: Hendrik Berg
: Kalte Strömung Ein Nordsee-Krimi
: Goldmann Verlag
: 9783641328139
: Ein Fall für Theo Krumme
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Mord an einem Fährkapitän erschüttert die kleine idyllische Gemeinde Dagebüll an der Nordseeküste. Der Fall verlangt dem erfahrenen Kommissar Theo Krumme einiges ab. Die Spur führt ihn bis an die Ostsee – doch der Zugriff auf den Tatverdächtigen scheitert, und im Garten seines Hauses macht die Polizei einen schockierenden Fund. Sofort nimmt Krumme die Verfolgung des Mannes auf. Unterdessen führt eine junge Frau in einem kleinen Ort an der Nordsee ein ruhiges Leben – nicht ahnend, dass sie ins Visier eines Mörders geraten ist, der auf tödliche Rache sinnt ...

Hendrik Berg wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Geschichte in Hamburg und Madrid arbeitete er zunächst als Journalist und Werbetexter. Seit 1996 verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Drehbüchern. Er wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

2


»Ich habe schon mal eine tote Ratte gesehen«, erklärte Marie mit feierlichem Ernst.

»Tatsächlich?«, stotterte Krumme, wollte fragen, wo, aber Torben kam ihm mit einem anderen Beitrag zuvor:

»Mein Papa hat gestern eine Taube totgefahren. Kommt er jetzt in den Knast?«

Krumme überlegte verwirrt, setzte zur Antwort an, aber schon erreichte ihn die nächste Frage.

»Hast du auch eine Pistole?«, wollte ein kleines Mädchen wissen und patschte neugierig mit ihren Händen auf sein Jackett. Wie alle hatte sie sich am Anfang vorgestellt. Aber Krumme konnte sich leider nicht mehr an ihren Namen erinnern.

Sollte er ausgerechnet über dieses Thema mit den Kindern reden? Er schüttelte verlegen den Kopf, war aber erneut nicht schnell genug für eine Antwort. Schon blickte er wieder in ein Meer aus hochgestreckten Fingern, begleitet von japsenden Rufen und hektischem Geschubse.

Krumme hob beide Hände. »Ganz ruhig, Kinder, nicht alle auf einmal!«, mahnte er mit strenger Stimme. Und zu seiner großen Überraschung war es sofort ruhig im Raum. Krumme lächelte. Na bitte, selbst die freche Bande konnte sich der Wirkung seiner natürlichen Autorität nicht entziehen.

Er zeigte zu einem Mädchen mit schwarzen Haaren. »Na, meine Kleine, was möchtest du über die Arbeit der Polizei erfahren?«, fragte er, jetzt wieder bemüht, wie ein freundlicher Vater zu klingen.

Das Mädchen holte tief Luft. »Dürfen wir Sonny noch mal streicheln?«, fragte sie.

»Klar«, murmelte Krumme, worauf sich gleich die gesamte Klasse jubelnd auf seinen Hund stürzte. Nicht zu fassen, wie Sonny in diesem Durcheinander so entspannt bleiben konnte. Sein Hund, eine bunte Mischung aus Bernhardiner und Hütehund lag nur ein paar Meter entfernt von ihm auf dem Boden, ein riesiger Fellhaufen, den die Kleinen nun als eine Art Sofa benutzten. Kein Problem für Sonny, der sich von allen streicheln ließ und nur manchmal mit seiner handtuchgroßen Zunge freundlich zurückschlabberte, was jedes Mal begeistertes Kreischen auslöste.

Krumme blickte auf die Uhr. Erst fünfzehn Minuten rum. Seufzend schaute er in die Runde, so anstrengend hatte er sich seinen Besuch in einer Klasse der Klaus-Groth-Grundschule in Husum nicht vorgestellt. Eine Idee seines Kripo-Chefs Polizeirat Horst Krüger. »Krumme«, hatte er gesagt, »Sie können doch so gut mit Kindern. Die Bürgermeisterin möchte, dass wir als Polizei bei den Schulen unser freundliches Gesicht zeigen und ein bisschen Werbung für uns machen.«

Krumme war nicht klar, warum ausgerechnet