Die Darstellung von Leben und Werk Eduard Loewenthals in der Literatur
„Was ist überhaupt Moral, was Humanität, was geistiger Werth in den Augen des preußischen Vollblut-Junkers, der kein höheres Ideal kennt, als die Gewalt und die Macht, keine andere Logik, als die von Blut und Eisen! […] Nur eine Moral braucht der preußisch-deutsche Unterthan zu cultiviren, die Moral der Loyalität gegen die Völkerfreiheitsmörder. Durch diese königlich-kaiserliche Moral wird jede Immoralität, ja sogar jede Bestialität nicht nur aufgewogen, sondern heilig gesprochen. – Wie kommt es nun aber, daß ein Volk von Dichtern und Denkern sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit vom hoh'n Olymp seiner geistigen und humanitären Classicität in die Barbarei eines solchen Molochdienstes hineinreißen ließ und in so völlige Unzurechnungsfähigkeit gerathen konnte?“ –
„Das Ministerium desKriegs- oderMord-Cultus hat dem Unterthanen den Glauben beizubringen, daß ernicht mehr selbst denken und wollen, sondernnur gehorchen darfresp.muß“.
(E. LOEWENTHAL: Das preussische Völker-Dressur-System, 1871)
Der Publizist Dr. Eduard Loewenthal (geb. 12. März 1836 in Ernsbach / Forchtenberg; gest. 26. März 1917 in Berlin) ist im 19. Jahrhundert als scharfer Kritiker des preußischen Militarismus, Vertreter des Rechtspazifismus (Programm einer obligaten internationalen Friedensjustiz) und früher Pionier der im deutschen Sprachraum noch kaum entwickelten Friedensbewegung hervorgetreten; er sympathisierte mit der Arbeiterbewegung (unter Ablehnung von Revolutionsgewalt). Der vorliegende Band enthält seine Friedensschriften aus den Jahren 1870 - 1903 sowie – mit einigen Kürzungen – die Memoiren„Mein Lebenswerk“ (1910/12). Vorab werden hier die Darstellungen zu Werdegang und Wirken aus der vom Herausgeber eingesehenen Literatur über diesen Autor dokumentiert.
Biographische Skizze – Anthologie 1902
Zu Lebzeiten erschien in einer dichterischen Anthologie folgende Skizze zum Lebensweg: „Eduard Loewenthal. Geboren am 12. März 1836 in Ernsbach (Württemberg), absolvierte das Stuttgarter Gymnasium und studierte in Tübingen Jurisprudenz und Philosophie von 1855-1859. In letztgenanntem Jahre mittels einer Dissertation über Spinoza und Leibnitz zum Doktor der Philosophie promoviert, begründete er in Frankfurt a. M. die ‚Allgemeine deutsche Universitätszeitschrift‘ und trat als Mitredakteur in den ‚Arbeitgeber‘ von Max Wirth ein. 1860 wurde Loewenthal infolge eines Artikels über einen Studentenkrawall in Greifswald aus Frankfurt ausgewiesen. Jedoch wurde diese Massregel infolge eines Missbilligungsvotums des ‚gesetzgebenden Körpers‘ der damaligen freien Reichsstadt wieder rückgängig gemacht. Loewenthal folgte aber einem von Wiesbaden an ihn ergangenen Rufe, um die Redaktion der ‚Wiesbadener Zeitung‘ zu übernehmen. Als Redakteur der letzteren wurde er wegen eines Artikels, ‚Eine Zeit- und Weltbetrachtung beim Jahreswechsel‘, der Herabwürdigung der Religion angeklagt und in erster Instanz zu zwei Monaten Korrektionshaus, in zweiter Instanz zu acht Tagen Gefängnis verurteilt. Bald darauf übernahm er die Redaktion der Payneschen ‚Glocke‘ in Leipzig, gründete daselbst auch den ‚Zeitgeist‘. 1863 lernte er in Leipzig Ferdinand Lassalle kennen, der ihn veranlasste, nach Berlin überzusiedeln, wo er in der Tagespresse thätig war. 1871 ü