: Rainer Gross
: Sapphos Garten Roman
: Books on Demand
: 9783759728418
: 1
: CHF 6.10
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 132
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eigentlich sollte ich zum Thema Unmöglichkeit der Liebe nicht über Alice und mich schreiben, über unsere Trennung und unser Wiederzusammenfinden. Sondern ich sollte über Signora di Ventevegni schreiben, damals in der Villa Levante, die ich immer Sappho nannte und deren Leben mir von einer unmöglichen Liebe erzählte, die ich so noch nie kennen gelernt hatte ...

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie und Literaturwissenschaft und anschließend Theologie an einem christlichen Seminar. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftstel-ler wieder in seiner Heimatstadt. Er wurde 2008 mit dem Glauser-Debüt-Preis ausgezeichnet. Bisher u.a. erschienen: Grafeneck (2007); Weiße Nächte (2008); Kettenacker (2011); Kelterblut (2012); Haus der Stille (2014); Schrödingers Kätzchen (2015); My sweet Lord (2016); Die sechzigste Ansicht des Berges Fuji (2017); Räucherstäbchenjahre (2018); Der Teehändler (2019); Lebkuchenstadt (2020); In La Coruna geht Picasso zu den jungen Stieren (2021); Die erste Nacht des Krieges (2022); Das heiratende Mädchen (2023); Jesus trinkt den Kaffee schwarz (2024); Café im Hof (2024); Abschied in Cork (2024); Es kommt ein Schiff (2024); Anya (2024).

Herrliche Granatapfelbäume, voll mit prallen Früchten, die weißen Blütentrauben des Kyprosstrauchs, aus dem gewinnt man Henna, sagte sie, für meine lieblichen Brüste, und grinste dabei, ein Grinsen, das ich ihr gar nicht zugetraut hätte. Sie wirkte so vornehm, so ganzGrand Dame. Die duftende indischer Narde, Safran, Kalmus und Zimt, Weihrauchbäume, und Myrrhesträucher, Balsam, sagte sie, dies ist ein Balsamgarten. Balsam für die Seele. Die dickfleischigen Triebe der Aloe, Grapefruitbäume, ein kleiner Olivenhain, in dem die Sonne flirrte, Rosenbüsche, Heckenlabyrinthe, ein kleines Wasser sprudelte hindurch und gewann in Kaskaden den Geländeabsatz zum Unteren Garten, wo Pinien und Libanonzedern einen Teich beschatteten voller Iris und Seerosen.

Ein prächtiger Garten, dachte ich nach dem Rundgang. Ein kleines Paradies. En Gedi in Israel fiel mir damals ein, die Oase aus Wasserbecken und Palmen, die sie mitten in der Wüste geschaffen hatten. Und natürlich Eden, ganz diesseits, wo die Immerjungen wandeln, die persischen Königsgärten, alles Mögliche.

Komm, Nordwind, und eile herbei, Südwind!, sagte Sappho schwärmerisch und breitete die Arme aus. Weht durch meinen Garten und tragt den Duft bis in die Berge und ans Meer! Komm in deinen Garten,