: Gudrun Leyendecker
: Die Prinzessin von San Lorenzo 2 Märchen-Roman
: Books on Demand
: 9783759710819
: 1
: CHF 7.50
:
: Fantasy
: German
: 360
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Märchen-Roman DIE PRINZESSIN VON SAN LORENZO 2 ist die Fortsetzung der spannenden Geschichte einer jungen Frau, die von einer Hexe manipuliert und entführt wird. Mit ihrer Freundin, der Fee Lamina und dem Zwerg Jorge, begegnen der jungen Prinzessin auch in diesem Abenteuer viele Menschen und märchenhafte Gestalten, die durch ihr kurioses Verhalten die Welt in Chaos versetzen. Im Reich der Drachen ist ein Konkurrenzkampf zu erwarten, und die Liebe hofft auf ein Happy End.

Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren. Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher circa 98 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.

Kapitel 3


Die weiße Katze Luciana

Als die Prinzessin und Lamina an der Gletscherzunge neben dem Geröllfeld angekommen sind, entdecken sie ein Murmeltier, das Männchen macht und in der Luft herumschnuppert. Über ihnen schwebt ein Adler, der mit seinem majestätischen Gleiten zeigt, dass er sich seiner Würde und der Wichtigkeit seiner Aufgaben bewusst ist.

Die beiden Frauen schauen sich um und suchen die Höhle, die am Rande des Gletschers liegen soll.

Lamina runzelt die Stirn. „Diese großen Eiszungen bewegen sich leider immer weiter nach unten. Vielleicht ist diese hier über den Höhlen-Eingang gerutscht, möglicherweise gibt es jetzt einen anderen Ein- oder Ausgang.“

„Dann sollten wir vielleicht einfach einmal nach der Katze rufen“, schlägt Federica vor.

In diesem Augenblick ertönt ein lautes Schnurren und eine weiße Katze in der Größe eines Pumas erscheint.

Geschmeidig nähert sie sich und setzt sich vor die beiden Frauen hin. „Ihr habt mich gerufen, habt von mir gesprochen, warum sucht ihr mich auf?“

„Ich will gar nicht um den heißen Brei herumreden“, beginnt Federica. „Es geht um deine Herrin. Bist du über alles unterrichtet, was man gerade so über sie erzählt?“

Luciana hebt eine Pfote, leckt darüber, benetzt sie mit Speichel und putzt sich über das Mäulchen. „Du redest gerade von heißem Brei, das macht mir Appetit. Habt ihr etwas davon mitgebracht?“

Lamina setzt den Rucksack ab, holt einige Töpfchen hervor, öffnet sie und stellt sie vor die Katze. „An heißen Brei haben wir leider nicht gedacht, aber unsere Spitzenköchin Veronika hat dir einige andere Speisen liebevoll zubereitet. Magst du einmal probieren?“

Die weiße Katze schnuppert an den kleinen Behältern. „Das riecht ganz appetitlich, aber bevor ich davon esse, möchte ich doch wissen, was euch zu mir treibt.“

Federica zögert nicht. „Wir hatten gehofft, dass du uns ein wenig über deine Herrin erzählen kannst. Sie war zuletzt in einer der Vulkan-Höhlen des Ätna gefangen und wurde von dem Drachen Maximo Eterno bewacht. Beim letzten Ausbruch des Berges konnte sie ebenfalls ausbrechen.“

Die Schneekatze schleicht um die Näpfe herum. „Ja, auch wenn ihr euch vielleicht darüber wundert: Ich bin über alle Aktivitäten meiner Herrin informiert, obwohl ich mich weit über der Baumgrenze befinde.“

„Dann weißt du sicher auch, dass sie sich die Prinzessin als Spielball ausgesucht hat“, fährt Lamina sofort. „Sie hat sie mit allen Mitteln so bearbeitet, dass sie sich selbst fremd wurde, nicht mehr sie selbst war. Sie hat sie manipuliert.“

„Das ist mir in meine weißen Katzenohren gekommen“, bestätigt Luciana. „Damit habe ich aber nichts zu tun.“

„Davon bin ich überzeugt“, antwortet Federica. „Alle, die dich zwischendurch einmal in San Lorenzo gesehen haben, reden nur Gutes von dir. Aber wenn du so gut informiert bist, weißt du vielleicht auch, was Nüssli weiter vorhat? Ist sie immer noch hinter mir her, oder hat sie sich nun für ein friedliches Miteinander entschieden?“

