1. ÜBER MICH
Auf der Suche nach einem Mantel
Ehemann, Kind, idyllisches Wohnen im Grünen, Studium…
Diese Lebensphase sollte die Erfüllung eines romantischen Lebenstraums sein: endlich den Prinzen gefunden, ein gesundes süßes Kind in den Armen, Traumhochzeit unter blauem Sommerhimmel, Masterstudium… Dass dies alles im Ablauf von zwei Jahren stattfand, war für mich weniger Anlass zur Sorge als vielmehr Ursprung eines ozeanischen Gefühls von „göttlicher Fügung“.
Neue Stadt, neuer Lebensabschnitt, neuer sozialer Status. Neu, neu, neu! Nicht nur die Wohnung und das Mama-Sein waren zum Zeitpunkt der Trennung neu für mich, sondern auch die Beziehung zum Vater des Kindes, welchen ich erst wenige Wochen vor der Schwangerschaft kennengelernt und mich Hals über Kopf verliebt hatte. Und ebenso neu war die, mit der erfolgreichen Immatrikulation erst diese Woche ins Haus geflatterte, Rolle als Studentin. Dass ich in einer meiner vulnerabelsten Lebensphasen allein dasitzen könnte, kam überhaupt nicht vor in meinem inneren Drehbuch.
Ich hatte mich noch vor wenigen Wochen auf meinem Junggesellinnenabschied wie auf einem wundervollen Höhenflug gefühlt, wurde im Freundeskreis bewundert und hörte Sätze wie:„Manchmal werden Märchen wohl doch wahr“, „Es gibt sie noch, die guten Geschichten“…. Und so fühlte es sich größtenteils auch an. Rückblickend fehlte auf vielen Ebenen die Bodenhaftung. Ich selbst hatte zu diesem Zeitpunkt einen geerdeten, pragmatischen Anteil in mir bereits monatelang in die innere Abstellkammer gepackt und schwebte auf Wolke sieben. Fiel die rosarote Brille zuerst oder wurden wir erst Eltern? Ich glaube die Brille wollte fallen, wurde aber vehement wieder zurück auf die Nase geschoben und alle Zweifel und potenziell ernsthaften Konflikte in das Loch zurückgedrängt, aus dem sie kamen.
Das Elternwerden und Elternsein war einerseits, wie ich es mir vorgestellt hatte und andererseits ganz anders. Ich war oft unsicher und überfordert, es war unser erstes Kind und alles noch frisch und undefiniert. Bislang kam die Elternrolle nur in meinem Kopf vor und war dort eine schöne Vorstellung. Aber was sie mit mir und uns machen würde, was sie auslösen würde, war zunächst nicht greifbar. Erst in den Monaten nach der Geburt formierte sich vieles in mir. Mutterbilder, Erfahrungen mit dem Familienthema, Kindheitseri