: Adolf von Harnack
: Peter Bürger
: Militia Christi Die christliche Religion und der Soldatenstand in den ersten drei Jahrhunderten. Mit einem einleitenden Essay von Franz Segbers
: Books on Demand
: 9783769379310
: edition pace
: 1
: CHF 4.50
:
: Politik
: German
: 180
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
1905 veröffentlichte der protestantische Gelehrte Adolf von Harnack (1851-1930) seine hier als Neuedition vorgelegte Spezialstudie"Militia Christi" mit dem Untertitel:"Die christliche Religion und der Soldatenstand in den ersten drei Jahrhunderten". Darin, so resümiert Herbert Koch,"führte Harnack den Nachweis, dass es für die Christen bis zum Ende des 2. Jahrhunderts eine Selbstverständlichkeit war, keinen Dienst im römischen Heer zu leisten. Ein Problem entstand erst, als es mit fortschreitender Ausbreitung des Christentums auch Soldaten gab, die getauft werden wollten. Dies wurde dann zugestanden, aber nur unter Auflagen, etwa der, die Beteiligung an Hinrichtungen (tötender Gewalt) zu verweigern. Eine Studie wie diese hatte es bis dahin nie gegeben." Der Anhang dieser Neuausgabe enthält noch das"Soldatenkapitel" aus dem Werk"Mission und Ausbreitung des Christentums" (1902/1906) sowie"Anmerkungen" zu Harnacks unrühmlicher Rolle als Staatsdiener während des Ersten Weltkriegs. Franz Segbers beleuchtet in seinem einleitenden Essay den Pazifismus der frühen Christenheit als"unzeitgemäße Erinnerung zur Zeitenwende":"Wie die Theologen der Alten Kirche in den vorkonstantinischen Jahrhunderten für ihre Zeit des Imperium Romanum eine kontextuelle Theologie der Gewaltfreiheit entworfen haben, ist es auch den Theologen und Theologinnen im 21. Jahrhundert aufgegeben, den Zusammenhang von Kapitalismus, Militarisierung und Rückkehr des Krieges als Kontext ihrer Theologie zu reflektieren." edition pace. Regal: Pazifismus der frühen Kirche 1. Herausgegeben von Peter Bürger.

Adolf von Harnack (1851-1930) aus Dorpat (heute Estland) war Leitgestalt der liberalen Theologie im Kaiserreich: 1874 Privatdozent, 1876 Professor für Kirchengeschichte in Leipzig, 1879 Theologieprofessor in Gießen und 1887 in Marburg, ab 1888 in Berlin (nach Intervention des Kaisers zu seinen Gunsten). 1890 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (u.a. Leitung der Kirchenväterkommission), 1905 Generaldirektor der Berliner Staatsbibliothek, 1910 Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft. Bei Kriegsbeginn 1914 wurde Harnack gebeten, einen Entwurf für den Aufruf des Kaisers"An das deutsche Volk" niederzuschreiben. Die Gesammelten Kriegsschriften des protestantischen Gelehrten liegen auch als Band 6 der Reihe"Kirche und Weltkrieg" vor.

Militia Christi


Die christliche Religion und der Soldatenstand
in den ersten drei Jahrhunderten44

Adolf von Harnack

VORWORT


Die Probleme, die in den nachstehenden beiden Abhandlungen untersucht werden, habe ich in meinem Werke über dieMission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten (1902) S. 297 ff. 388 ff. kurz erörtert. Sie schienen mir schon damals eine eingehendere Behandlung zu verdienen; aber in dem Rahmen der Missionsgeschichte konnte ich eine solche nicht bieten. Hier ist sie nun nachgebracht. Ich habe mich streng an das Thema gehalten, da ich in Bezug auf allgemeinere Fragen („Die Religion im römischen Heere“, „Die Beurteilung des Kriegs und des Kriegerstandes bei den griechisch-römischen Philosophen“ usw.) Neues nicht zu bringen vermochte und Bekanntes nicht wiederholen wollte. Man muss aber den Hintergrund stets im Auge behalten, wenn man das besondere Problem des Verhältnisses der Kirche zum Soldatenstand zu würdigen unternimmt. „Religio Romanorum tota castrensis“, sagt Tertullian, „signa veneratur, signa iurat, signa omnibus deis proponit“. Aber auch die abschätzigen Urteile der Philosophen über den Kriegsdienst dürfen nicht vergessen werden; denn das Christentum galt nicht nur als „Philosophie“, sondern war ihr auch wirklich wahlverwandt und wurde von ihr beeinflusst.

Man wird in dem Verhältnis der alten Kirche zum Krieg und zum Heere wiederum ihre beispiellose Elastizität und ihren Universalismus bewundern. Die Kirche hielt die höchsten Ideale aufrecht und richtete sich doch in der Welt ein. Sie verstand es sogar einer ganz weltflüchtigen Zukunftshoffnung konservative Motive für das weltliche Leben abzugewinnen, und sie bewährte es auch hier wieder, dass sie das Gegensätzliche zu dulden vermag, indem sie es umklammert. Weltkirche war sie schon damals, als sie noch schutzlos der Welt gegenüberstand.

Das besondere Recht, das Verhältnis der christlichen Religion zum Heere in einer monographischen Darstellung zu entwickeln, liegt darin, dass sich die alten Christen – vor allem im Abendland – auch als Krieger Gottes empfanden und dass sich der weltgeschichtliche Umschwung vom Heidentum zum Christentum öffentlich zuerst im Heere vollzogen hat.

In Bezug auf die Stellung der Christen zum Militärdienst besitzen wir eine Studie vonBigelmair in dem Buche: „Die Beteiligung der Christen am öffentlichen Leben in vorkonstantinischer Zeit“ (München, 1902) S. 164-201, und soeben – der Satz dieser Blätter war bereits nahezu abgeschlossen – kommt mir die Abhandlungde Jong's zu: „Dienstweigering bij de oude Christenen“ (Leiden, 1905). Beide Untersuchungen, besonders die erste, sind gründlich und fördernd; ich hoffe aber, dass die meinige neben ihnen nicht überflüssig sein wird, da in jenen Arbeiten die „Militia Christi“ kaum gestreift ist und sie Vollständigkeit des Materials und der Gesichtspunkte nicht überall angestrebt haben.

Berlin, den 20. Mär