Die ganze Zeit über stellte sie sich selbst infrage.
Welchen niederträchtigen Namen trug dieses Gefühl nur, von dem sie wusste, dass es verfehlt war, und das sie dennoch nicht loszulassen vermochte?
Juni. Das in der Grafschaft Kent im Südosten Englands gelegene Ashford war eine ruhige Stadt. Anders als die Metropole London gaben die Gebäude hier ein äußerst bescheidenes Bild ab. Die Passanten, die unter dem wolkenverhangenen Himmel vom Inneren des Busses zur privat verwalteten Justizvollzugsanstalt aus zu sehen waren, konnte man einer Hand abzählen.
Als Echika ihr davon erzählte, entgegnete Professor Lexie Willow Carter gleichgültig: „Tja, es ist ein stilles Städtchen. Wenn überhaupt mal Touristen herkommen, dann steigen sie schnell in den nächsten Bus nach Rye und sind wieder weg.“
Der Besucherraum des Gefängnisses am Stadtrand ähnelte einer trostlosen Cafeteria. An ordentlich aneinandergereihten Tischen tauschten sich die inhaftierten Straftäterinnen im Flüsterton mit ihren Besuchern aus, während die an den Wänden stehenden Vollzugsbeamten sie wie Falken anfunkelten.
„Aber ich hätt nicht erwartet, dass Sie wirklich herkommen, Ermittlerin. Nett, dass die Behörde das genehmigt hat.“
Seit ihrer Verurteilung hatte Lexie ein wenig abgenommen und ihr ehemals langes Haar war nun so kurz geschnitten, dass ihre Ohren zu sehen waren. Sie trug eine Netzwerkisolationseinheit in Form eines Halsbandes, wie man sie nur für Gefangene benutzte. Die junge Ermittlerin hatte gehört, dass man sie ohne eine aus vielen Zahlen bestehende ID der Beamten nicht entfernen konnte.
„Ich habe gar nicht mit der Behörde gesprochen. Ich bin einfach an meinem freien Tag als ‚Freundin‘ hergekommen.“
„Soso ... Das ist jetzt nicht sonderlich verblüffend, aber Sie sind meine erste Besucherin“, sagte die Professorin gelangweilt und schlug die langen Beine übereinander. „Ich hatte ganz vergessen, dass ich sämtliche Beziehungen zu meiner Verwandtschaft abgebrochen hab, daher ... Wäre Aidan nicht selbst festgenommen worden, hätte er mir bestimmt sofort einen Besuch abgestattet ... Nein, das war nur ein Scherz.“
Die Überfallserie auf mit den RF-Mo