Prolog
Bevor das Feuer herabfiel, färbte seltsames Licht den Horizont. Glühend rot, dem Schein einer Fackel ähnlich. Die Wolken wirkten wie in Blut getränkt. Der Himmel schien zu brennen, als würde das Morgengrauen den geballten Zorn der Götter mit sich bringen. Ein Omen, ein leuchtendes Vorzeichen vielleicht … die erste und einzige Warnung vor dem nahenden Unheil.
Der Fischer kehrte bei Sonnenaufgang in die Stadt zurück. Im Netz über seiner Schulter zappelte ein mickriger Fang, nur wenige Gulden wert. Erschöpfung und fehlender Schlaf erschwerten ihm seine frühmorgendliche Arbeit mit jedem Tag mehr. Die vergangenen Nächte hatte er mit Vergnügungen verbracht. Trommeln und Gesang, wilder Tanz, sein Mund auf den Lippen fremder Frauen … hinter seiner Stirn tobten die Erinnerungen, während sein Schädel noch vom gestrigen Wein brummte. Kraftlos entfuhr ihm ein Seufzer, als er das Stadttor durchquerte.
Die Hauptstraße dahinter stank nach Unrat und starrte vor Dreck. Am staubigen Wegesrand schnarchten sturzbetrunkene Männer, eine Herde herrenloser Ziegen zog blökend vorüber, Fliegen kreisten summend um haufenweise Eselsmist. Aus einem halb verfallenen Stall, eingepfercht zwischen zwei Lehmhütten, drang mörderisches Gebrüll, gefolgt von ängstlichem Schweinequieken. Seit Monaten spukte es in der Stadt. Irrsinn schlich durch die Gassen und zog die Menschen mit schrillem Gelächter in den Bann. In den Gasthäusern munkelte man Geschichten: Drüben in der Nachbarstadt Gomorrha sollten ähnliche Gespenster ihre Gräuel treiben, auch dort tobte angeblich der Wahnwitz. Womöglich trug jener sonderbare Fremde die Schuld …? Dieser Nomade aus dem Zweistromland, der unentwegt von seinem Gott und dessen strengem Gericht predigte. Der Störenfried, der selbst vor dem König die Sünden der Stadtbewohner anprangerte und schreckliche Strafen prophezeite. Hatte dieser Mann das Böse in ihre Mitte gebracht?
Der Fischer vermochte es nicht zu sagen; spürte lediglich, wie sein Leben zunehmend aus de