: Felicity Pickford
: Der tote Sommergast Ein Fall für Mary McTarr
: Goldmann Verlag
: 9783641307837
: 1
: CHF 8.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als die junge Mary McTarr den Leuchtturm auf der zauberhaften Insel Jersey erbt, kann sie sich endlich einen lange gehegten Traum erfüllen: Sie verwandelt das wildromantisch gelegene Bauwerk in ihr eigenes kleines Luxushotel. Ihre Leidenschaft für gute Küche und die Freude daran, ihre Gäste zu verwöhnen, machen einen ganz besonderen Ort aus dem »Corbière Lighthouse Hideaway«, und als ihr erster Gast Mr Plummer eintrifft, ist Mary in ihrem Element. Doch nur wenig später der Schock: Mary entdeckt Mr Plummer tot am Meer, ein Messer ragt aus seinem Rücken. Gemeinsam mit dem Journalisten Robert Peabody macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Und lernt eine dunkle Seite ihrer geliebten Insel kennen, die ihr bisher verborgen geblieben war ...

Felicity Pickford arbeitet seit vielen Jahren in einer kleinen Buchhandlung. Sie kennt und liebt Grand Hotels, seit sie sich mit Anfang Zwanzig von einem Spielgewinn eine kurze Reise nach Wien mit einem Aufenthalt im Hotel Sacher geleistet hat. Doch besonders haben es ihr die kleineren luxuriösen Häuser angetan. Deshalb sucht sie bevorzugt die weniger bekannten Schmuckstücke auf, sei es in Florenz, Prag, Paris oder Edinburgh. Die Idee zu »24 Charming Street« kam ihr, als sie eine Reise in ein entzückendes Grand Hotel in den Bergen absagen musste. Denn die beste Therapie gegen Fernweh ist es ja, sich hinweg zu träumen.

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Wozu um alles in der Welt hatte er vier Koffer bei sich? Ein einzelner Reisender auf einer abgelegenen Insel! Hatte er vor, sich im Turm niederzulassen? Skeptisch beobachtete Mary, wie Mr Plummer sein Gepäck neben den albernen Wagen stellte, mit dem er vom kaum fünf Kilometer entfernten Flughafen »angereist« war. Natürlich brauchte so ein Mensch, dem täglich der Lärm und die Hektik einer Millionenmetropole um den Kopf schwirrten, eine Auszeit im Nirgendwo. Aber mit einem französischen Cabrio? Dass sie so was am Jersey Airport überhaupt vermieteten, amüsierte Mary schon. Dass der Gast aus Birmingham glaubte, es auf der Insel zu brauchen, ließ sie kurz den Kopf schütteln.

»Schön, dass Sie da sind!«, sagte sie so überzeugend wie möglich. Andererseits: Hey! Endlich ging es los! Sie war am Ziel ihrer Bemühungen, in diesem Moment erfüllte sich nicht weniger als ihr Lebenstraum. Zugleich seufzte sie innerlich: Ihre eigene Auszeit war mit Ankunft dieses ersten Gastes allerdings auch vorbei.

Wobei sie nicht lange gedauert hatte, die Erholungsphase zwischen der Fertigstellung des Corbière Lighthouse Hideaway und der Eröffnung. Gefühlt waren die zehn Tage wie ein Wochenende vergangen. Selbst die Schmerzen in allen Gliedern waren noch nicht ganz abgeklungen. Doch Mary war auf jeden Muskel, der zwickte, und auf jeden Knochen, der knackte, stolz. Schließlich hatte sie den größten Teil der Arbeiten an dem alten Leuchtturm an den Südwestklippen der Insel entweder selbst ausgeführt oder doch zumindest tatkräftig unterstützt. Und dort, wo sie tatsächlich nichts hatte beitragen können, wie etwa bei den Ausbesserungsarbeiten am Fundament, hatte sie für die Arbeiter Kuchen gebacken, Sandwiches zum Mittag gemacht oder auch mal ein schottisches Lied zum Besten gegeben, um die Männer zu unterhalten, die nicht nur einen aufregenden, sondern auch einen gefährlichen Job hatten. Verglichen mit den wettergegerbten Gesichtern und den braun gebrannten Oberkörpern dieser Macher gehörte der Ankömmling geradezu zu einer anderen Spezies. Wobei Mary durchaus gelernt hatte, jede Sorte Mensch zu schätzen und das Besondere in jedem zu sehen.

»Was für eine Weltreise!«, klagte Mr Plummer und deutete auf die Koffer, weil er offenbar erwartete, dass man sie ihm aufs Zimmer brachte. »Zuletzt war ich nicht sicher, ob ich nicht auf dem Mond landen würde.« Er ließ den Blick über die karstigen Felsen schweifen und nickte, als wollte er sagen, dass es wohl letztlich tatsächlich der Mond geworden war. »Nun, immerhin werde ich hier ein wenig zur Ruhe kommen.«

Mary lachte. »Ja, das werden Sie.« Und sie würde es ihm so schön und gemütlich machen wie nur möglich, und dafür ihre eigene Ruhe opfern. Aber das war nun einmal das Los einer Hotelbesitzerin. Und sie war nicht nur irgendeine, sondern die jüngste Hotelbetreiberin auf ganz Jersey und den umliegenden Kanalinseln. Die ehrgeizigste. Und gewiss auch die am meisten belächelte. Aber sie würde es den Schlaumeiern schon zeigen, die dachten, eine junge Frau, die nicht einmal hier aufgewachsen war, könnte eine solche Herausforderung nicht bestehen. »Darf ich Ihre Koffer nach oben tragen? Ich habe Ihnen den Sailor’s Room reserviert, Sir. Es ist das Zimmer mit der besten Aussicht. Sie können bis Guernsey blicken und werden die schönsten Sonnenuntergänge erleben, die es auf der Erde gibt.«

Wie alles hier hatte sie auch de