: Emily McIntire
: Hexed Roman | Die Dark-Romance Booktok-Sensation endlich auf Deutsch!
: between Pages by Piper
: 9783377902450
: Never After
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Er ist der Prinz der Cosa Nostra und sie die Hexe, die ihm sein Herz stiehlt Venesa Andersen war noch nie gut. Sie war nicht gut genug für ihre Eltern, und sie ist auch nicht gut genug für den Onkel, der sie nach deren Tod bei sich aufgenommen hat. Aber sie ist gerissen. Schön. Gehorsam. Und für einen moralischen Kompass hat sie sowieso keine Zeit. Als ihre weggelaufene Cousine in die südliche Küstenstadt zurückkehrt, bringt sie einen Mann mit ... und Venesa merkt bald, dass er der Einzige ist, der sie je um ihrer selbst willen gesehen hat. Es gibt nur ein Problem: Sie kann ihn niemals haben. Enzo Marino ist tagsüber ein reicher Geschäftsmann und nachts ein Fürst der Unterwelt. Als Unterboss eines berüchtigten Mafia-Syndikats untersteht er niemandem außer seinem Vater, dem mächtigsten Don im Nordosten. Als er mit der Heirat beauftragt wird, überlegt Enzo nicht lange.  Bis er die Cousine seiner Verlobten kennenlernt. Venesa ist all das, was er sich nie gewünscht hat, und verzaubert ihn mit ihrer sinnlichen Stimme und ihren geschmeidigen Kurven. Aber Enzo hat schon vor langer Zeit gelernt, dass das Leben für einen Mann wie ihn besser ist ohne die Dinge, die er will. Doch als die Versuchung ihr Sirenenlied singt, müssen sich beide entscheiden, was wichtiger ist: die Pflicht gegenüber ihren Familien oder eine verbotene Liebe, die nie hätte sein sollen. Hexed ist ein düsterer Liebesroman und der sechste, unabhängig lesbare, Teil der Never-After-Serie: einer Sammlung von gebrochenen Märchen, in denen die Bösewichte die Helden sind. Es handelt sich nicht um eine Nacherzählung. Hexed enthält Themen und Inhalte, die möglicherweise nicht für alle Leser:innen geeignet sind. Alle Warnhinweise zum Inhalt findet ihr auf der Webseite der Autorin.

Emily McIntire ist eine internationale Bestsellerautorin und bekannt dafür, Bösewichten in ihren Büchern Happy Ends zu geben. Wenn sie nicht gerade schreibt, kann man sie dabei ertappen, wie sie auf ihren verlorenen Brief aus Hogwarts wartet.


»Denkst du je über den Tod nach?«

Es ist eine einfache Frage, aber der Mann, der – an den Holzstuhl der Hotelsuite gefesselt – unter mir sitzt, antwortet nicht. Stattdessen rutscht er hin und her, die Beule in seiner Hose stößt zwischen meine Schenkel. Ich lasse die Finger am Kragen seines Abendhemdes entlang und unter seine schmale, schwarze Krawatte gleiten, und während ich mich vorbeuge, streife ich seinen Oberkörper mit der Brust, und mein Atem trifft auf seine Ohrmuschel.

Sein Körper zittert.

Meiner hingegen versucht, voller Abscheu zurückzuweichen.

Meine Lippen berühre ihn beinahe, aber diesen letzten Millimeter überbrücke ich nicht. Schließlich ist mein Lippenstift rot, und ich darf keinen Beweis meiner Anwesenheit auf seiner Haut hinterlassen.

»Was?«

»Du hast mich gehört«, wispere ich und verstärke den Griff um seinen Schlips, während meine andere Hand jetzt auf seiner Schulter ruht.

»Ob ich über den …Tod nachdenke?« Er senkt den Blick und mustert meinen Busen mit seinen braunen Augen. Mein Kleid ist tief ausgeschnitten und meine Brüste groß, und ich benutze beides, um ihn abzulenken.

Männer sind so simpel.

