: Claudia Schaumann
: Glück ist ganz nach meinem Geschmack Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641327668
: 1
: CHF 9.90
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: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Kann man sich mit Mitte vierzig noch mal so richtig verlieben – und wenn ja, in wen bitte schön?

Eigentlich kann Grundschullehrerin Sam mit ihrem Leben zufrieden sein: Sie hat eine gemütliche Altbauwohnung in Hamburg-Eimsbüttel, tolle Freundinnen und die beste Tochter der Welt. Nur die Hoffnung auf die große Liebe hat sie längst aufgegeben – bis sie beim Klassentreffen in ihrer Heimatstadt Lüneburg ihren Jugendschwarm Max wiedertrifft. Während sie wie ein Teenie dem nächsten Date entgegenfiebert, rauben ihr die Schule, ihre alternden Eltern und der neue, erstaunlich junge Rektor Finn den letzten Nerv. Um sich von ihrem Gefühlschaos abzulenken, tut Sam das, was ihr am meisten Spaß macht: Macarons backen. Und dabei fragt sie sich, ob sie mit 43 noch einmal etwas ganz Neues wagen soll – im Job und in der Liebe …

Ein humorvoller und herrlich romantischer Roman über Liebe, Neuanfänge und das große Glück. Niemand versteht Frauen so gut wie SPIEGEL-Bestsellerautorin und Bloggerin Claudia Schaumann (WAS FÜR MICH).

»Ein Roman wie ein perfekter Sommertag: heiß, heiter und ganz viele große Gefühle.« Julia Karnick

»Warmherzig und wunderbar!« Frau von heute (über »Sommer ist meine Lieblingsfarbe«)

»Ei sehnsuchtsvoll-schöner Roman über ungerade Lebens- und Liebeswege.« Karla Paul (über »Sommer ist meine Lieblingsfarbe«)

C audia Schaumann, geboren 1977, arbeitete nach ihrem Volontariat als Redakteurin bei großen Tageszeitungen und Magazinen. In ihrer zweiten Elternzeit gründete sie den Blog WAS FÜR MICH, der inzwischen zu den größten deutschen Blogmagazinen gehört. Sie hat vier Kinder, betreibt neben dem Blog einen sehr erfolgreichen Instagram-Kanal und schreibt Bücher für Kinder und Erwachsene.

Kapitel 1


Heute

»Du Mistkerl wirst doch wohl nicht …?« Ich hielt die Luft an. Doch, er würde. Ich atmete aus.

Der Zeiger der Wanduhr in dem fensterlosen Raum tickte vorwurfsvoll. Es war Freitagmorgen, ich trug einen rosa Stine-Goya-Tüllrock und Secondhand-Glitzersandaletten, und vor mir lag der aufregendste Abend des Jahres.

Vor mir stand leider der Kopierer, der mal wieder den Elternbrief gefressen hatte, der heute noch rausmusste. Es roch tintensüß und staubig – und wie immer ein bisschen verkokelt. Der Tüll kratzte an meinen Knien, und meine Schuhe sahen definitiv hübscher aus, als sie bequem waren. Ich öffnete die Klappe des mausgrauen Apparats und zupfte ein Blatt Papier in Fetzen heraus.

Als ich es endlich schaffte, den Brief doch noch zu kopieren, hatte es längst geklingelt. Dabei war ich heute extra pünktlich gewesen. In meinem Bauch drückte es. Ich hastete den Flur entlang, meine Schultasche schnitt mir in die Schulter, der noch warme Stapel Kopien flatterte gegen meine Brust. Das bedruckte Papier roch nach frischem Vollkornbrot, wie immer, warum auch immer.

Das Klack-klack-klack meiner Absätze hallte durch den Flur. Es klang aufregend, aber auch ein bisschen, als würden sich die niedrigen 80er-Jahre-Wände über mich lustig machen. Hahaha. Alle Klassenzimmertüren waren bereits geschlossen.

Wenn mich unser Rektor Dr. Fleischer jetzt sah, würde er durchdrehen. Er hasste Unpünktlichkeit. Er würde auch diese Schuhe und den Rock hassen und mir das zwar nicht mit Worten sagen, aber mit seinem zur Seite geneigten Kopf in Kombination mit erhobenen Brauenbalken.

Mir fiel ein, dass ich während meines Referendariats mal wegen meines zugegebenermaßen recht großen Stringtanga-Sichtfensters zur Rektorin bestellt worden war. Vermutlich meine Form des Protests. Vielleicht hätte ich meiner Unterhose die Berufswahl überlassen sollen, dann wäre ich wohl nicht Grundschullehrerin geworden. Dennoch war es unpassend gewesen. Dr. Fleischer ahnte nicht, wie viel Glück er hatte.

Zwei Flure bevor ich da war, hörte ich die 3b bereits. Meine 3b. Es fiel mir immer noch schwer, sie so zu nennen, schließlich hatte ich sie erst vor zwei Monaten von meiner Kollegin Ulla übernommen. Übernehmen müssen, weil Ulla wegen eines Burn-outs von einem Tag auf den anderen nicht mehr zur Arbeit kommen konnte. Ulla tat mir leid. Ich mir auch.

Natürlich war mir klar gewesen, dass ich nicht dauerhaft um eine Klassenleitung herumkommen würde, jetzt, wo Hermine größer war und ich Stunden aufgestockt hatte. Ein bisschen hatte ich mich sogar auf meine eigene erste Klasse gefreut. Stattdessen war es die 3b geworden – so etwas wie der zottelige, zähnefletschende Hund ganz hinten im Tierheim, den keiner wollte.

Ich hörte die 3b lachen, auf eine um sich beißende Art und Weise. Dann machte es Rumms, und ich presste Augen, Nase und Lippen zusammen. Etwas war umgefallen, hoffentlich ein Stuhl, bitte kein Kind.

Als ich um die Ecke bog, tauchten Ezras schwarze Haare in der Tür auf. »Sie kommt!«, rief sie. Offenbar hatte sich niemand verletzt.

Das Gebrüll in der Klasse verstummte kurz, nur um dann noch lauter zu werden. Ich klackerte schneller – und rutschte beinahe aus. Die Kopien flatterten mir aus der Hand, 28 naturweiße Zettel, wie Eisschollen um mich herum verteilt.

Eine Tür ging auf, und Britta Breuer, Klassenlehrerin der 3a, Fachleitung Mathe, schüttelte ihren geometrischen Kurzhaarschnitt. Sie starrte mich und meinen Tüll und die Elternbriefscho