1. KAPITEL
„Sally Jenner! Schön, dass ich Sie endlich kennenlerne.“ Mit einem herzlichen Lächeln hieß Emma sie willkommen. „Ich habe schon so viel Gutes über Sie gehört. Eine zusätzliche Hebamme können wir wirklich gut gebrauchen. Sie werden hier schon bald die beliebteste Mitarbeiterin sein.“
„Vielen Dank. Ich freue mich auch auf die Arbeit.“ Leicht verunsichert erwiderte Sally das Lächeln der Stationsschwester der Geburtsabteilung, denn sie spürte ein mulmiges Gefühl im Bauch. Aber das plagte sie schon, seitdem sie den Entschluss gefasst hatte, Australien zu verlassen und nach Hause zurückzukehren.
Denn es bedeutete, dass sie Tom Hunter wiedersehen würde.
Sieben lange Jahre hatte sie sich auf diesen Moment vorbereitet.
Doch nun befürchtete sie, die Nerven zu verlieren. Immerhin rührte sie an Dinge, die vielleicht besser im Dunkeln geblieben wären.
Zum Beispiel an Gefühle, die sie gar nicht spüren wollte.
Wie mochte Tom wohl jetzt aussehen? Spielte die Erinnerung ihr einen Streich, oder war er wirklich so attraktiv gewesen? Konnte ein Mann tatsächlich so vollkommen sein, wie sie immer geglaubt hatte?
Emma hatte keine Ahnung von Sallys Gefühlsaufruhr. „Wenn Sie irgendwelche Fragen haben, wenden Sie sich ruhig an mich“, plapperte sie fröhlich weiter. „Ich weiß, dass Sie in diesem Krankenhaus gelernt haben. Aber Sie waren ziemlich lange fort, und ein paar Dinge dürften sich geändert haben. Ich erzähle Ihnen kurz, wie wir ausgestattet sind. Wir haben zwei OPs, sechs Kreißsäle und vier Kuschelzimmer. So nennen wir die Räume, in denen sich die Leute wie in ihrem eigenen Schlafzimmer fühlen sollen.“
Sally lachte. „Sie scheinen nicht besonders überzeugt davon zu sein.“
„Nun ja, in meinem Schlafzimmer stapeln sich Wäscheberge und Bücher, die ich irgendwann mal lesen will, was ich aber bis jetzt nicht geschafft habe“, gestand Emma munter. „Also, wie bei mir zu Hause sieht es da bestimmt nicht aus. Aber ich habe viel Fantasie.“
Sie öffnete eine Tür, und Sally folgte ihr.
Im Mittelpunkt des Raums standen ein großes Doppelbett und ein Sofa mit vielen bunten Kissen darauf. Es gab eine Stereoanlage und zahlreiche Zeitschriften.
Sally nickte anerkennend. „Nett. Gemütlich.“
Emma zuckte mit