Die Erziehenden Familien.
Wochenblatt für Selbstbildung und die Bildung Anderer.
Sonnabend – 2 – den 14. Jenner 1826.
herausgegeben von Friedrich Wilhelm August Fröbel.
Seht die Lilie in dem Garten! Von dem Schoß der Erde still genährt, Aufgezogen von dem Sonnenlicht, steigt sie freudig ungehemmt empor von des Gärtners Auge wohl behütet, und erblüht in eigner lichter Schön' so die Seelenpflanz' im Garten Gottes, so der Mensch in der Familie: Er steht in der Hut des höchsten Wächters, Der ihm gleich zwei Engel zugesandt.
Ahnt die Mutterliebe diese Sendung, Nährt und pflegt sie so das teure Pfand, kann vom hellen Vaterblick begleitet Und von seiner Sorgfalt treu bewahrt Frei entfallen sich der Himmelsspross: Dann wird er entknospen und erblühen schöner als des Gartens Lilie, Und wird zeugen von dem Geist des Vaters, Den zu offenbaren er gesandt, Wie er uns so hell entgegen leuchtet in dem Tempel auf dem Jesuskind.
Der erziehenden Familien Überzeugung von dem Wesen und der Bestimmung des Menschen und von der Möglichkeit der Erreichung und Darstellung derselben im Leben.
Nichts ist für jede Familie, ist für eine, besonders durch das Band der Natur zu einem Schönen Kranze verbundene Mehrheit von Familien, die ihre, unmittelbar durch ihr Dasein ihnen gegebene Bestimmung und ihren Beruf: — erziehend zu sein, in sich erkennen, wichtiger, als reiner Einklang, innigste Einigung und Einheit in und unter der Gesamtheit ihrer Glieder in Beziehung auf die für die Menschen höchste und wichtigste Erkenntnis und Einsicht von dem Wesen und der Bestimmung des Menschen. Nichts ist wichtiger, als dass diese Einheit sich gleich ausspreche, gleich herrsche und wirksam Sei, wie in der ganzen Familie, so in den einzelnen Gliedern derselben, auf und in welcher Stufe der Entwicklung, des Alters und Geschlechtes sie auch stehen: sei es nun nur in deren stillen und unbewussten Lebensäußerungen, oder in dem lauten Ausdrucke verschiedener Grade der Lebensempfindungen und des Lebensbewusstseins. Aber darum ist es auch erhebend und hocherfreulich, dass, ganz in dem Maße, als inniges Einverständnis unter allen Familiengliedern in Beziehung auf die Erkenntnis und Darlegung des Wesens des Menschen hochwichtig ist, auch das Durchdrungensein von dem Wesen des Menschen in dem Gesamt- und Einzeltun der Familie in jedem Gliede derselben sich leicht ausspricht und gegenseitig kund tut, von den Stufen der Empfindung des reinen Lebens an, nur dadurch, dass das Wesen, der Geist des Menschen ungehindert und freitätig in ihnen wirke. bis zum Bewusstwerden und Einsehen, zuerst nur, dass sie es als hohes, reines und klares Leben in sich empfinden und wahrnehmen, und dann das Gefühl und die Empfindung desselben zum Wissen und Bewusstsein erheben, und als solches darstellen. Denn in dem Lächeln, dem Tätigkeits- und Lebenstriebe des Kindes, in seinem Fragen und Tun, in der Freude und Luft, in dem Bildungstriebe und Schaffen des Knaben, in dem Sehnen und Hoffen, in dem Streben, dem Gestalten und Bauen des Zöglings, in dem Denken und Tun des Mannes, in der Klarheit, dem Wissen und der Lehre des Greises, in dem männlichen Leben und Streben nach Hervorforderung, Erkenntnis und Durchleuchtung, wie in dem weiblichen Sehnen nach Bildung, Gestaltung und Belebung: überall spricht sich ein Geist. Ein Sinn und ein Leben aus.
Aber was ist denn nun der Beziehungs-, Einigungs- und Brennpunkt aller diese