1. KAPITEL
Italien musste das schönste Land der Welt sein.
Fasziniert betrachtete Daniella Tate die mit Kopfstein gepflasterte Straße in Florenz. Über der Stadt strahlte ein azurblauer Himmel. Daniella war mit dem Zug gekommen, aber jetzt musste sie in den Bus umsteigen, um nach Monte Calanetti zu gelangen.
Sie kaufte die Fahrkarte und setzte sich zum Warten auf eine der Holzbänke. Ihr fiel die silberblonde Frau auf, die auf der übernächsten Bank saß und mit leerem Blick vor sich hin starrte. Die schlanke Frau wirkte verloren, und Daniella fühlte mit ihr. Als Pflegekind aufgewachsen, wusste sie genau, wie es war, wenn man allein war und sich einsam, verängstigt oder sogar verwirrt fühlte. Emotionen, die sie auch in den blauen Augen der Frau erkannte.
Die Stimme aus den Lautsprechern kündigte den nächsten Bus an. Eine ältere Dame, die neben der blonden Frau gesessen hatte, stand auf und griff nach der Reisetasche zu ihren Füßen. Die Blonde erhob sich ebenfalls.
„Entschuldigen Sie, aber das ist meine Tasche.“
Die ältere Frau hob zu einem verärgerten Wortschwall in Italienisch an. Die Jüngere sagte in Englisch mit amerikanischem Akzent: „Tut mir leid, aber ich verstehe kein einziges Wort von dem, was Sie da sagen.“
Die Ältere jedoch drückte die Reisetasche fest an die Brust und erklärte der anderen unmissverständlich, dass dies ihre Tasche sei.
Daniella sprang auf und eilte zu den beiden. „Ich spreche Italienisch“, sagte sie zu der Amerikanerin. „Vielleicht kann ich helfen.“ Dann wandte sie sich an die ältere Frau und fragte sie in perfektem Italienisch, ob sie sicher sei, dass die Reisetasche ihr gehöre, denn da stehe noch eine ganz ähnliche auf ihrer anderen Seite.
Verdutzt drehte die ältere Frau den Kopf und lief vor Verlegenheit rot an. Mit überschwänglichen Entschuldigungen reichte sie der Amerikanerin die Tasche zurück, griff sich die andere und beeilte sich, i