: Lothar Geisler
: Mit Technik das Klima retten? Chancen - Risiken - Illusionen Marxistische Blätter 1_2025
: Neue Impulse Verlag
: 9783961703913
: Marxistische Blätter
: 1
: CHF 9.70
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: Politik
: German
: 188
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

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ie Qual der Wahl

Lotha Geisler

Aus politischer Verantwortung und/oder eigener Schwäche das »kleinere (sozialdemokratische) Übel« zu wählen, hat eine lange kommunistische Tradition. Von der kurzen Nachkriegszeit bis zum KPD-Verbot und dem goldenen Jahrzehnt der Reform- und Entspannungspolitik mal abgesehen. Die großen Übel stehen für klassenbewusste Arbeitende natürlich nie zur Wahl: der schwarze Club Der Unternehmer (früher Deutschland AG, heute BlackRock& Co) oder die gelben Marktradikalinskis und Kanzlerkiller. Von grünen Bellzist:innen und blau-braunen »Alternativen« ganz zu schweigen.

Wobei: das »kleinere Übel« ist im Lauf der Jahrzehnte in mehrfacher Hinsicht immer größer geworden. Auch zahlenmäßig. Denn 2025 stehen gleich drei (!) sozialdemokratische Varianten auf dem Wahlzettel zum Bundestag. Und ich habe ehrlich gesagt in meinem persönlichen Umfeld noch nie soviel Unzufriedene erlebt, unzufrieden nicht nur mit dem Zustand unseres Landes und der Welt, sondern unzufrieden mit der eigenen Partei, deren ehemalige Hoffnungsträger allesamt verblasst und verbraucht sind. Man möchte fast rufen: »Unzufriedene Sozialdemokrat:innen aller Parteien vereinigt euch!« Wird so schnell nicht klappen. Bleibt 2025 die Qual der Wahl.

Die »alte Tante SPD«- mittlerweile inhaltlich total entkernt- will mit mehr »kämpferischer Optik« aus Olaf Scholz, dem Vollstrecker der »Zeitenwende« (»Frieden schaffen nur mit Waffen!«) einen wählbaren »Friedenskanzler« machen. Während der in den letzten Tage seiner Amtszeit weitere Rüstungsmillionen nach Kiew trägt- diesmal persönlich und im Zelenskij-Look- überspringt der DAX die 20.000er Marke und Zehntausende Kolleg:innen von Thyssen Steel, Volkswagen, Ford und anderen Unternehmen bangen um ihre Existenz, kämpfen für ihre Zukunft, die ihrer Familien und darum, dass Sicherheit auch als ihre soziale (!) Sicherheit garantiert wird.

Die noch nicht ganz so entkernte Partei Die Linke, will sich mit drei Direktmandaten für ihre parlamentarischen »Silberlocken« noch mal in den Bundestag retten. Dass Die Linke dort gar nichts erreicht hätte, kann man nicht sagen. In der »Regierungsverantwortung« ostdeutscher Bundesländer hat sie jedoch viele ihrer Wähler:innen enttäuscht zurück- und das Feld der AfD überlassen. Enttäuscht hat sie vor allem auch als konsequente Anti-Kriegs- und Friedenspartei. Weshalb es nun als drittes »kleines Übel« im Bunde das abgespaltene BSW gibt, das bisher nur in der Friedensfrage ein klares Profil hat...

Ungeduldiger Zwischenruf: »Ey, Genosse Geisler, was wählst Du denn jetzt? Welche Wahlempfehlung gibst Du in Deinem Umfeld?«

Nun gut, hier meine Antwort: »Hast Du schon den Berliner Appell unterschrieben? Kommst Du mit zur nächsten Anti-Kriegs-Aktion? Dann erzähl' ich Dir im Vertrauen, welches der beiden ?kleineren (sozialdemokratischen) Übel? ich vermutlich wählen werde.« (Hoffentlich kommen beide in den Bundestag!) Und dann zitiere ich gerne als »Wahlprüfstein« These1 des Hamburger Parteitages meiner DKP von 1986: »Sicherheit ist im Nuklearzeitalter nur noch als gemeinsame Sicherheit erreichbar. Die Abwendung eines atomaren Infernos ist zur grundlegenden Voraussetzung für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation und damit auch für das Vorankommen des gesellschaftlichen Fortschritts geworden. Der Friedenskampf ist die wichtigste humanistische Aufgabe und zugleich die erste Pflicht eines jeden...«. Wer danach handelt, kriegt meine Stimme, auch ohne »Revolutionär/in« zu sein.

