Kapitel 1: Der Ruf der Seele
Auf diesem Kontinent gab es fünf Hexen.
Sie waren andersartige Wesen mit gewaltigen Kräften, die ihnen das ewige Leben ermöglichten.
Sie waren Frauen, deren überwältigende Kräfte die Grenzen eines jeden Magiers weit übertrafen.
Verborgen im Schatten der Geschichte, wurden sie von allen, die auf diesem Kontinent lebten, als Symbol des Unheils gefürchtet.
Niemals sollte man eine Hexe treffen.
Niemals sollte man einer Hexe Gehör schenken.
Niemals sollte man versuchen, eine Hexe kennenzulernen.
Diese Dinge, von denen unzählige Märchen sprachen, waren wahr. Hexen brachten mühelos das Schicksal der Menschen durcheinander. Ganze Länder vernichteten sie über Nacht.
Aus diesem Grund nannten die Menschen die Ära, die dem langen dunklen Zeitalter folgte ... das Zeitalter der Hexen.
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„Das Zeitalter der Hexen, was? Es wird viel darüber gesprochen, aber ich weiß nicht so recht. Ich denke, die Menschen fürchten sich viel zu viel davor.“
Farsas war ein Land im Zentrum des Kontinents.
Im Arbeitszimmer des dortigen Schlosses hob ein junger Mann den Blick von seiner Arbeit.
Er hatte braunes, beinahe schwarzes Haar und Augen so blau wie der helle Nachthimmel. Seine wohlgeformten Gesichtszüge, denen seine adlige Abstammung anzusehen waren, strahlten von Zeit zu Zeit einen Hauch von Kindlichkeit aus. Dieses Jahr war der Kronprinz zwanzig Jahre alt geworden. Die Frau, zu der er gesprochen hatte, verdrehte die Augen.
„Oscar ... du solltest wenigstens ein bisschen Angst haben. Was denkst du, was Hexen überhaupt sind?“, erwiderte die erschreckend schöne Frau kalt.
Ihr langes Haar war so pechschwarz wie ihre Augen. Ihre schneeweiße Haut in Verbindung mit ihrer Erscheinung ließ sie wie eine Puppe aussehen. Vom Äußerlichen her schien sie etwas jünger als der Mann zu s