Kapitel 2: Der Fluch über Tearmoon
„Willkommen zurück in Tearmoon, Eure Hoheit.“
Nachdem Ludwig von Mias Ankunft erfahren hatte, hatte er sich sofort zum Weißmondpalast begeben. Seine Miene war finster, was wenig überraschend war, wenn man bedachte, dass sie auf seine dringliche Bitte nach Lunatear zurückgekehrt war. Die Prinzessin mit seinen Pflichten belästigen zu müssen, setzte ihm schwer zu.
Leider blieb mir keine andere Wahl. Wenn wir dieses Problem nicht umgehend angehen, könnte es noch zu einer wahren Katastrophe ausarten. Und darauf zu bestehen, es auf eigene Faust zu bewältigen, würde es vermutlich nur verschlimmern.
Als er den Audienzsaal betrat, sah er sich sogleich der Kaisertochter gegenüber ... die ein wenig ausgelaugt wirkte. Wahrscheinlich lag das an dem regelrechten Galopp, den sie hinter sich gebracht hatte, um schnellstmöglich ins Kaiserreich zurückzukommen. Das Herz des jungen Beamten füllte sich beim Anblick seiner Prinzessin mit Reue, als sie ein müdes Gähnen nicht zu unterdrücken vermochte und versuchte, sich den Schlaf aus den Augen zu reiben.
Wie ich gehört habe, beteiligt sie sich ziemlich aktiv am Schulleben an der Sankt-Noel. Das muss ebenfalls zu ihrer Erschöpfung beigetragen haben ... In dem Moment, in dem ihn die Nachricht über ihre beispiellose Kandidatur bei der Vorstandswahl der Schülerversammlung erreicht hatte, war ihm kalter Angstschweiß ausgebrochen. Doch er hatte sich nicht einmal in seinen wildesten Träumen vorstellen können, wohin sich das Ganze entwickeln würde. Obgleich alles gegen ihren Sieg gesprochen hatte, hatte das unfassbare Schauspiel letzten Endes eine für alle unerwartete Wendung genommen. Was hinter den Kulissen geschehen war, um ein solches Resultat zu ermöglichen, war bis heute ein Geheimnis. Vielleicht hatten die Kandidatinnen unter sich eine Art Vereinbarung getroffen. Rafinas späteres Betragen deutete darauf hin, dass es jedenfalls keine hinterhältigen Taktiken wie Erpressungen oder Drohungen vonseiten der Prinzessin gegeben hatte. Ganz im Gegenteil – es schien, als wären beide Parteien zu einer friedlichen Einigung gekommen.
Nicht wenige hatten sich über das Wahlergebnis beschwert. Sie hatten sich unzufrieden darüber geäußert, dass über die Gewinnerin nicht mittels einer Abstimmung entschieden worden war. Von welchem Sieg könne überhaupt die Rede sein, wenn niemand die Klingen gekreuzt hatte? Für die Kritiker war dies kein Triumph, sondern Feigheit in ihrer reinsten Form.
Ludwig hingegen war da ganz anderer Meinung. Es gab sowohl ausgezeichnete Taktiker, die den Sieg an der Kriegsfront erkämpften, als auch hervorragende Strategen, die ihre Feinde noch vor Schlachtbeginn zum Rückzug bewegten. Und dann gab es noch Politiker, die lange vor dem Konflikt in der Verhandlungsphase Einigungen zu erzi