Kapitel 2
Fünf falsche Annahmen und weiterer Müll, den wir mit uns herumschleppen
Ich sage oft, die Arbeit mit meinen Patienten ist 60 Prozent körperlich und 40 Prozent geistig. Ja, ich heile bestimmte Körperstellen von Leuten, wenn sie mit Schmerzen oder Problemen zu mir kommen, aber oft führe ich auch offene, empathische Gespräche mit meinen Patienten, in denen es darum geht, wie man lernt, seinem Körper zu vertrauen und ihn zu lieben – manchmal zum ersten Mal überhaupt – und wie man zulässt, dass das auch andere tun. Die meisten von uns, selbst die, die wissen, dass sie es von hinten lieben, schleppen einen Arschvoll emotionaler Altlasten mit sich herum. Ich sehe sie in meinem Beruf jeden Tag: Menschen, denen es peinlich ist, zuzugeben, dass sie es gern mal probieren möchten. Menschen, die sich davor fürchten, ihre Sexualität anzunehmen. Menschen, deren Vorstellung von Maskulinität zu zerbrechen droht, wenn sie feststellen, dass sie sich danach sehnen, sich beim Sex einem anderen unterzuordnen. Menschen, die von Ängsten und Selbstzweifeln erfüllt sind und sich fragen:Bin ich attraktiv genug? Wie sieht mein Hintern aus? Werde ich jemanden vollkacken, wenn ich das ausprobiere? Wird es bluten? Die emotionale und psychologische Last deiner verinnerlichten Scham oder deines Selbsthasses wird dein Sexleben zerstören, wenn du es zulässt.
Woher kommt diese Last? Ignoranz, Angst und Homophobie haben zahllose Mythen rund um das Thema Analsex beflügelt. Insbesondere darüber, wer diesen praktiziert. Und wie. Und warum. Sie füttern absurde Ideen, die wir durch kulturelle Normen, Bekannte, unzulänglichen Sexualunterricht, politische Falschinformationen und Gesetze, die auf Bigotterie und Vorurteilen fußen, falsche Reddit-Posts und unrealistische Pornos annehmen. Das ist heimtückisch – und es summiert sich. Nachdem wir jahrelang mit diesen Mythen konfrontiert wurden, ist es nicht verwunderlich, dass so viele von uns eine verdrehte, falsche Vorstellung davon haben, was Analsex ist, wer diesen praktiziert und ob das ein »normaler« Bestandteil des eigenen sexuellen Repertoires sein sollte.
Es ist absolut nichts Perverses oder Abnormales daran, wenn man Analsex genießt oder sich danach sehnt. Aber es reicht nicht, wenn ich dir das versichere. Du musst das wirklich glauben, sonst brauchst du gar nicht weiterzulesen.
Du wirst nicht in der Lage dazu sein, die Früchte der Ratschläge in diesem Buch zu ernten, wenn du dich nicht den Vorurteilen und dem Selbsthass stellst, den du entwickelt hast, weil du in einer Gesellschaft lebst, die dummerweise darauf besteht, Analverkehr zu stigmatisieren und zu tabuisieren. Wenn du bereit dazu bist, kursierende Mythen rund um das Thema Analsex unter die Lupe zu nehmen, wirst du feststellen, dass keine davon einer näheren Betrachtung standhalten kann. Keine einzige.
Für viele ist diese Erkenntnis alles, was es braucht, um die negativen Auswirkungen unnötiger Verleugnung, Verdrängung und Scham abzuschütteln. Das ist aufregend. Aber es kann auch beängstigend sein. Nicht jeder ist offen dafür.
Ich hatte einen heterosexu