„Seit Menschengedenken, sagen diese hochweisen Herren, habe es Kriege gegeben, also müsse es auch ferner Kriege geben, so lange die Menschen eben Menschen sind, und es könnten auch in den spätesten Zeiten Menschen ohne Kriege gar nicht gedacht werden. – Dieses Argument … hieße, alle Fortschrittsfähigkeit der Menschheit in Abrede stellen“ (Moritz Adler 1868; →S. 40).
„Bösen Dämonen vergleichbar, in fürchterlicher Mannigfaltigkeit aufgestapelt, starren sie uns überall entgegen, die kleinen, die zierlichen Mordmaschinen bis zu den plumpen Ungetümen, deren einmalige Benützung (?!) ein Vermögen verschlingt und Hunderte von Menschenleben und mit saurem Fleiß erworbene Güter begräbt“ (Moritz Adler 1893; →S. 185).
Schon immer – seit Urzeiten, so verkünden es mit stolzem Selbstbewusstsein die akademischen oder autodidaktischen Militärphilosophen, sei der ‚Krieg‘ notwendiger Bestandteil der menschlichen Geschichte gewesen, und Kants Programm eines immerwährenden Friedens werde nie mehr sein als ein Hirngespinst. Doch seit dem 19. Jahrhundert hat sich in rasanten Schritten eine qualitativ wie quantitativ völlig neuartige Entwicklung hin zum Totalen Krieg vollzogen. Im Nordamerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865 etwa zeigte der moderne,industriell geführte Krieg bereits vor aller Welt seine abgründige Fratze. Die jedes Vorstellungsvermögen übersteigende Optimierung der Vernichtungsmethoden sowie die Instrumentalisierung aller Sektoren und Ressourcen des gesellschaftlichen Lebens für den Totmach-Apparat der hunderttausendfachen Menschenschlächtereien1 bewirkten bei den ‚Lenkern‘ der Völkerwelt keine nachhaltige Erschütterung. Die klügsten Köpfe unserer Gattung wissen nicht erst seit der Bombe über Hiroshima, dass sich die Beibehaltung der militärischen Heilslehre mit einem Fortbestehen des ‚homo sapiens‘ nicht vereinbaren lässt. Es gilt aber bis zur Stunde: ‚Geist‘ und ‚Macht‘ bleiben getrennt.
1868 ist in Österreich Moritz Adler als scharfer Kritiker der Institution des Krieges, des – besonders extrem in Preußen2 waltenden – Militarismus, der Hochrüstung und der Allgemeinen Wehrpflicht hervorgetreten. Sein zunächst anonym veröffentlichtes Votum für eine neue Friedensordnung auf der Grundlage eines ‚Europäischen Staatentribunals‘ weist ihn als einen wirklichen Pionier des neueren (Rechts-)Pazifismus im deutschsprachigen Raum aus. Erst 1889 – also zwei Jahrzehnte später – erschien Bertha von Suttners Roman: „Die Waffen nieder!“ Die Gründung der Österreichischen Friedensgesellschaft erfolgte dann im Jahr 1890.
Viel ist aus der vorliegenden Literatur über Persönlichkeit und Werdegang von Moritz Adler nicht zu erfahren. Geboren wurde er am 3. September 1831 in Habern/Böhmen; für den Geburtsort sind keine archivarischen Nachweise zu Trägern des Namens ‚Adler‘ im Zeitraum 1790-1844 überliefert.3