2. KAPITEL
Cal rief Quinns Freunden einen Abschiedsgruß zu und schloss die Schiebetür. Sie ging durch den Hauptsalon am großen Esstisch vorbei und blieb an der Treppe stehen, die unter Deck zu den Kabinen führte. Dorthin war Quinn verschwunden, nachdem sie die Bombe hatte platzen lassen, aber nicht ohne ihr zu sagen, dass ihr Vorschlag alles andere als witzig und absolut unpassend war.
Sie hatte es durchaus ernst gemeint, und das hätte sie ihm gern sofort erklärt. Aber Cal kannte Quinn und wusste, dass er etwas Zeit allein brauchte, um sich zu sammeln. Die brauchte sie auch. Sie ging in die Küche zurück und holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank, öffnete den Verschluss und trank einen Schluck direkt aus der Flasche. Obwohl sie noch keinen ganzen Tag wieder in Vancouver war, fühlte sie sich schon, als würde sie ersticken.
So ging es ihr immer, wenn sie hier war. Die Stadt, die sie als Kind, Teenager und junge Frau geliebt hatte, erdrückte sie jetzt.
Cal verzog das Gesicht. So schön Quinns neue Jacht auch war, sie wollte nicht hier sein. Es fiel ihr schwer, die Anonymität hinter sich zu lassen, in der sie sich nach Toby eingerichtet hatte. Aber ihr Vater brauchte sie, und weil er alles war, was ihr von ihrer Familie geblieben war, hatte sie den ersten Flug nach Hause genommen.
Cal hielt sich die kalte Flasche an die Wange und schloss die Augen. Außerhalb von Vancouver war sie Cal Adam und nicht Callahan Adam-Carter, Tobys junge Frau aus gutem Hause. Von der Ehefrau, die sie einmal gewesen war, hatte sie sich mittlerweile so weit entfernt wie ein Politiker von der Wahrheit. Die Einwohner ihrer Heimatstadt wären schockiert gewesen zu erfahren, dass sie für eine knapp dreißigjährige Witwe, die unter dem Blick der Öffentlichkeit aufgewachsen war, mittlerweile ziemlich normal war.
Sie hatte sich ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität hart erarbeitet. Es war nicht leicht gewesen. Sie war die Witwe eines Multimillionärs und das einzige Kind eines der reichsten Männer des Landes und einer Ballett-Ikone. Ihr bester Freund war der bekannteste Playboy der Stadt.
Dem sie gerade einen Heiratsantrag gemacht hatte.Verrückt!
Doch in einem kleinen klaren Teil ihres Gehirns war das alles absolut schlüssig, und in den vergangenen Jahren hatte sie gelernt, auf diese innere Stimme zu hören.
Vor allem wäre es für Quinn ein guter Schachzug, sie zu heiraten. Sie war hübsch und stammte aus der besten Gesellschaft. Die Reporter und Fotografen liebten sie. Sie war so selten in der Stadt, dass alles, was sie tat oder sagte, garantiert Schlagzeilen machen würde. Dank ihr verkauften sich Zeitungen, ob online oder Print. Eine Hochzeit mit ihr würde ein deutliches Zeichen setzen, dass Quinn sein Leben ändern wollte.
Denn niemand, noch nicht einmal der legendäre Casanova Quinn Rayne, spielte Spielchen mit Callahan Adam-Carter. Außerdem machten ihr Vater und Warren Bayliss viele Geschäfte miteinander. Bayliss würde es nicht wagen, Cauleys Schwiegersohn aus dem Deal mit den anderen beidenMavericks auszuschließen.
Und was sie selbst betraf …
Wenn sie keinen Anteil an Tobys Erbe wollte, musste sie heiraten, daran führte kein Weg vorbei. Und um sich selbst und ihre Freiheit zu schützen, musste sie einen Mann heiraten, zu dem sie ehrlich sein konnte. Sie kannte Quinn und vertraute ihm. Er hasste es, eingeengt zu werden, und hielt sich deshalb an den Grundsatz „Leben und leben lassen“. Er war genau der Typ Mann – der einzige Typ Mann –, der für sie infrage kam.
Quinn würde sie emotional nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Sie kannte ihn schon ihr Leben lang und hatte ihn immer nur als Freund gesehen. Der kleine Funke, den sie vorhin gespürt hatte, war eine Ausnahme und nicht der Rede wert. Ihn zu heiraten war der einfachste Ausweg aus ihrer heiklen Situation.
Wenn sie Quinn dazu bringen konnte, in die Ehe einzuwilligen, würde sie aber nur auf dem Papier bestehen. Zwischen ihnen würde sich nichts ändern. Es würde eine reine Zweckgemeinschaft sein, ein Trick, eine zeitlich begrenzte Lösung für ihre Probleme. Ihre Freundschaft würde bestehen bleiben.
So musste es sein. Alles andere kam nicht infrage.
Aber das galt natürlich nur, wenn sie Quinn dazu bringen konnte zuzustimmen.
Hatte Cal den Verstand verloren? War ihr Gehirn noch in … Wo war sie doch gleich gewesen? In diesem winzigen afrikanischen Land, dessen Namen er vergessen hatte. Egal. Was zum Teufel dachte sie sich bloß?
Ihr offenbar ernst gemeinter Antrag hatte Quinn so aus der Fassung gebracht, dass er sie angeschrien und seinen Freunden gesagt hatte, er würde jetzt dusche