<p><strong>Thema: »NEIN zur Kriegstüchtigkeit«</strong></p><p><strong>Editorial</strong></p><p>»Scheitern ist keine Option!« mahnte UN-Generalsekretär Guterres. Aber sowohl die COP29 (Klimakonferenz in Baku) als auch die COP 16 (Biodiversitätskonferenz in Kolumbien) sind gescheitert. In erster Linie, weil die reichen Ländern nicht zahlen wollen. Das 1,5Grad-Ziel ist nicht mehr zu erreichen. Derzeit steuert die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,6bis 3,1Grad Erwärmung zu. Inger Andersen, Chefin des UN-Umweltprogramms, warnte: »Die Konsequenzen einer so extremen Erwärmung für Menschen, Gesellschaften und Volkswirtschaften sind unvorstellbar.«</p><p>Aber was ist zu tun? Es sind vor allem die entwickelten Industriestaaten und einige »Schwellenländer«, die nicht nur für den Hauptanteil an klimaschädlichen Emissionen verantwortlich sind, sondern deren Anstrengungen wie die- auch finanzielle- Unterstützung der ärmeren Länder völlig unzureichend sind. Mit der erneuten Wahl von Trump zum Präsidenten übernimmt in den USA die fossile Lobby die Regierungsgeschäfte, der abermalige Rückzug aus dem Pariser Abkommen ist nur der Anfang. In der BRD lobte sich die Ampel selber für ihre Klimaschutzmaßnahmen, die aber gleichfalls unzureichend sind.</p><p>Im ersten Beitrag des Schwerpunkts beschäftigt sich Nina Hager mit Klimaveränderungen in der Erdgeschichte. Seit wann greift der Mensch so gravierend in das Klimasystem der Erde ein, dass anthropogene Einflüsse eine immer entscheidendere Rolle spielen? Und seit wann ist das eindeutig wissenschaftlich belegbar?</p><p>Der Technikphilosoph Gerhard Banse betrachtet in seinem Beitrag »Technikentwicklung in Zeiten des Klimawandels« die Rolle der Technik in unserer Gesellschaft. Um dem Klimawandel zu begegnen, bedarf es einer tief in die Gesellschaft eingreifende Transformation: »Vieles daran ist technisch vermittelt bzw. technikbasiert. Für diesen Prozess wird bzw. kann es keine einfachen Lösungen geben.« Anette Schlemm geht in ihrem Artikel »Mit Kompensations-Illusionen ins Klima-Chaos« auf den Irrglauben ein, dass uns »climate engeering«-Techniken davor bewahren werden, durch die Treibhausemissionen verursachten Klimawandel so aufzuhalten, dass wir den Planten nicht überhitzen. Nur eine radikale Abkehr von fossilen Energieträgern kann die Erderwärmung auf einem erträglichen Maß beschränken. Und wir werden an naturbasierten Methoden zur Treibhausreduktion forschen müssen. Welche Möglichkeiten es dafür in der Forschungslandschaft der BRD aktuell gibt, beleuchtet Tina Sanders in ihrem Artikeln »Stand und Kritik an der CDR-Forschung«.</p><p>Nina Hager und Tina Sanders machen in »Klimawandel? Klimaschwindel!« auf die Methoden von Leugnern des menschengemachten Klimawandels und die Interessen großer Konzerne aufmerksam, im Zusammenhang mit dem Klimawandel Desinformation zu verbreiten.</p><p>Detlef Bimboes stellt in seinem Beitrag an Beispielen dar, wie »Regionalisierung statt Globalisierung- kontra Finanz- und Wirtschaftskonzerne, Banken und Naturverschleiß« zu Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel beitragen kann. Und Ralf Hohmann beleuchtet, wie mit Freihandelsabkommen und privatwirtschaftlich organisierten Schiedsgerichten transnationale Konzerne »Investitionsschutz« gegen sie störende staatliche Umwelt- und Klimaschutz-Politik durchsetzen. Tina Sanders/Nina Hager</p>