: Emily McIntire
: Crossed Roman | Die Dark-Romance Booktok-Sensation endlich auf Deutsch!
: between Pages by Piper
: 9783377902443
: Never After
: 1
: CHF 4.50
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: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Er ist Rechtschaffenheit. Sie ist die Sünde. Pater Cade Frédéric ist ein heiliger Mann. Aufgewachsen in den Straßen von Paris, hat er sein Leben der Kirche gewidmet. Doch unter der Oberfläche lauert ein Ungeheuer. Eine Krankheit. Eine, die in Dunkelheit blutet und sich von den Verdammten ernährt. Als er den Auftrag erhält, Priester in Festivalé, Vermont, zu werden, einer Stadt, die sowohl durch ihre schöne Architektur als auch durch ihre Verzweiflung geprägt ist, singt seine Krankheit und verlangt, dass er den Ort vom Bösen befreit. Amaya Paquette ist das schöne Geheimnis von Festivalé. Sie verbringt ihre Tage damit, sich um ihren jüngeren Bruder zu kümmern, und ihre Nächte damit, sich in Esmeralda zu verwandeln und für gierige Augen und schamlose Lippen zu tanzen. Obwohl sie sich nach Liebe sehnt, scheut sie die Gesellschaft, weil sie Angst hat, wieder verlassen zu werden. Als Pater Cade Amaya erblickt, ist er gefangen und überzeugt, dass sie ihn mit Hexerei zu sich lockt. Er kann nicht essen. Kann nicht atmen. Er kann nicht denken, außer an sie. Und die Versuchung ist eine verheerende Geliebte. Sie ist seine Schwäche, also beschließt er, sie zu vernichten ... selbst wenn das bedeutet, die einzige Frau zu töten, die er jemals lieben könnte. Crossed ist ein düsterer Liebesroman und der fünfte, unabhängig lesbare, Teil der Never-After-Serie: einer Sammlung von gebrochenen Märchen, in denen die Bösewichte die Helden sind. Es handelt sich nicht um eine Nacherzählung und nicht um Fantasy. Crossed enthält Themen und Inhalte, die möglicherweise nicht für alle Leser:innen geeignet sind. Alle Warnhinweise zum Inhalt findet ihr auf der Webseite der Autorin.

Emily McIntire ist eine internationale Bestsellerautorin und bekannt dafür, Bösewichten in ihren Büchern Happy Ends zu geben. Wenn sie nicht gerade schreibt, kann man sie dabei ertappen, wie sie auf ihren verlorenen Brief aus Hogwarts wartet.

Festivalé in Vermont sieht zu nachtschlafender Zeit anders aus.

Es ist eine dreckige Kleinstadt.

Schmutzig. Voller Dunkelheit.

Mein Vorgesetzter hat mich hierhergeschickt, um das historische Gebiet wiederzubeleben. Um es zurück auf den Pfad der Rechtschaffenheit zu führen, auf dem es schon so lange nicht mehr wandelt.

Als ich vorhin hier angekommen bin, verspürte ich einen Anflug von Nostalgie. Ich saß auf dem Beifahrersitz des SUV, der langsam durch die Straßen rollte, die Architektur im französischen Kolonialstil erinnerte mich an meine Kindheit – wie ich in den finsteren Seitengassen von Paris aufwuchs, um Reste bettelte und klaute, nur um etwas zu essen zu haben und zu überleben.

Diese Kleinstadt trieft vor Sünde, ganz ähnlich wie Paris, auch wenn ihr dessen Finesse fehlt.

Anstatt seine eigentlich so reichhaltige Tradition zu pflegen, geprägt von der Zeit, als Vermont im achtzehnten Jahrhundert noch zu Neufrankreich gehörte, wirkt Festivalé wie eine Karikatur. Eine absurde Ode an einen verlorenen Ort. Der Name der Stadt ist nicht einmal richtiges Französisch.

