: Wolfgang Finze
: Das Wehrmannsgewehr Geschichte, Technik und Hersteller
: Books on Demand
: 9783759711359
: 1
: CHF 8.80
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: Neuzeit bis 1918
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn heute beim Deutschen Schützenbund von Traditions-waffen die Rede ist, ist üblicherweise die klassische Scheiben-büchse, der Feuerstutzen, gemeint. Manchmal wird hier auch der Zimmerstutzen genannt, obwohl gerade diese Waffe beim DSB bestenfalls als Übungswaffe für die Wintermonate geduldet wurde. Dabei gibt es eine Waffe, die, genau wie der Feuer-stutzen, Teil der Traditionen des Deutschen Schützenbundes ist: Das Wehrmannsgewehr. Obwohl heute kaum noch bekannt, markiert diese Waffe den Aufbruch des Schützenbundes in die Moderne, die von interna-tionalen Wettkämpfen und Leistungsvergleichen geprägt ist. Um zu verstehen, wieso das militärisch anmutende Wehr-mannsgewehr zur Tradition des Schützenbundes gehört, ist ein Blick auf die Geschichte des Deutschen Schützenbundes und auf die Entwicklung des Schießsports notwendig, und zwar von 1861 (dem Gründungsjahr des Deutschen Schützenbundes) bis in die Zeit der nationalsozialistischen Umgestaltung des gesamten Schützenwesens. Gestützt auf zeitgenössische Artikel, Akten der Firma Mauser und auf andere zeitgenössische Quellen wird hier die Geschichte des Wehrmannsgewehrs und seines Vorläufers, des Deutschen Schützengewehrs, erzählt. Ebenso werden Details zu den Fertigungszahlen der Hersteller Mauser und Hänel veröffentlicht und auf die Munition der Wehrmannsgewehre eingegangen.

Wolfgang Finze: Jahrgang 1949, Studium der Physik. Aktiver Schütze (auch mit Vorderlader- und Zündnadelgewehren), Verfasser zahlreicher Beiträge in der Zeitschrift VISIER und im VISIER-Special zu Waffentechnik, Waffengeschichte und zur Geschichte des Deutschen Schützenbundes. Vom Verband für Waffentechnik und Geschichte (VdW) bestellter Sachverständiger. Bisher verfasste Bücher zum Themenkomplex Zündnadelgewehre: - Preußische Zündnadelgewehre: Leitfaden für angehende Sammler und Schützen (200 Seiten, ISBN-13: 978-3739201085) -Preußische Zündnadelgewehre in Deutschland 1861 - 1871 und die Aptierung nach Beck: Leitfaden für Sammler (224 Seiten, ISBN-13: 978-3744894135) -Schießen mit preußischen Zündnadelgewehren: Tipps zur Handhabung, Pflege und zur Munition (56 Seiten, ISBN-13: 978-3752812305) -Chassepot-Zündnadelgewehre: Hinweise und Tipps für Sammler und Schützen (124 Seiten, ISBN 978-3752829136) Autor eines Buches und über das bayerische Podewils-Gewehr -Das bayerische auf Rückladung abgeänderte Gewehr M.1858 (Podewils-Gewehr): Tipps für Sammler und Schützen (108 Seiten, ISBN 978-3749478934) Autor von vier Büchern zum Thema Vorderladerschießen - Mit Pulver und Blei - Schießen mit Vorderladergewehren (ISBN-13: 978-3752609615) -Papierpatronen für Musketen und Vorderlader-dienstgewehre (ISBN-13: 978-3754384428) -Steinschloss - Technik und Handhabung (ISBN-13: 978-3756834945) -Europäische Vorderlader-Dienstgewehre und ihre Nachbauten (ISBN-13: 978- 3757882334) Herausgeber der Edition historischer Texte zur Schießpraxis in deutschen Schützenvereinen der Zeit vor 1900. In dieser Edition sind bis jetzt erschienen: -Kommentierte Neuauflagen des von Heinrich Kummer verfassten und 1862 erschienenen Buches"Der praktische Büchsenschütze" (ISBN-13: 978-3848264292) - Neuauflage des von C.C. Beyer verfassten und 1844 erschienenen Buches"Meine Erfahrungen bei dem Scheibenschießen: Eine praktische Anleitung für angehende Scheibenschützen". (ISBN-13: 978-3738622577) - Erfahrungen und Betrachtungen - Ausgewählte Artikel zu Waffentechnik, Munition und Schießpraxis aus der Deutschen Schützen- und Wehrzeitung der Jahre 1872 bis 1881 (ISBN-13: 978-3752876710) Gemeinsam mit Joachim Görtz Autor des Buches -Fremde Gewehre in Deutschen Diensten (108 Seien, ISBN-13: 978-3831146093)

Von 1861 bis zum Ende des 1. Weltkriegs


Schützenvereine und Schützengilden gab es in Deutschland schon im Mittelalter. Nach den Befreiungskriegen, insbesondere aber nach der Revolution von 1848 gewann der Gedanke an einen einheitlichen und starken deutschen Staat auch unter den Schützen immer mehr Anhänger.

Anfang 1861 lud die Altschützengesellschaft Gotha alle deutschen Schützen zu einem großen gemeinsamen Schützenfest in Gotha ein und verschickte dazu einen Aufruf1 an Schützenvereine in ganz Deutschland.

„Getragen von der Idee, daß ein enges Aneinanderschließen der Deutschen nach jeder Richtung hin nottut, und beseelt von dem Gedanken, daß insbesondere die Bildung deutscher Schützenvereine, die Einführung einer gleichmäßigen Schützenwaffe, die richtige Handhabung derselben angestrebt werden muß, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Einigung gefördert wird durch nationale Feste, daß insbesondere das Schützenwesen gehoben werden wird, durch allgemeine Preis- und Wettschießen, durch den persönlichen Verkehr der Schützen aller deutschen Stämme, haben eine Anzahl Männer der Stadt Gotha sich vereinigt zur Veranstaltung eines Deutschen Schützenfestes….“

Das Schützenfest fand vom 08. bis zum 11. Juli im Anschluss an das thüringische Turnfest statt. Die Gothaer Schützen baten Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha im Mai 1861, den Ehrenvorsitz zu übernehmen. Er antwortete2 am 24. Mai:

„Mit umso größerer Bereitwilligkeit komme ich diesem Wunsche entgegen, als der leitende Gedanke zu dem sich endlich ausführbar gewordenen Feste vor Jahren von mir selbst ausging und ich mit allen guten Patrioten freudig eine Zeit begrüße, in welcher unser deutsches Volk jeden Anlaß zur Kundgebung seines Nationalgefühls mit Jubel ergreift und sich im Streben nach erhöhter Kraft des Vaterlandes gerne wetteifernd aus allen Gauen zusammenfindet. Das Gefühl der Mannhaftigkeit des Einzelnen und das Verlangen nach Wehrhaftigkeit des ganzen Volkes durchdringt jetzt die Gesammtheit.“

Wer war dieser Herzog, der hier den Ehrenvorsitz des Thüringer Schützenfestes übernahm und in der Folge großen Einfluss auf die Gründung des Schützenbundes ausübte?

Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (1818 – 1893) war der Regent des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha und gehörte zum europäischen Hochadel. Sein Onkel war König der Belgier, sein jüngerer Bruder Albert mit Königin Victoria von England verheiratet. Ernst II. war mit dem preußischen Kronprinzen Wilhelm (dem späteren Kaiser Wilhelm I.) sehr gut bekannt, wenn nicht so