, Gefängnis, Folter und Tod ausgesetzt. Die Preisung der „Friedensmacher“ als Kinder Gottes durch Jesus prägte deutlich das Bewußtsein der Christen in den ersten Jahrhunderten der Kirche. Nicht nur der Beruf des Gladiators, des Astrologen oder der Prostituierten zählte damals zu den für Christen verbotenen Berufen, sondern ebenfalls der Beruf des Soldaten. Wer Christ ist, durfte nicht mehr Soldat werden – dies betonen eine Rei