Ich rutsche hin und her und verlagere mein gesamtes Körpergewicht auf seinen Schoß. Er stöhnt auf und sein Kopf fällt zurück, ob vor Qual oder Vergnügen weiß ich nicht. Wenn er mich nicht darum gebeten hätte, ihm die Hände hinter dem Rücken zu fesseln, würde er mich jetzt vermutlich so fest an der Taille packen, dass er blaue Flecke hinterlässt.

Zu meinem Glück hat Joey hier ein Faible für Fesselspiele.

Ich sehe mich in seiner Präsidentensuite um.

Wir befinden uns mitten im Wohnzimmer. Direkt nach meiner Ankunft habe ich den Stuhl umgestellt und ihn angelächelt, als er mich darum bat, ihn mit seinem mitgebrachten schwarzen Seil zu fesseln. Joey glaubt, ich wäre gekauft und bezahlt, aber in Wahrheit bin ich noch so viel mehr.

Vor uns steht ein großes, braunes Ledersofa, das zum Flachbildschirmfernseher hin ausgerichtet ist, und hinter ihm befinden sich Fenstertüren zum Hauptschlafzimmer. Sie stehen offen und geben den Blick frei auf ein Doppelbett mit kleinen, eingeschweißten Minzschokolade-Quadraten auf flauschigen, weißen Kissen mit dem Logo des Marino-Hotels mitten darauf.

Joey verbringt nichtwirklich die Nacht hier, und das sieht man daran, wie unberührt dieser Raum ist. Das Hotel ist einfach nur ein netter Ort, um ein paar seiner dunkleren Sehnsüchte heimlich auszuleben.

So wie mich.

Auch wenn ich bezweifle, dass er je mit einem solchen Streich gerechnet hätte.

Grinsend zerre ich ihn vorwärts, soweit das seine Fesseln erlauben.

»Genau das«, sage ich gedehnt. »Tod.«

»Nicht besonders.« Er zögert. »Du etwa?«

»Die ganze Zeit.«

Es ist das Aufrichtigste, das ich ihm heute Abend sagen werde.

Er runzelt die Stirn. »Ich habe dich nicht hierhergeholt, um über solche kranken Sachen zu sprechen. Und jetzt setz deine Lippen gefälligst sinnvoll ein.«

»Mmm«, murmele ich und lasse seine Krawatte los, sodass er gegen den Stuhl sinkt. »Und ich hatte gedacht, dass wir uns hier amüsieren würden.«

Sein Körper zuckt so abrupt unter mir, dass ich auf und ab hüpfe.

Langsam zieht sich ein Lächeln über mein Gesicht. »Geht es dir gut? Du wirkst ein bisschen aufgewühlt, mein Lieber.«

Er dreht das Gesicht zur Seite, seine geröteten Wangen werden sogar noch fleckiger. »Mir geht es gut.«

»Wenn du das sagst.«

Es geht ihmnicht gut, aber ich werde ihm noch ein paar Minuten geben, damit er es selbst merkt.

Ich fahre mit den Fingern über mein entblößtes Schlüsselbein und lasse sie in meinem Dekolleté verschwinden, wo ich ein Taschenmesser in meinem BH versteckt habe, und ich spüre seine Anwesenheit so deutlich, als würde das Metall an meiner blassen Haut vibrieren. Normalerweise stehe ich absolut auf Gift bis zum bitteren Ende – es ist kunstvoller, macht mehrSpaß – aber die Anweisungen für diesen Auftrag waren unmissverständlich.

»Was machst du da?« Wieder zuckt er, und diesmal wölbt sich sein Hals krampfhaft.»Verdammt.«

Ich drehe seine Wange wieder zu mir und klopfe mit den Fingerspitzen darauf. »Schsch. Nicht sprechen, Darling.«

»Es reicht mit den Kosenamen«, faucht er.

Ich lächele.

Er ist wirklich ziemlich erbärmlich, wenn er aufgebracht ist.

Beklommenheit huscht über sein Gesicht, und sein Bein zuckt und stößt mich vorwärts, bis meine Brüste an seinen Brustkorb gepresst werden.

»Bin-binde mich los«, stottert er.

