1.Heimat, o du schöne Heimat
Ja, es stimmte, wenn ich irgendwo das Gefühl von Heimat verspürte, dann hier an diesem wunderschönen Ort. Das wurde mir jedes Mal wieder aufs Neue bewusst, wenn ich mich im Pueblodorf der Apatschen aufhielt.
Der Fluss schimmerte silbern frühmorgens kurz nach Sonnenaufgang und erhellte durch sein glitzerndes Spiel jedes Herz und jedes Gemüt. Die Sonne schien zu dieser Tageszeit bereits sehr intensiv und ließ die letzten Tautropfen in der Wärme des Morgens verdunsten.
Es war noch ruhig im Dorf, vereinzelt aber gingen schon Squaws hinunter zum Ufer, um Wasser zu holen, und die Wächter legten noch voller Eifer einige Holzscheite ins große Lagerfeuer. Seit meiner Blutsbrüderschaft mit Winnetou, dem Apatschenhäuptling, war ich bei seinem Stamm mehr zu Hause als irgendwo anders auf der Welt.
Wir waren die Nacht durchgeritten und standen nun auf der Anhöhe oberhalb des Pueblos. Es waren mittlerweile drei Wochen vergangen, seit wir unsere Heimat für Friedensverhandlungen zwischen zwei verfeindeten Stämmen verlassen hatten. Unsere Freundschaft war für manche sture Häuptlinge wegweisend. Ein roter und ein weißer Mann, die gemeinsam gute Taten vollbrachten und Blutsbrüder waren – dieses Beispiel zeigte, dass ein gemeinsames Leben möglich war, wenn nur jeder ein kleines bisschen auf den anderen zugehen wollte. Winnetou stellte bei einem Treffen der Häuptlinge oft nur die Frage:
„Wenn Weiß und Rot in Frieden leben können; warum kann es Rot mit Rot nicht?“
Bei manchen reichte alleine diese Frage, damit die Sturheit einen Riss bekam. In diesem Fall ging es um die Stämme der Chumash und der Cahuilla, die an der Küste des Pazifischen Meers einen lang andauernden Krieg führten.
Als wir von der Anhöhe hinabblickten zu den Apatschen, lächelte mein Blutsbruder, denn er freute sich sehr auf die Heimkehr.
„Mein Bruder Scharlih weiß, dass ich immer wieder gerne nach Hause zurückkehre, denn dort ist es am schönsten“, sagte er zu mir. Dieser Aussage konnte ich nur voll und ganz zustimmen, denn, wie bereits erwähnt, das wunderbare Gefühl, daheim zu sein, kannte ich in jener Zeit nur bei den Apatschen.
Meine Freunde, die man auch das Kleeblatt des Wilden Westens nannte, Sam Hawkens, Dick Stone und Will Parker, hatten einige Zeit auf uns im Apatschenpueblo gewartet, waren dann aber aufgebrochen, um nordwärts nach Wyoming zu reiten. Ein Flusshändler hatte den dreien erzählt, dass dort tüchtige Führer für einen Siedlertreck nach Oregon gesucht wurden, weil die beiden ursprünglich dafür angeworbenen von Cheyenne-Indianern erschossen worden waren. Die drei fühlten sich sogleich angesprochen von der Aussicht auf eine lange Reise voller Abenteuer und brachen deshalb unverzüglich auf, um sich in Fort John zu melden. Zu jener Zeit war man im Wilden Westen mit einem Treck viele Monate unterwegs, bis man endlich sein Ziel erreichte.
„Unser Greenhorn wird sich nach seiner Rückkehr sicherlich auch mal eine Zeit lang ohne uns zurechtfinden, wenn ich mich nicht irre“, hatte Sam Hawkens zu seinen Freunden gesagt. Mit „Greenhorn“ hatte er natürlich mich gemeint, es war seine liebevolle Art, mir zu zeigen, dass ich ihm wichtig und ans Herz gewachsen war.
Die Apatschen teilten uns am Tag unserer Heimkehr mit, dass wir unsere drei Freunde um gerade einmal einen halben Tag verpasst hatten. Das war zwar schade, doch war ich mir sicher, dass sie uns irgendwann wieder über den Weg laufen würden. Aber niemals hätte ich gedacht, dass das so schnell der Fall sein sollte.
Inzwischen hielten wir uns seit zwei Tagen im Pueblodorf auf, ich hatte mich von den Strapazen erholt und war guter Dinge, aber Winnetou um