: Juan Gómez-Jurado
: Zerrissen Thriller
: Goldmann Verlag
: 9783641321048
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Um seine Tochter zu retten, muss er den mächtigsten Mann der Welt umbringen …

Als der renommierte Neurochirurg Dave Evans um Mitternacht nach Hause kommt, macht er eine furchtbare Entdeckung. Seine Haushälterin ist tot und seine über alles geliebte Tochter Julia verschwunden. Entführt von einem Psychopathen, der jedoch kein Lösegeld will, sondern eine weitaus perfidere Forderung stellt: Die Siebenjährige kommt nur dann frei, wenn Evans’ nächster Patient die anstehende OP nicht überlebt. Evans bleiben genau 55 Stunden, um eine Lösung für das fatale Dilemma zu finden. Will er seine Tochter retten – oder seinen Patienten, den mächtigsten Mann der Welt?

Dieser Bestseller von Spaniens meistverkauftem Autor sorgt garantiert für Gänsehaut! Rasante Hochspannung aus dem Universum der erfolgreichen »Rote Königin«-Trilogie.

P essestimmen zu Juan Gómez-Jurado:

»Halsb echerisches Tempo, kurze Kapitel, unterhaltsame Nebenschauplätze, messerscharfe Beschreibungen.« The New York Times

»Ein neuer Goldstandard im Thrillergenre.« USA Today

»Die ungewöhnliche und spektakuläre ›Rote-Königin-Reihe‹ gehört sicherlich zu den aktuell besten europäischen Thriller-Serien.« krimi-couch.de

»Juan Gómez-Jurado hat sich einen herausragenden Platz in der spanischsprachigen Literatur gesichert.« El País

»Gómez-Jurado ist der beste Thrillerautor Europas.« Literaturzeitschrift Zenda

»Gómez-Jurado gelingt schlicht und einfach das größte Kunststück in der Geschichte des Thrillers.« ABC

Juan Gómez-Jurado, geboren 1977 in Madrid, ist Journalist und einer der erfolgreichsten Schriftsteller Spaniens. Seine Romane werden in vierzig Sprachen übersetzt, stehen regelmäßig an der Spitze der spanischen Bestsellerliste und ziehen Millionen Leser weltweit in ihren Bann.

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Alles begann mit Jamaal Carter. Hätte ich ihn an jenem Abend nicht gerettet, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen.

Als der Pager piepte, war ich sofort aus dem Schlaf aufgefahren. Schlecht gelaunt setzte ich mich auf und rieb mir die Augen. Das Bereitschaftszimmer der Chirurgen roch nach Schweiß und ungewaschenen Füßen.

Von Natur aus schlafe ich wie ein Stein. Rachel hatte mich deswegen immer aufgezogen; sie behauptete, man könnte mich mit einem Kran aus dem Bett hieven, ohne dass ich davon aufwachen würde. Für den Pager gilt das allerdings nicht: Das verdammte Ding schafft es, dass ich beim zweiten Piepen auf den Beinen bin.

Darauf wurde ich in sieben Jahren Ausbildung getrimmt. Wenn man da nämlich nicht augenblicklich auf der Matte steht, reißt einem der leitende Assistenzarzt den Arsch auf. Allerdings macht man es in unserem stressigen Beruf auch nicht lange, wenn man sich während der sechsunddreißigstündigen Schichten zwischendurch nicht mal kurz hinlegt. Deshalb lernen wir Chirurgen schnell, auf der Stelle einzuschlafen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet, und wie ein Pawlow’scher Hund beim ersten Piepen des Pagers wieder hochzuschrecken. Inzwischen habe ich zwar nur noch halb so oft Bereitschaftsdienst wie früher, schließlich bin ich nun schon seit vier Jahren Oberarzt, der Reflex ist mir zum Glück aber geblieben.

Gähnend zog ich den Pager unterm Kopfkissen hervor. Auf dem Display leuchtete der Code342. Die Neurochirurgie. Verärgert warf ich einen Blick auf die Uhr. Bis zum Ende meiner Schicht fehlten nur noch dreiundzwanzig Minuten, und ich hatte einen anstrengenden Dienst hinter mir; unter anderem war ich drei Stunden damit beschäftigt gewesen, den Schädel eines englischen Kulturattachés zusammenzuflicken, der am Dupont Circle verunglückt war. Der Mann war noch keine zwei Tage in Washington, und schon hatte er auf die harte Tour erfahren, dass man hier im Kreisverkehr andersherum fährt als in London.

Die Krankenschwestern wussten, wie erschöpft ich war. Wenn man mich anfunkte, musste es sich also um einen wirklichen Notfall handeln. Auf meinem Handy wählte ich die Nummer der Station, aber es war besetzt, und so spritzte ich mir am Waschbecken in der Ecke schnell noch etwas Wasser ins Gesicht und machte mich auf den Weg.

Als ich auf den Flur trat, war es zwanzig vor sechs. Die Sonne verschwand bereits hinter den Bäumen des Rock Creek Parks, und ihre letzten Strahlen fielen orangefarben durch die hohen Sprossenfenster herein. Im letzten Jahr hätte ich mich über so einen Sonnenuntergang noch gefreut, sogar wenn ich wie jetzt zum Fahrstuhl eilen musste. Doch nun sah ich nicht mehr hin. Der Mann, der aus mir geworden war, hatte nichts mehr für grandiose Anblicke übrig.

Im Fahrstuhl stieß ich auf Jerry Gonzales, einen Pfleger aus der Allgemeinchirurgie, der ein Krankenhausbett beförderte. Der kräftig gebaute Mann musste ganz nach hinten treten, damit ich noch in den Aufzug passte. Jerry lächelte unsicher. Ich grüßte mit einem Nicken zurück.

»Dr. Evans … ähm … vielen Dank noch mal für das Lehrbuch, das Sie mir neulich geliehen haben. Es liegt in meinem Spind, ich bringe es Ihnen nachher.«

»Lass nur, Jerry, du kannst es behalten.« Gleichgültig winkte ich ab. »Ich lese eh nicht mehr viel.«

Ein unangenehmes Schweigen trat ein. Früher hätten wir ein bisschen herumgeflachst oder uns ein paar witzige Anekdoten erzählt. Abe