Wenn ich ein hoffnungsvoller Mann wäre, würde ich dennoch durch die staubigen Fenster blicken und Potenzial erkennen. Aber die Luft wird vom Bösen verpestet, das sie stickig und zäh macht, eine dunkle Wolke, die das Tal bedeckt und in allem, was sie berührt, Krankheit hervorruft. Ich kann es mit jedem Inhalieren riechen. Mit jedem Atemzug schmecken. Ein Teil von mir macht sich Sorgen, dass auch ich mich anstecken könnte, aber ich schiebe den Gedanken schnell beiseite und spüre, wie sich meine Abwehrkräfte verstärken, bis sie so solide wie Stahl sind.

Ich weiß nicht genau, wie spät es jetzt ist, nur dass ich schon vor Stunden hier angekommen bin und es kurz vor Mitternacht war, als ich mein neues Zuhause verließ. Es war gar nicht meine Absicht gewesen, mich schon so bald nach meiner Ankunft hinauszuwagen, aber ein vertrautesBedürfnis stieg in mir auf, das ich zu ignorieren versuche.

Und ich bin nur ein Mensch.

Wenn sich meine eigene Krankheit … mein eigenes krankes Sein manifestiert, kann ich mich seiner Sogwirkung nicht erwehren.

Il est miséricordieux.

Er ist barmherzig.

Die Luft ist kühl heute Nacht, und ich eile über die aufgeplatzten Bürgersteige und durch die Seitengassen, ein Anflug von Frost zupft mir an der Nase und den Ohrenspitzen, bis sich ein brennendes Taubheitsgefühl darin ausbreitet. Ich neige den Kopf, der Kragen meiner schwarzen Wolljacke scheuert mir am Hals, während ich durch den vermutlich rauesten Teil der Stadt gehe.

Der Vollmond wirft ein gespenstisches Licht auf die ruhigen Straßen, meine Schritte hallen durch die Stille.

Auf einmal öffnet sich eine Tür zu meiner Linken, gelbes Licht fällt durch den Eingang und betont die Silhouette einer Frau. Ihre Stimme wird von den zerfallenden Backsteinhäusern mit verrottenden Platten und Scherben anstelle von Fenstern zurückgeworfen.

Ich zögere und runzele unter der breiten Krempe meines Hutes die Stirn, während sie den Hausaufgang verlässt und auf mich zu geschlendert kommt. Ich mustere die Umgebung. Außer uns ist niemand hier draußen.

Sie bleibt direkt vor mir stehen und sieht mir mit verschleiertem Blick in die Augen, die Pupillen geweitet, sodass ihre Augen so schwarz wie Kohle wirken.

Mir sinkt der Magen.

Une démone.

Eine Dämonin.

»Sie sind neu hier«, säuselt sie. Ihre Stimme ist auf eine geübte Art heiser, an der sie garantiert gefeilt hat, um den Schwanz eines Mannes zum Zucken zu bringen und seine niederen Instinkte aufsteigen zu lassen. Aber ich habe schon seit Jahren kein sexuelles Bedürfnis mehr einer Frau gegenüber verspürt.

Abscheu macht sich in mir breit, und eine Stimme in meinem Kopf flüstert, aber ich versuche, die bösen Gedanken zu ignorieren. Ich bin nicht nach draußen gegangen, um meinen Impulsennachzugeben, sondern nur, um meine Psyche davon zu reinigen.

Ich starre auf sie hinunter, überrage ihren drahtigen Körper, auch wenn sie wahrhaftig nicht klein ist. Ein eisiger Windstoß fegt mir übers Gesicht, und ich beiße die Zähne zusammen, damit sie nicht anfangen zu klappern.

Über die entblößte cremefarbene Brust der Frau zieht sich eine Gänsehaut, und sie tritt von einem Fuß auf den anderen, wobei unter ihren Füßen Blätter knirschen.

Sie streckt die Hand aus und fährt damit über das Revers meines schwarzen Mantels, und lässt mich in Bewegung geraten. Meine behandschuhten Hände schnellen hervor, um ihre Finger fest zu packen. Ein überraschtes Keuchen entschlüpft ihren liederlichen roten Lippen.

»Wie heißt du,Démone?«, krächze ich.

