1. Kapitel
„Nein, natürlich kannst du nichts dafür, das kann jederzeit passieren.“ Chiara legte ihren Arm um die schluchzende junge Assistenzärztin. Es war an ihr wohl vorbeigegangen, dass der gerichtliche Beschluss für die geschlossene Unterbringung des suizidgefährdeten Patienten verlängert worden war. Die unerfahrene Kollegin hatte ihm die Tür der geschlossenen Station geöffnet. Nun war er natürlich über alle Berge und die Gefahr war sehr groß, dass er sich etwas antat.
Chiara wusste, dass so ein Fehler tödlich sein konnte und es eigentlich nichts zu beschönigen gab. Trotzdem konnte sie nicht anders als diese junge Frau zu trösten, die von Anfang an mit der Arbeit auf der geschlossenen Station hoffnungslos überfordert war. Vielleicht war Chiara auch ein wenig neidisch auf ihre Naivität und die Nachsicht, die sie als neue Mitarbeiterin genoss.
„Wir müssen jetzt sofort bei der Polizei e