: Simon Mason
: Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins Kriminalroman
: Goldmann Verlag
: 9783641320614
: Ein Fall für DI Wilkins
: 1
: CHF 12.60
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der große SPIEGEL-Bestseller: die düstere Welt der Oxford University, eine Tote und zwei Ermittler wie Feuer und Wasser ...

DI Ryan Wilkins kennt die Universität Oxford nur aus der Ferne. Aufgewachsen in einem Trailerpark ist ihm diese elitäre Welt so fremd wie suspekt. Nun führt ihn der grausame Mord an einer jungen Frau ausgerechnet in die ehrwürdigen Hallen eines der Colleges – und an die Seite seines Namensvetters, des smarten DI Ray Wilkins, Spross einer wohlhabenden nigerianisch-britischen Familie und Oxford-Absolvent. Das ungleiche Team muss herausfinden, wer die Unbekannte ermordet hat, deren Leiche im Arbeitszimmer von Sir James Osborne, dem Prorektor von Barnabas Hall, gefunden wurde. Die Ermittlungen erfordern Takt und Fingerspitzengefühl, beides nicht gerade Ryans Stärken. Dafür ist er ein brillanter Beobachter. Gemeinsam mit Ray stößt er auf Verbindungen zwischen der Toten und einer alten Schuld, die bald weitere Opfer fordert ...

»Simon Mason feiert mit seinem einzigartigen Ermittlerpaar einen Triumph!«The Sun

Als bester Spannungsroman des Jahres für den Gold Dagger nominiert.

Simon Mason wurde in Sheffield geboren und studierte Englische Literaturwissenschaft in Oxford. Er schreibt heute sowohl Kinder- und Jugendbücher als auch Thriller und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Betty Trask Award für das beste Romandebüt. Neben seiner Schriftstellertätigkeit arbeitete Simon Mason einige Jahre als Verlagsleiter von David Fickling Books. Er lebt mit seiner Familie in Oxford.

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Vom Sicherheitsstandpunkt war Barnabas Hall ein Desaster, jeder sagte das.

Das College mit seinem anmutig verwinkelten Grundriss ein Stück abseits der High Street zählt zu den malerischsten von ganz Oxford. Zu seinen architektonischen Glanzpunkten gehören etwa die elisabethanischen Gebäude des Old Court, deren sanft geneigte Schieferdächer das Alter zu sachten Wellen gewölbt hat und deren Ziegelmauern rostrot schimmern, oder auch die Kapelle mit ihren spätmittelalterlichen Buntglasfenstern und dem Messingpult aus dem sechzehnten Jahrhundert in Gestalt eines Schwans. Aber die verschnörkelte schmiedeeiserne Pforte am Ende der Butter Passage rastet nicht richtig ein, und bei dem viktorianischen »Burgtor« zur Logic Lane mit seinem launischen Schließmechanismus genügt zum Öffnen zumeist ein beherzter Stoß. Den Haupteingang, dessen Torbogen mit Reliefs von Jesu Versuchung in der Wüste geschmückt ist, bewacht ein steifgliedriger Pförtner, der fast so antik wirkt wie seine Loge.

Der Inbegriff eines weltfernen Idylls, möchte man meinen. Doch der Eindruck trügt. Wie sämtliche Oxbridge-Colleges ist auch Barnabas Hall eingebunden in ein globales Netzwerk rasanten Informationsaustausches: ein millionenschwerer kommerzieller Betrieb, der mit Firmen und Regierungen weltweit interagiert und dessen Professoren ihr hoch spezialisiertes Fachwissen an Hunderte der verschiedensten Unternehmen verkaufen. Aus diesem Grund stand an einem verregneten Abend Mitte November, an dem die Nässe als wabernde Masse von den gemeißelten Fensterstürzen und Simsen troff, der Provost von Barnabas Hall in der Burton Suite und machte Konversation mit seinem hochwichtigen Gast, Scheich al-Medina.

Der Burton Dining Room, noch so ein College-Highlight: Am Ende von AufgangIV im Nordflügel des Old Court gelegen, scheint er auf den ersten Blick aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt zu sein, das die Jahrhunderte geschwärzt und gehärtet haben. Alterskrumme Eichenbalken stützen die mit niederländischem Bandelwerk verzierte Stuckdecke ab, die sagenhaft historischen Holzdielen knarzen vom bloßen Hinschauen, und aus dem dunklen Firnis der Wandvertäfelung blicken die Gründerväter von Barnabas Hall: bleiche, gestrenge Herren in Tudorhauben, nüchterne Geschäftsmänner allesamt.

Für diese Gemälde, oder vielmehr die darauf Dargestellten, versuchte der Provost seinen Gast zu interessieren.

»Cropwell«, sagte er, angestrengt blinzelnd. »Bischof von Winchester unter HeinrichVI. Das war der König, der verrückt geworden ist, wie ich schon erwähnt habe. Ein höchst kurioser Fall.«

Der Scheich sagte nichts.

Der Provost, ein kleiner Mann mit großem, altersfleckigem Kahlkopf und einer weichen, aber nervösen Stimme, war Geograf und furchterregend belesen, jedoch von geringem praktischem Verstand und sich nicht zu gut, diesen Mangel durch ein aggressives Auftreten zu kompensieren. Seine kurzfingrigen Hände redeten ausladend mit, wenn er sprach. Der Scheich war groß und gebeugt, mit fleischiger Nase, Hängelidern und einer Neigung, sich in ein irritierendes Schweigen zu hüllen. Er war der Emir des am wenigsten bekannten der sieben Arabischen Emirate, ein Multimilliardär selbstredend, und seit drei Jahren arbeitete der Provost nun schon daran, ihn als Förderer des neu gegründeten Instituts für Friedensforschung zu gewinnen. Noch ließ sich nicht absehen, ob er Erfolg haben würde. Der Scheich war undurchschaubar. Und er war umstritten; hartnäckige Gerüchte sagten ihm Menschenrechtsverstöße im eigenen Land und Gräueltaten in anderen Staaten nach. An der Universität gab es denn auch heftigen Widerstand gegen seine Sc