Der schockierte Ausdruck auf ihrem Gesicht weicht und macht einem Anflug von Neugier Platz.

»Das nenne ich mal einen Akzent.« Sie tritt näher heran. »Sie können mich nennen, wie auch immer Sie wollen, solange Sie zahlen können, Baby. Bar oder … oder Heroin, wenn Sie welches haben.«

Mein krankes Sein singt.

Und bevor ich es zurückdrängen kann, explodiert mein Monster, meine Krankheit – dieseskranke Sein – und zieht sich mir durch Mark und Bein, bis es schmerzt.

Ich lasse das Handgelenk der Frau los und nicke ihr kurz zu.

Ihr Grinsen wird breiter, bis es die Ecken ihres eingefallenen Gesichts erreicht. »Folgen Sie mir.«

Sie dreht sich um und kehrt zur offenen Tür zurück, und ich sehe mich noch ein letztes Mal um, ob uns wirklich niemand sieht.

Immer noch allein.

Ihre Unterkunft ist klein und verdreckt. Nur ein einziges Zimmer mit einer schmutzigen Matratze auf dem Fußboden und einer Lampe ohne Lampenschirm, die in der Ecke flackert. Das Bett selbst ist voller Flecken, und ich kann riechen, wie die gottlosen Paarungen die Luft erfüllen, die so dick ist, dass ich das Gefühl habe, nicht atmen zu können.

Vor Jahren hätte ich sie um diesen Raum beneidet. Ich hätte mich nach einer Matratze unter mir und einem Dach über dem Kopf in der Nacht gesehnt.

Aber das war früher.

Die Frau dreht sich zu mir um, und ich bemerke die Pockennarben, die sich über ihr ausgemergeltes Gesicht verteilen, eine wilde Verzweiflung in den Tiefen ihrer Gesichtszüge, die versucht,meine Energie mit ihren schemenhaften schwarzen Klauen einzufangen.

Der Mann in mir will weggehen, aber das Monster ruft sie näher heran.

Ihre knochigen Hüften schwingend schlendert sie zu mir, und irgendetwas Saures zieht an meinen Mundwinkeln, während ich zusehe, wie sie versucht, ihren unterernährten Körper verführerisch erscheinen zu lassen. Sie lässt die Hand über meinen Wollmantel gleiten und öffnet langsam die Knöpfe. Ich lasse es zu, und als der Stoff aufklafft, bleibt ihr Blick an dem unverkennbaren Kragen um meinen Hals hängen, und sie reißt die Augen auf, während sie ruckartig den Kopf hebt, um mir in die Augen zu sehen.

Sie zuckt zurück, aber ich packe sie so fest, dass es blaue Flecken geben wird, und ziehe sie an mich heran.

»Le diable est à l’intérieur de toi«, zische ich.

Sie schüttelt den Kopf. »Ich verstehe nicht … Ich weiß nicht, was das bedeutet.«

Ich beuge mich hinunter, bis ich ihr in die struppigen, zerzausten Haar flüstern kann. »Es bedeutet, dass der Teufel in dir steckt.«

Dann lasse ich die Hände ihre Arme hochgleiten, bis ich sie um ihre zerbrechliche Kehle legen kann. Ihr Herz schlägt so laut, dass ich es durch das Leder meiner Handschuhe spüren kann. In meinem Magen explodiert die Aufregung wie eine kleine Bombe, und jetzt zuckt mein Schwanzdoch.

Es ist mir egal, dass sie offensichtlich eine Sexarbeiterin ist. Es ist nicht das, was sietut, was mein Monster auf den Plan ruft, sondern das, wasin ihr ist. Ich möchte sie nur von ihren Dämonen befreien.

»Mach dir keine Sorgen, mein Kind«, fahre ich fort. »Ich bin gekommen, um dir zu helfen.«

Und dann drücke ich zu, quetsche ihre empfindliche Luftröhre zusammen. Die Ärmel meines Mantels verrutschen bei der Bewegung, und sie bohrt ihre Fingernägel in meine entblößten ...