Von 1861 bis zum Ende des 1. Weltkriegs
Schützenvereine und Schützengilden gab es in Deutschland schon im Mittelalter. Nach den Befreiungskriegen, insbesondere aber nach der Revolution von 1848 gewann der Gedanke an einen einheitlichen und starken deutschen Staat auch unter den Schützen immer mehr Anhänger.
Anfang 1861 lud die Altschützengesellschaft Gotha alle deutschen Schützen zu einem großen gemeinsamen Schützenfest in Gotha ein und verschickte dazu einen Aufruf1 an Schützenvereine in ganz Deutschland.
„Getragen von der Idee, daß ein enges Aneinanderschließen der Deutschen nach jeder Richtung hin nottut, und beseelt von dem Gedanken, daß insbesondere die Bildung deutscher Schützenvereine, die Einführung einer gleichmäßigen Schützenwaffe, die richtige Handhabung derselben angestrebt werden muß, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Einigung gefördert wird durch nationale Feste, daß insbesondere das Schützenwesen gehoben werden wird, durch allgemeine Preis- und Wettschießen, durch den persönlichen Verkehr der Schützen aller deutschen Stämme, haben eine Anzahl Männer der Stadt Gotha sich vereinigt zur Veranstaltung eines Deutschen Schützenfestes….“
Das Schützenfest fand vom 08. bis zum 11. Juli im Anschluss an das thüringische Turnfest statt. Die Gothaer Schützen baten Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha im Mai 1861, den Ehrenvorsitz zu übernehmen. Er antwortete2 am 24. Mai:
„Mit umso größerer Bereitwilligkeit komme ich diesem Wunsche entgegen, als der leitende Gedanke zu dem sich endlich ausführbar gewordenen Feste vor Jahren von mir selbst ausging und ich mit allen guten Patrioten freudig eine Zeit begrüße, in welcher unser deutsches Volk jeden Anlaß zur Kundgebung seines Nationalgefühls mit Jubel ergreift und sich im Streben nach erhöhter Kraft des Vaterlandes gerne wetteifernd aus allen Gauen zusammenfindet. Das Gefühl der Mannhaftigkeit des Einzelnen und das Verlangen nach Wehrhaftigkeit des ganzen Volkes durchdringt jetzt die Gesammtheit.“
Wer war dieser Herzog, der hier den Ehrenvorsitz des Thüringer Schützenfestes übernahm und in der Folge großen Einfluss auf die Gründung des Schützenbundes ausübte?
Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (1818 – 1893) war der Regent des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha und gehörte zum europäischen Hochadel. Sein Onkel war König der Belgier, sein jüngerer Bruder Albert mit Königin Victoria von England verheiratet. Ernst II. war mit dem preußischen Kronprinzen Wilhelm (dem späteren Kaiser Wilhelm I.) sehr gut bekannt, wenn nicht so