Kapitel 1
Dublin, zwei Wochen bis zum St. Patrick’s Day
Du machst Witze, oder?« Ungläubig starre ich in Mindys kunstvoll geschminktes Gesicht, in dem sich echtes Bedauern widerspiegelt.
»Ich fürchte nicht, Carly-Schatz.« Sie schüttelt den Kopf. »Leider nein.«
Fassungslos lehne ich mich in dem erstaunlich bequemen Kunstledersessel zurück und versuche, die Hiobsbotschaft zu verdauen, die mir meine mütterliche Freundin und Reisebüroberaterin gerade überbracht hat. Meine von langer Hand geplante Fernreise wurde einfach abgesagt. Eine zweiwöchige Rundreise durch Namibia, inklusive einer Safari im Etosha Nationalpark. Zwei Wochen, fernab von hier. Ich starre an Mindy vorbei an die Wand hinter ihr, wo ein riesiges Poster hängt. Palmengesäumte Südseestrände und sorglos aussehende Menschen in Hängematten sind darauf abgebildet. Das Poster bildet einen seltsamen Kontrast zu dem andauernden Dubliner Nieselregen, der schon seit Wochen ein miesepetriger Dauergast zu sein scheint. Und doch ist es nicht das trübe Wetter, weshalb ich in vierzehn Tagen unbedingt woanders sein möchte. Woanders seinmuss.
»Es wird doch noch irgendeine andere Möglichkeit geben.« Ich beuge mich vor und sehe Mindy beschwörend an. »Egal was.«
»Natürlich gibt es Alternativen.« Mindys Blick flackert, und ich sehe, dass sie gleich noch eine unangenehme Nachricht für mich hat. »Aber es ist so, dass der Reiseveranstalter, bei dem wir deine Rundreise gebucht haben, pleitegegangen ist.« Sie schürzt die Lippen. »Du wirst dein Geld vielleicht wiederbekommen, irgendwann, aber das wird dauern, und wahrscheinlich müssen wir es vor Gericht einklagen.«
»Na großartig«, sage ich mutlos. Fünftausend Euro, einfach futsch. Fünftausend Euro, so viel war es mir wert, dass ich übernächste Woche, wie jedes Jahr um diese Zeit, in einer Safari-Lodge in Namibia gewesen wäre, anstatt hier in Dublin. Das wäre mir auch noch viel mehr Geld wert.
»Was soll ich denn jetzt machen?«, frage ich Mindy mit wachsender Unruhe. »Ich kann auf keinen Fall in Dublin bleiben.«
Mindy kennt mich schon eine halbe Ewigkeit, genauer gesagt seit ich zehn Jahre alt bin und Dad mit mir allein in Dublin blieb, nach seiner Trennung von Mum. Mindy ist eine alte Bekannte, sie hat auf mich aufgepasst, wenn er mal wieder im Ausland unterwegs war. Deshalb habe ich natürlich meine erste Fernreise bei ihr gebucht, genau wie die darauf folgenden, seit jenem Ereignis vor fünf Jahren. Und deshalb weiß sie auch, dass es sinnlos ist, mich von meinem Vorhaben abbringen zu wollen.
Ich werde den St. Patrick’s Day, diesen von mir gefürchteten 17. März nicht hier verbringen, um keinen Preis der Welt. Außerdem wäre es gefährlich, mich an diesem Tag in Dublin aufzuhalten. Buchstäblich gefährlich. Und das weiß Mindy auch. Sie legt den Kopf schief und überlegt eine Weile, bevor sie wieder zu sprechen beginnt.
»Es ist momentan wirklich schwierig, etwas anderes zu finden. Das Datum fällt genau in die Osterferien, deshalb sind die Sonnendestinationen alle ausgebucht oder üb