Einleitung
Karma Is A Bitch
Zeit für eine Beichte. Den Großteil meines Lebens war ich wirklich ein schrecklicher Dating-Partner. Ich war vielleicht ein effizienter Coach und Redner, aber ich war eben auch ein Mann in seinen Zwanzigern, in der surrealen Lage, Kommentare wie diesen unter meinen Videos zu lesen: »Er wäre das perfekte Date.« Viele gingen davon aus, dass jemand mit meiner emotionalen Intelligenz auch im direkten Kontakt wunderbar sein muss.
Sie lagen falsch.
Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich beim besten Willen niemals ein perfektes Date war. Ich hatte zwar genug Selbsterkenntnis, dass mich diese Kommentare verlegen machten, aber in meinen Zwanzigern – und ich muss sagen, sogar noch Anfang dreißig – hatte ich keinen blassen Schimmer, dass eigentlich das Gegenteil stimmte.
Von dem Augenblick an, in dem ich meine Karriere als professioneller Dating-Coach begann und als Neunzehnjähriger Frauen Ratschläge gab, musste ich als Partner versagen. Das ist vielleicht das Schicksal von Coaches, Therapeutinnen und Beratern jeglicher Art, wenn sie bereits Weisheiten verkünden, bevor sie selbst erleuchtet wurden – also von uns allen. Vielleicht außer Eckhart Tolle … dessen Erleuchtung scheint ziemlich echt. Der ganze Rest liegt öfter falsch, als wir zugeben wollen. Und der große Witz dabei ist, sobald wir anfangen, selbstgerecht über irgendwas zu schimpfen, wird uns das Leben exakt darüber stolpern lassen.
Was genau hat mich denn nun zu so einem schrecklichen Date gemacht?
Ich habe mehrere Leute gleichzeitig gedatet, ohne offen darüber zu reden. Meistens habe ich deswegen nicht gelogen. Ich habe es einfach nicht angesprochen, weil das für mich so leichter war. Manchmal habe ich auch gelogen – dann habe ich mir selbst eingeredet, es wäre richtig so, weil ich damit »die Gefühle meines Gegenübers schone« (ein lockeres Verhältnis zur Wahrheit, das ich inzwischen versucht habe zu korrigieren). Ich habe ab und zu Leute geghostet. Ich habe mit Frauen geschlafen und es dann im Sande verlaufen lassen, wobei ich mir nie eingestanden, ja es nicht einmal wirklich bemerkt habe, dass ich Gefühle verletzt habe. Manchmal habe ich weiterhin die Aufmerksamkeit von Frauen gesucht, die mehr von mir wollten, obwohl ich, wäre ich ehrlich zu mir selbst gewesen, mich eigentlich schon gegen sie entschieden hatte. Ich habe das getan, weil sich die Aufmerksamkeit gut anfühlte und das Leben ohne einsam schien. In ruhigen Momenten, wenn ich mich hätte hinsetzen und meine Gefühle analysieren und an mir arbeiten sollen, habe ich einfach jemand Neuen angerufen.
Das ist einer der Gründe, warum meine Ratschläge so präzise sind. Wenn ich Frauen erzähle, wem sie aus dem Weg gehen sollten, dann ist das oft eine jüngere, rücksichtslosere Version von mir selbst.
Ich meine damit nicht, dass ich kein Gentleman war. War ich ritterlich? Absolut. War ich nett? Meistens schon, ja. Ich wollte alle gut behandeln. Ich verabscheute die Vorstellung, jemals jemanden zu verletzen. Waren mir die Gefühle der anderen wichtig? Sehr. Aber am Ende waren mir meine wichtiger.
So locker, wie ich damals datete, verletzte ich automatisch Menschen. Und doch habe ich den meisten Schmerz nicht etwa dann verursacht, wenn keine Beziehung daraus entstand, sondern genau dann, wenn es zu einer kam.
Warum? Obwohl ich dachte, ich wäre bereit, war ich es nicht. Ich war nicht für ein echtes Commitment oder irgendeine Art von Kompromiss bereit, geschweige denn für irgendwelche Zukunftspläne. Beziehungen erschienen mir immer noch negativ, wie eine Art Opfer. Aber ich war bereit, mich zu verlieben. Doch wie ich später lernte, ist das nicht dasselbe wie Bereitschaft für eine Beziehung.
Nicht dass ich mir dessen bewusst gewesen wäre. Hätte man mich damals gefragt, hätte ich ganz aufrichtig behauptet, dass ich ein toller Typ für eine Beziehung sei. Ich hatte tiefe Gefühle, ich habe intensiv geliebt, habe viel in die Beziehung investiert, ich war respektvoll, acht