: Bettina Lausen
: Die Reformatorin von Köln Historischer Roman | Eine außergewöhnlich mutige Frau in gefährlichen Zeiten - für Fans von Manuela Schörghofer
: dotbooks
: 9783989527041
: 1
: CHF 1.80
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 543
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Historien-Highlight aus dem späten Mittelalter Köln, Anfang des 16. Jahrhunderts: Mit dem verzweifelten Kauf eines Ablassbriefes hofft die Brauerstochter Jonata, ihren toten Bruder vor dem Fegefeuer retten zu können. Als sie jedoch im Auftrag ihres Vaters nach Wittenberg reist und dort Martin Luther begegnet, ändert das alles. Jonata will das Treiben der katholischen Kirche nicht weiter unterstützen. Zurück in Köln wagt sie das gefährliche Unternehmen, im Geheimen die Schriften Luthers zu verbreiten und schließt sich dazu mit dem jungen Druckermeister Simon zusammen. Doch Jonatas eigener Bruder, der Mönch Enderlin, in fanatischem Glauben entflammt, hat geschworen, die Lutheranhänger in Köln auszumerzen. Und auch Simon hütet ein Geheimnis vor Jonata, das sie bald alles kosten könnte ... »Der Sprachstil, beeindruckende Schilderungen und die tiefgründige Recherche verleihen der Handlung jene teils düstere und doch immer wieder von Hoffnung durchdrängte Atmosphäre des Mittelalters.« Rezensentin auf LovelyBooks Ein fesselnder, detailreich recherchierter historischer Roman, der Fans von Sabine Ebert begeistern wird.

Bettina Lausen, geboren 1985, lebt mit ihrer Familie in Haan und hat einen Bachelor in Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Literatur und Geschichte. Sie veröffentlichte bereits mehrere Romane, sowohl im historischen Bereich wie auch in der Spannung. Seit 2018 gibt sie Kurse für Kreatives Schreiben und verfasst Artikel für die Fachzeitschrift »Federwelt«. Außerdem ist sie als Schreibcoach und Lektorin tätig. Die Autorin im Internet: www.bettinalausen.de www.instagram.com/bettina.lau en www.facebook.com/bettinalause .de Bettina Lausen veröffentlichte bei dotbooks ihren Kriminalroman »Das vermisste Mädchen«, der auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erscheint.

Kapitel 2


Vögel zwitscherten. Jonata atmete die kühle Morgenluft ein. Sie hatte gestern vergessen, die Fensterläden zu schließen, war ins Bett gekrochen und hatte sich in den Schlaf geweint. Hoffentlich waren ihre Augen nicht zu arg verquollen. Sie schlug die Decken beiseite und stieg aus der Bettstatt. Auf dem Schränkchen war die Zinnschüssel mit frischem Wasser gefüllt. Elisabeth musste bereits in der Kammer gewesen sein. Meistens wurde Jonata von dem morgendlichen Treiben der Mägde wach, doch heute hatte sie geschlafen wie eine Tote. Tot wie ... Ihr Herz krampfte sich zusammen. Mit jeder Faser ihres Leibes vermisste sie Lucas. Erneut stiegen Tränen in ihre Augen. Sie schluckte, spritzte sich Wasser ins Gesicht und hoffte, so die nächtliche Drangsal aus ihren Zügen vertreiben zu können. Sie würde mit neuem Mut den Tag beginnen. Nicht schon wieder wollte sie sich der Trauer hingeben. Sie streifte das graue Kleid über, das sie am Abend achtlos auf den Schemel geworfen hatte, und schlüpfte in die Schuhe.

In der Küche bereiteten Elisabeth und Margret das Frühmahl vor. Kuntz saß auf dem Boden und schob sein Rollpferd vor und zurück. Dabei miaute er leise vor sich hin.

Jonata kniete sich zu ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Du machst die Geräusche von Pauli nach. Ein Pferd macht so.« Sie imitierte das Wiehern eines Rosses. Kuntz sah sie mit großen Augen an. Wie auf Befehl sprang Pauli durchs Fenster herein, streckte sich und strich miauend um Elisabeths Beine.

»Pauli«, rief Kuntz freudig.

»Willst du ihm die Milch geben?«, fragte Elisabeth.

Kuntz nickte. Sie stellte den Napf auf den Tisch, hob Kuntz auf einen Schemel und schlang den Arm um ihn, damit er nicht herunterfiel. Mit der freien Hand schob sie ihm den Krug hin.

»Aber nicht zu viel.« Elisabeth half dem Kleinen, da das Gefäß zu schwer für ihn war. Als sie die Katzenschüssel auf dem Boden absetzten, stürzte sich Pauli darauf und schleckte gierig. Kuntz bückte sich und streichelte den Kater.

Jonata trat zu Margret und half ihr, den Brotteig zu kneten. Die Magd sah traurig zu ihrem Sohn. »Ob er den Unterschied zwischen einem Pferd und einer Katze jemals begreift?«

»Gewiss wird er das.«

»Ich habe es ihm schon so oft erklärt.«

»Warte ab. Wenn Vater ihn auf Bernando setzt, wird er es verstehen.«

Pauli hatte den Napf leer geleckt und eilte nach draußen. Kuntz folgte ihm. Sein Lachen drang noch in die Küche, als er im Garten war. Das Herz ging Jonata auf, und sie musste lächeln. Kuntz war der Sonnenschein der Familie, kannte keine Sorgen und beschäftigte sich am liebsten mit den Tieren. Wenn es ihr nicht gut ging und sie sein Lachen hörte, konnte sie jeglichen Kummer vergessen.

»Wie glücklich er ist. Das ist das Wichtigste«, sagte sie. Sie hasste es, wenn man ihm nichts zutraute. Er mochte langsamer begreifen als seine Altersgenossen, aber er lernte genauso dazu. Er würde nie lesen oder schreiben lernen, aber das konnten ohnehin die wenigsten. Man musste nur Geduld aufbringen, doch Margret hatte den ganzen Tag im Haus und in der Schenke zu tun. Und ihr Vater sah diesen Makel als Strafe Gottes an, dafür, dass er sich nach dem Tod seiner Frau mit einer Hausmagd vergnügt hatte.

»Wie oft habe ich dir schon gesagt ...?« Elisabeth stieß Jonata sanft zur Seite und nahm ihr den Brotteig aus der Hand. »Wenn dein Vater dich hier erwischt.« Elisabeth sah sie streng an, doch in ihren Augen lag die gewohnte Wärme. Da Jonatas Mutter bei ihrer Geburt gestorben war, hatte die Magd deren Funktion eingenommen und sie mit Liebe großgezogen. Elisabeth war für sie mehr eine Mutter denn eine Magd, auch wenn ihr Vater sie gern daran erinnerte, wer die höhere Stellung in diesem Haus innehatte.

Jonata lächelte. »Du brauchst mich nicht zu verscheuchen, nur weil Vater nicht will, dass ich in der Küche helfe.«

»Er erwartet dich in der Stube«, antwortete Elisabeth und begann, energisch den Brotteig zu bearbeiten.

Jonata wusch sich die Hände und betrat den Wohnraum. Ihr Vater saß am Kopfende des Tisches und starrte in den Becher.

»Vater.«

Er blickte auf. Augenringe zeugten von einer schlaflosen Nacht. In der letzten Woche schien er mehr graue Haare bekommen zu haben als in den zwei Jahren zuvor. Sein braunes Wams war