: Barbara Gorel
: Endstation Frauenhaus ICH klage an
: Books on Demand
: 9783769380163
: 1
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 310
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der einsame Weg aus der Gewalt Häusliche Gewalt ist eines der drängendsten Themen unserer Zeit. Sie bleibt so lange ein Teil toter Statistiken, bis man anhand der Realität sieht, was sie bedeutet. Barbara Gorel, Psychotherapeutin und freie Künstlerin, bricht dieses Tabu und erzählt in ihrem Buch offen und schonungslos von ihrer eigenen Geschichte. Bereits als Kind litt sie unter Gewalt durch ihren Vater. Sie flüchtete mit 14 Jahren in die Obdachlosigkeit. Hilflos und auf sich allein gestellt, lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen. Schon nach wenigen Wochen schlug er sie. Mit 16 Jahren wurde sie schwanger und heiratete. Als ihr zweites Kind geboren wurde, war sie 19 Jahre alt. Die häusliche Gewalt nahm stetig zu und bedrohte auch das Leben ihrer Kinder. Die Psychotherapeutin analysiert ihr Verhalten, das ihr lange Zeit die Trennung erschwerte. Sie schildert, wie sie sich schließlich doch befreien konnte und mit ihren Kindern Schutz im Frauenhaus fand. Die Autorin bezieht sich auch auf den sozialen Kontext. Sie legt den Finger in die Wunde und sagt deutlich: Die deutsche Justiz hat versagt. Es gab keine hilfreiche Unterstützung, und die Täter wurden nicht zur Rechenschaft gezogen. Wegen der Untätigkeit der staatlichen Institutionen war sie ständig der Gewalt ausgesetzt. Es gab auch damals Gesetze zum Schutz gewaltbetroffener Kinder und Frauen, die jedoch nicht angewandt wurden. Diese Männer waren extrem kriminell und entgingen ihrer gesetzlichen Bestrafung, während ihre Opfer ein Leben lang unter den Folgen der Gewalt gelitten haben. Die Autorin ist keine Ausnahme, aber sie ist wütend und will die Öffentlichkeit wachrütteln, weil in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau von ihrem (Ex)-Partner getötet wird. Weil Frauen in der Ehe, beim Arzt, im Kreißsaal, in der Arbeit und auf offener Straße Gewalt erleben und kaum jemand etwas dagegen unternimmt. Was sind die Gründe dafür? Sind es Unkenntnis, Hilflosigkeit und Desinteresse? Oder ist es ein tief verankerter Frauenhass? Es liegt in unserer Mentalität, unangenehme Themen zu verdrängen, aber wir müssen hinsehen und die Gesellschaft sensibilisieren. Wir sind es unseren Nachkommen schuldig, die über Generationen hinweg unter dem Trauma der Mütter leiden.

Die grenzenlose Weite meiner inneren Realität  Barbara ist eine Künstlerin, die sich mit surrealen und visionären Themen auseinandersetzt. Sie hat sich bereits in jungen Jahren mit dem Zeichnen und Malen vertraut gemacht. Viele ihrer Bilder entstanden in einer sorgenfreien Fantasie und sichern ihr das Überleben in einem Elternhaus voller Gefahren. Später widmete sie sich außerdem verschiedenen Ausdrucksformen wie Theater, Tanz und Musik. Nach einer schweren psychischen Erkrankung kündigte sie ihren Job in der Vorstandsetage eines großen Chemiewerks und entschied sich 1998 für eine künstlerische Laufbahn. Barbara wohnt in Leverkusen und ist Initiatorin des Künstler-Netzwerks ART4Friends-Club.de. Ihre Kunst basiert auf Spiritualität und den Erkenntnissen über die Verbindung des Menschen mit der Magie. Sie möchte den Menschen die Welt der Träume und der Spiritualität näher bringen. Die Künstlerin versucht, eine Welt visueller Poesie zu schaffen, in der Licht und Dunkelheit aufeinanderprallen und das Mystische sichtbar machen.  Weil sie sich hauptsächlich auf die weibliche Figur konzentriert, sagt sie: In ihrer Arbeit geht es um das Gefühl von Macht, Schöpfung, Energie und Zauberei. Nichts ist so faszinierend wie das Mysterium, es ist der Ausgangspunkt für Überlegungen und Erkundungen. Barbara sucht immer die Verbindung zwischen Träumen, Spiritualität und abstrakten Konzepten.  Die Künstlerin erklärt: Bei der Suche nach Antworten oder Inspirationen für Leben und Kunst suche ich nicht im Alltäglichen oder Gewöhnlichen, sondern in der grenzenlosen Weite meiner inneren Wirklichkeit. Diese Welt, die von geheimnisvollen Orten und Menschen bewohnt wird, hat ihre eigenen Geschichten und Weisheiten. Ich bin lediglich eine Geschichtenerzählerin.

VORWORT


„Die Scham muss die Seite wechseln“ Gisèle Pélicot.


