: Anne Rauber
: Caring Girlhood - Verhütung als Sorgearbeit von Mädchen
: Springer VS
: 9783658460488
: Geschlecht und Gesellschaft
: 1
: CHF 48.70
:
: Frauen- und Geschlechterforschung
: German
: 264
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Inwiefern Mädchen durch ihre Verhütungsarbeit bereits in ihrer Jugend in die geschlechtliche Arbeitsteilung der kapitalistischen Gegenwartsgesellschaft eingebunden sind, ist Gegenstand dieses Bands. Anhand von problemzentrierten Gruppendiskussionen zeichnet die Autorin nach, dass Mädchen durch den Verschreibungsprozess der Pille ein hohes Maß an zeitlichen Ressourcen und für das Überwinden von strukturellen Zugangsbarrieren zu Alternativen zur Pille monetäre Mittel sowie mentale Arbeit aufbringen müssen. Mädchen sind durch diese Verhütungsarbeit in das Verteilungssystem von Ressourcen und damit in Care-Ökonomien eingebunden. Mädchen schienen bisher von materieller Arbeit befreit zu sein; in der Erforschung geschlechtlicher Arbeitsteilung wurden sie daher nicht systematisch bedacht. Unter Rückgriff auf geschlechtersoziologische Sorgetheorien veranschaulicht die Autorin, dass Mädchen Sorgearbeit als eine spezifische Form der Schattenarbeit in ihrer Geschlechtersozialisation vermittelt bekommen und sie diese Sorgearbeit folglich weder erlernen noch einüben müssen, sondern bereits aktiv verrichten. Die Studie zeigt, dass Mädchen Veränderungen fordern, die zu einer Verbesserung ihrer reproduktiven Selbstbestimmung beitragen könnten. Damit werden Anregungen geliefert, die in der feministischen Mädchenarbeit und Sexualpädagogik oder Verhütungsberatung, aber auch darüber hinaus zur Anwendung kommen könnten.

Danksagung6
Inhaltsverzeichnis8
1 Symbolische Abseitsstellung von Mädchen: Einleitung12
2 Sozialwissenschaftlicher Blick  auf Verhütung: Forschungsstand  und Desiderate22
2.1 Verhütung als Gegenstand der Jugendforschung23
2.2 Verhütung als Gegenstand der Geschlechterforschung35
2.3 Girls in the hood – Mädchenforschung43
2.3.1 Genese der Mädchenforschung43
2.3.2 Implikationen für die Forschung mit und zu Mädchen48
2.4 Zwischenfazit52
3 Geschlechtersoziologische Perspektiven auf Sorge: Theoretische Einbettung54
3.1 Feministisch-marxistische Perspektive56
3.1.1 Sorgearbeit als ‚inneres Band‘ der Gesellschaft57
3.1.2 Care-Ökonomie: Zeit als Indikator für Sorgearbeit64
3.1.3 Zwischenfazit68
3.2 Soziokulturelle Perspektive68
3.2.1 Symbolische Geschlechterordnung als Legitimationssystem vergeschlechtlichter Sorge69
3.2.2 Sorgearbeit als vergeschlechtlichte Zuständigkeit74
3.2.3 Zwischenfazit84
3.3 Verdichtung der Fragestellung: Verhütung von Mädchen sorgetheoretisch betrachten86
4 Mit und zu Mädchen über Verhütung forschen: Methode und Methodologie88
4.1 Gütekriterien qualitativer Sozialforschung89
4.2 Grounded-Theory-Methodologie94
4.2.1 Theoretical Sampling und Kodierverfahren96
4.3 Mit und zu Mädchen forschen – Forschungspraktische Umsetzung106
4.3.1 Besonderheiten der Forschung mit und zu Mädchen über Verhütung106
4.3.2 Gruppendiskussionsverfahren als Herausforderung108
4.3.3 Perspektivgewinn: Problemzentrierte Gruppendiskussionen111
4.3.4 Forschen im sexualpädagogischen Kontext117
4.3.5 Materialisierung des Leitfadens und der Einsatz von Stimuli-Materialien120
4.4 Interne Güteprüfung: Kritische Diskussion des methodischen Vorgehens122
4.4.1 Empirie vor Methode? Zum Spannungsverhältnis von Prozesslogik und Methodenwahl123
4.4.2 Nutzbarmachung einer sexualpädagogischen Situation als Erhebungssituation125
4.5 Zwischenfazit130
5 Verhütung als Sorgearbeit von Mädchen: Analytische Darstellung der Ergebnisse132
5.1 Ergebnisdarstellung anhand des paradigmatischen Modells133
5.2 Limitierte und limitierende Auswahl an Verhütungsmitteln – Kontext135
5.2.1 Die Pille als strittiges Ding137
5.2.2 Verunmöglichung von Alternativen zur Pille152
5.2.3 Zwischenfazit161
5.3 Caring Girlhood: Rückbezüge zur ‚inneren Natur‘ der Frau – Intervenierende Bedingungen162
5.3.1 Synchronität aus Menstruations- und Mondzyklus als Resonanzerfahrung163
5.3.2 Menstruation als Reinigung des Körpers: Den Nutzen der Natur ausschöpfen169
5.3.3 Blut und Schleim: Abjekte171
5.3.4 Zwischenfazit183
5.4 Soziale Organisation von Verhütung: Mädchen im Beziehungsgef(l)echt – Handlungs- und interaktionale Strategien185
5.4.1 Mehr als ein Rezept: Beziehungsarbeit zwischen Gynäkolog*innen und Mädchen186
5.4.2 Wissensvermittlung, -aneignung und -bedarfe über Verhütung im Kontext Schule197
5.4.3 Zwischenfazit212
5.5 Verhütungs-Gap: Gleichzeitigkeit aus Politisierung und Verschleierung – Konsequenzen214
5.5.1 Politisierung des Verhütungs-Gaps215
5.5.2 Verschleierung des Verhütungs-Gaps220
5.5.3 Zwischenfazit226
6 Sorgearbeit von Mädchen: Überlegungen und Diskussion228
6.1 Strukturen der Sorge – Herstellung der Sorge229
6.1.1 Lebenssorge von Mädchen: Care-Ökonomien230
6.1.2 Im Widerstreit: Naturalisierte Verhütungszuständigkeit und naturalistische Weiblichkeitskonzeptionen233
6.1.3 Symbolische Bedeutung von Verhütungsmitteln in Relation zur Kategorie Alter235
6.2 Ambitendenz als Bestimmungsmoment der Sorge239
7 Reproduktive Selbstbestimmung von Mädchen stärken: Fazit und Ausblick242
7.1 Beantwortung der Forschungsfragen242
7.2 Ausblick245
7.3 Reproduktive Selbstbestimmung: Veränderungsbedarfe aus Sicht von Mädchen247
Transkriptionsregeln252
Literatur253