Ich ziehe das Messer heraus und lasse es aufspringen, bevor ich mit meinen blutroten Nägeln über die scharfe Klinge fahre. »Joey, meinLieber, es steht dir jetzt nicht wirklich zu, Forderungen zu stellen.«

»Binde mich los, du Miststück«, wiederholt er. »Sofort. Weißt du, wer zum Teufel ich bin …«

Er verstummt mitten im Satz, als ein weiteres Zittern ihn erbeben lässt, und ich nutze die Gelegenheit und fahre ihm mit der Metallschneide über die Wange und den Adamsapfel, bevor ich sie am Ansatz seiner Kehle ruhen lasse.

»Vorsicht mit diesem dreckigen Mundwerk«, säusele ich und drücke auf den Messergriff. »Du törnst mich an.«

Er zieht an seinen Fesseln und will zweifellos fliehen, aber das wird ihm nicht gelingen. Als ich fünfzehn war, hat mein Onkel mir beigebracht, wie man diese Knoten knüpft, und seitdem habe ich eine Menge praktische Erfahrung gesammelt. Dennoch verändert die Bewegung den Winkel der Klinge, und ein dunkelroter Blutstrom läuft ihm den Nacken hinunter.

Seine Beine krampfen erneut, und ich schwanke leicht auf seinem Schoß.

»Ich fürchte, deine kleinen … Muskelkrämpfe werden nur noch schlimmer werden, Liebling.«

»Wa-was?«, stottert Joey.

Ich sehe ihn voller Mitleid an. »Wegen dem Strychnin, mit dem ich deinen Drink versetzt habe, als du dein Gesicht an meine Brüste gedrückt hast.«

Seine Atmung beschleunigt sich, bis er um Luft ringt.

Wie aufs Stichwort.

Du kannst dich nie auf einen Mann verlassen, aber dafür immer auf das Gift, das ihn umbringt – oder wie auch immer diese Redewendung lautet.

»Ich weiß nicht, ob du dich jemals mit der Schönheit von Giften beschäftigt hast.« Prüfend sehe ich ihn an. »Wahrscheinlich nicht. Ganz ehrlich, das ist eine vergessene Kunst. Die die Menschen nicht mehr zu schätzen wissen. In meinen Zaubertränken liegt Schönheit.« Ich halte inne und grinse selbstzufrieden. »So nennt mein bester Freund zu Hause meine kleinen Zubereitungen –Zaubertränke, als wäre ich irgendeine Hexe, die dir deine Seele stehlen möchte.«

»Ver… verdammt …«

»Rein technisch gesehen liegt er damit wohl nicht falsch«, sage ich zu mir selbst und blicke dann mit geneigtem Kopf wieder Joey an. »Die Nachtgöttin Nyx wartet schon ungeduldig auf ein Opfer, und auch wenn sie verbrannte und vergrabene Tiere bevorzugt, kann ich mich nie dazu überwinden, ihnen wehzutun, also müssen Menschen dafür genügen.«

Jetzt verarsche ich ihn einfach. Auch wenn ich tatsächlich unheilvolle Magie ausübe, opfere ich den Göttern nicht wirklich Lebewesen. Das tun die wenigsten Hexen.

»Du bist eine ver… verdammte … Ir… Irre.«

Mit einem Seufzen ziehe ich das Messer zurück. »Liebling, ich habe dir doch gesagt, dass du nicht deinen Atem verschwenden sollst. Wenn ich hier bin, dann nur deshalb, weil du einen Pakt mit dem Teufel eingegangen bist, und du kann nichts tun, um dich zu retten.«

»Ich habe ni-nichts getan.«

»Oh, mein Lieber, ich glaube dir ja, tatsächlich, aber du weißt doch, wie es in diesem Geschäft läuft.« Ich winke ab. »Es ist besser, wenn ich nicht wirklich über die Einzelheiten Bescheid weiß.«

Inzwischen zittert sein gesamter Körper und zuckt unkontrollierbar, während er nach Atem ringt.

Ganz ehrlich wird diese ganze Angelegenheit für meinen Geschmack allmählich ein bisschen ermüdend, und ich fange an, mich zu langweilen.

»Hilft es dir, wenn...