Dieses Zitat verdeutlicht, wie verkehrt unsere Gesellschaft, unsere Politik, unser Rechtssystem und unsere Strukturen auch im Jahr 2024 sind. Der Fall der 71-jährigen Gisèle Pélicot ist international bekannt. Ihr eigener Ehemann hatte sie über zehn Jahre immer wieder betäubt und fremden Männern zur Vergewaltigung angeboten. Der Prozess findet auf ausdrücklichen Wunsch der mutigen Frau öffentlich statt. Das ist keineswegs üblich. Zum Schutz von Opfern wird die Öffentlichkeit in solchen Prozessen meist ausgeschlossen.

Gisèle Pélicot hat meine rückhaltlose Hochachtung. Sie ist trotz ihrer Traumatisierung und ihres Leidens laut, klar und deutlich. Sie weist Unverschämtheiten und Unterstellungen dieser Kreaturen und ihrer Verteidiger sofort scharf zurück und weigert sich, über die jahrelangen Misshandlungen im stillen Kämmerlein zu verhandeln. Diese Frau will gehört und gesehen werden. Sie will, dass die Welt gezwungen wird, sich diese Ungeheuerlichkeiten anzusehen. Und verweist mit scharfen Worten die Scham dorthin zurück, wo sie ausschließlich hingehört – auf die Seite der Täter. Gisèle Pélicot ist eine stolze Amazone aus einer Generation, in der Frauen noch zum Schweigen und Sichfügen erzogen wurden. Welch ein gesunder Zorn angesichts dieser unvorstellbaren Grausamkeiten. Chapeau, Gisèle Pélicot.

Die Täter-Opfer-Umkehr ist eines der größten Probleme bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt, weil sie die Betroffenen davon abhält, Hilfe zu suchen. Die Täter-Opfer-Umkehrung durch staatliche Institutionen und Gesellschaft führt zu einer Verzerrung der Gewalt. Daher ist es oft falsch zu glauben, dass Verwaltung und Justiz objektivarbeiten. In Bereichen mit Gewaltbetroffenheit arbeiten auch nur Menschen, die persönliche Einstellungen zum Thema Gewalt an Frauen haben. Die Argumente der Täter-Opfer-Umkehr sind so ausgelegt, dass es für betroffene Frauen besonders schwierig ist, ihre traumatischen Erlebnisse dagegenzustellen. Oft denken sie am Ende, dass sie etwas falsch gemacht haben und selbst für die Gewalt verantwortlich sind.

Die betroffenen Frauen können möglicherweise doppelten Schmerz empfinden: den Schmerz, der durch die Taten verursacht wurde, aber insbesondere auch den Schmerz durch fortgesetzte Gewalt staatlicher Institutionen in Form von Täter-Opfer-Umkehr. Es geht nicht allein darum, dass eine gewaltbetroffene Frau Zuflucht in einem Frauenhaus findet, sondern es geht um das Recht auf Teilnahme am Leben. Es geht um nichts Geringeres als das Recht auf Freiheit und Sicherheit.

Ich klage an


Ich will mit meiner Autobiografie dazu beitragen, die Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen, denn sie stellt schon lange kein privates Problem mehr dar. Ich erzähle meine Geschichte, die seit meiner Kindheit in einer Spirale aus Gewalt gefangen war. Im ersten Teil berichte ich, wie die verrohte Nachkriegsgesellschaft Gewalt an ihre Nachkommen weitergab. Von Misshandlung und Missbrauch an Kindern, in seiner schlimmsten Form. Und von trügerischer Sicherheit in einem staatlichen Kinderheim, in dem Erzieher ihren Zöglingen das Fürchten lehrten. Ich schreibe von häuslicher Gewalt im Elternhaus und in der eigenen Ehe. Von der Macht der Ärzte und der Willkür der damaligen Polizei, die von der Bezeichnung „Dein Freund und Helfer“ noch weit entfernt war.

Zur Sprache kommt auch die erlittene Gewalt in der Geburtshilfe, die immer noch ein Tabu ist. Nach meiner Meinung liegen die Hauptgründe in Scham und mangelndem Wissen. Aber heute schweige ich nicht mehr, ich bin wütend und klage an. Auch aus diesem Grund habe ich mich entschieden, meine Erfahrungen öffentlich zu machen. Frauen müssen ermutigt werden, sich gegen jede Form von Gewalt zu verteidigen. Wenn junge Mütter mir erzählen, dass sie auch im Jahre 2023 gewaltvolle Erfahrungen bei der Entbindung gemacht haben, könnte ich schreien.

Ich habe meine Geschichte nicht veröffentlicht, weil ich sie gerne weitergeben wollte. Es wäre mir viel lieber gewesen, mich stattdessen mit meiner Kunst zu beschäftigen. Doch ich musste über die Themen schreiben, die mich schon so viele Jahre bedrückten. Dies ist meine Art, die Geschehnisse zu verarbeiten und auf die häusliche Gewalt im Elternhaus und in meiner ersten Ehe zu reagieren.

In der Geschichte meiner Kindheit erzähle ich auch über