: Friedrich Fröbel
: Matthias Brodbeck
: Die erziehenden Familien Wochenblatt für die Selbstbildung und die Bildung Anderer
: Books on Demand
: 9783759756695
: Frühe Schriften zur Fröbelpädagogik
: 1
: CHF 7.00
:
: Pädagogik
: German
: 184
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Jahre 1826 erschien das literarische Hauptwerk Friedrich Fröbels,'Die Menschenerziehung'. Im selben Jahr - 14 Jahre vor der Gründung des ersten Kindergartens - veröffentlichte er zwischen Januar und April eine Zeitschriftenreihe in 16 Heften, welcher er den Namen'Die erziehenden Familien' gab. Man konnte nun auf zehn Jahre Erfahrung in und mit der'Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt' Keilhau verweisen. Die erziehenden Familien geben einen Einblick in die Gedankenwelt des Schulmannes Friedrich Fröbel und punktuell auch in die praktische Umsetzung seines Denkens. Sie sind aber auch als ein Bild der Keilhauer Anstalt in ihren frühen Jahren anzusehen. Die erziehenden Familien - das waren anfänglich Friedrich Fröbel, seine Ehefrau Wilhelmine Henriette, weitere Mitglieder des Fröbelschen Familienkreises sowie seine Freunde Wilhelm Middendorff, Heinrich Langethal und der etwas später dazugestoßene Johannes Arnold Barop, ergänzt durch Zöglinge aus dem Fröbelschen Familienkreis sowie einen Bruder Heinrich Langethals. Dies hatte sich freilich 1825 geändert - weitere Lehrer und Zöglinge waren hinzugekommen, unter ihnen auch zwei Nachkommen aus dem Familienkreis des Reformators Martin Luther aus Möhra nahe Bad Salzungen. Die erziehenden Familien waren darüber hinaus der Ausdruck des Bekenntnisses Friedrich Fröbels zur Bedeutung der Familie für die Bildung, Erziehung und Entwicklung eines jeden Kindes - auch im Kontext zur institutionell organisierten Bildung und Erziehung des Schulwesens.

Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782-1852) ist weltweit als Begründer der Kindergarten-Idee bekannt. Sein besonderes Verdienst besteht darin, die Bedeutung der frühen Kindheit nicht nur erkannt, sondern durch die Schaffung eines Systems von Liedern, Beschäftigungen und Spielgaben die Realisierung dieser Erkenntnisse vorangetrieben zu haben. Darüber hinaus machte er sich auch um die Schulpädagogik und Berufsausbildung - speziell für Frauen - verdient, wirkte als Publizist und wird von manchem als ein Inspirator der Kunst und Architektur der Moderne gesehen. Seine Lebenszeit, umrahmt von der Französischen Revolution und der bürgerlich - demokratischen Revolution in Deutschland, war in Europa durch die geistigen Strömungen der Aufklärung und der Romantik gekennzeichnet. Die aufklärerische Welthaltung war geprägt von aktiver Weltaneignung, das Credo der Romantik war die Hinwendung zur Innerlichkeit. Fröbel gelang es wie kaum einem anderen, diese scheinbar widerstreitenden geistigen Tendenzen in Einklang zu bringen. Lernen und Entwicklung hieß für ihn, der Mensch solle Inneres äußerlich und Äußeres innerlich machen, also zur Lebenseinigung finden. Dies war einer der festen Orientierungspunkte all seines pädagogischen Denkens, Schaffens und Wirkens.

Die Erziehenden Familien.

Wochenblatt für Selbstbildung und die Bildung Anderer.

Sonnabend – 2 – den 14. Jenner 1826.


herausgegeben von Friedrich Wilhelm August Fröbel.

Seht die Lilie in dem Garten! Von dem Schoß der Erde still genährt, Aufgezogen von dem Sonnenlicht, steigt sie freudig ungehemmt empor von des Gärtners Auge wohl behütet, und erblüht in eigner lichter Schön' so die Seelenpflanz' im Garten Gottes, so der Mensch in der Familie: Er steht in der Hut des höchsten Wächters, Der ihm gleich zwei Engel zugesandt.

Ahnt die Mutterliebe diese Sendung, Nährt und pflegt sie so das teure Pfand, kann vom hellen Vaterblick begleitet Und von seiner Sorgfalt treu bewahrt Frei entfallen sich der Himmelsspross: Dann wird er entknospen und erblühen schöner als des Gartens Lilie, Und wird zeugen von dem Geist des Vaters, Den zu offenbaren er gesandt, Wie er uns so hell entgegen leuchtet in dem Tempel auf dem Jesuskind.

Der erziehenden Familien Überzeugung von dem Wesen und der Bestimmung des Menschen und von der Möglichkeit der Erreichung und Darstellung derselben im Leben.

Nichts ist für jede Familie, ist für eine, besonders durch das Band der Natur zu einem Schönen Kranze verbundene Mehrheit von Familien, die ihre, unmittelbar durch ihr Dasein ihnen gegebene Bestimmung und ihren Beruf: — erziehend zu sein, in sich erkennen, wichtiger, als reiner Einklang, innigste Einigung und Einheit in und unter der Gesamtheit ihrer Glieder in Beziehung auf die für die Menschen höchste und wichtigste Erkenntnis und Einsicht von dem Wesen und der Bestimmung des Menschen. Nichts ist wichtiger, als dass diese Einheit sich gleich ausspreche, gleich herrsche und wirksam Sei, wie in der ganzen Familie, so in den einzelnen Gliedern derselben, auf und in welcher Stufe der Entwicklung, des Alters und Geschlechtes sie auch stehen: sei es nun nur in deren stillen und unbewussten Lebensäußerungen, oder in dem lauten Ausdrucke verschiedener Grade der Lebensempfindungen und des Lebensbewusstseins. Aber darum ist es auch erhebend und hocherfreulich, dass, ganz in dem Maße, als inniges Einverständnis unter allen Familiengliedern in Beziehung auf die Erkenntnis und Darlegung des Wesens des Menschen hochwichtig ist, auch das Durchdrungensein von dem Wesen des Menschen in dem Gesamt- und Einzeltun der Familie in jedem Gliede derselben sich leicht ausspricht und gegenseitig kund tut, von den Stufen der Empfindung des reinen Lebens an, nur dadurch, dass das Wesen, der Geist des Menschen ungehindert und freitätig in ihnen wirke. bis zum Bewusstwerden und Einsehen, zuerst nur, dass sie es als hohes, reines und klares Leben in sich empfinden und wahrnehmen, und dann das Gefühl und die Empfindung desselben zum Wissen und Bewusstsein erheben, und als solches darstellen. Denn in dem Lächeln, dem Tätigkeits- und Lebenstriebe des Kindes, in seinem Fragen und Tun, in der Freude und Luft, in dem Bildungstriebe und Schaffen des Knaben, in dem Sehnen und Hoffen, in dem Streben, dem Gestalten und Bauen des Zöglings, in dem Denken und Tun des Mannes, in der Klarheit, dem Wissen und der Lehre des Greises, in dem männlichen Leben und Streben nach Hervorforderung, Erkenntnis und Durchleuchtung, wie in dem weiblichen Sehnen nach Bildung, Gestaltung und Belebung: überall spricht sich ein Geist. Ein Sinn und ein Leben aus.

Aber was ist denn nun der Beziehungs-, Einigungs- und Brennpunkt aller diese