„Nüssli ist eine Marionettenspielerin mit Leidenschaft. Sie braucht immer Puppen, die sie tanzen lässt, und ich weiß, dass sie Italien schon gestern verlassen hat.“

Lamina staunt. „Aber gestern haben doch die Piloten gestreikt, und der Ätna befindet sich ganz im Süden Italiens, Sizilien ist der Stein vor der Stiefelspitze. Ist sie etwa wie eine echte Hexe auf dem Besen geritten?“

Das melodische Schnurren der weißen Katze hört sich an wie ein Lachen. „Aber nein! Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter. Ihr Sohn Hieronymus hat dafür gesorgt, dass ein Privatjet, der Phoenix aus der Asche, gechartert wurde. Die beiden sind noch gestern von Catania aus gen Norden geflogen.“

Die gute Fee runzelt die Stirn. „Der Phoenix aus der Asche? Ich glaube, da gab es mal einen Film, der hieß: der Flug des Phoenix. Meintest du diesen alten Klapperkasten, oder hast du an den Feuervogel gedacht?“

Luciana umkreist die Näpfe und atmet den Duft tief ein. „Nüssli hat es nicht nötig auf einem Feuervogel zu reisen. Dieser „Phoenix aus der Asche“ ist ein zum modernsten Flugzeug umgebauter Privatjet, der es mit jedem Überschallflugzeug aufnehmen kann. Hieronymus pflegt da die besten Beziehungen, selbst zur NASA.“

Die beiden Frauen staunen und sehen die weiße Katze erwartungsvoll an.

„Was weißt du noch?“ wagt sich Federica, das intelligente Tier weiter zu befragen. „Ist deine Herrin vielleicht schon wieder in diesem Bereich der Brenta-Alpen gesehen worden?“

Lucianas Schwanz steigt steil in die Höhe, das Fell sträubt sich. „Sie hat fest vor, sich mit dem Kuschelkater Jeremias zu treffen, und will dadurch einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Menschheit ausüben.“

„Das verstehe ich jetzt gar nicht“, wirft Lamina ein. Zu dem „Kuschelkater gehen doch alle Menschen, die in ihrer Kindheit zu wenig Streicheleinheiten bekommen haben und auch die, die das Kuscheln erlernen müssen. Das passt doch überhaupt nicht zu der bösen Fee. Mit ihr kann man doch nun wahrhaftig nicht kuscheln und ich bin nicht sicher, ob sie es den anderen Menschen gönnt.“

Die Schneekatze faucht ein bisschen. „Wahrhaftig möchte niemand mit ihr kuscheln, seit sie sich vorgenommen hat, für ihren Sohn Hieronymus extra stark zu werden. Ich kenne sie noch aus alten Zeiten, da hat sie sich begnügt, ein paar Lawinen vom Berg hinunterzuschicken. Dank eurer Frühwarnsysteme kam meist keiner zu Schaden.“

„Und welches Ereignis hat sie dann so verändert?“ fragt Federica interessiert.

„Es war exakt zu dem Zeitpunkt, als ihr Sohn Hieronymus ins heiratsfähige Alter kam. Da wurde sie plötzlich eifersüchtig auf alle Personen, die sich in seine Nähe wagten. Alle seine Bräute hat Nüssli erfolgreich verjagt.“

„Das ist kaum vorstellbar“, findet Lamina. „Sie muss sich doch wünschen, dass ihr Sohn glücklich wird.“

Luciana stößt ein lautes „Miau“ aus. „Oh ja, das will sie ja auch. Aber sie hat ganz andere Vorstellungen von seinem Glück, und zwar ziemlich konkrete. Sie möchte, dass er Spaß daran findet, mächtig zu sein und die Puppen tanzen zu lassen. Du musst wissen, sie hat sich erst zur bösen Fee durch viel Boshaftigkeit entwickelt. Ganz früher war sie auch einmal eine Katze, eine die gern mit den Mäusen spielte und ständig auf der Jagd war. Davon hat sie natürlich immer noch etwas im Blut.“

Die Prinzessin nickt bedächtig mit dem Kopf. „Jetzt kann ich so manches verstehen. Dann muss man jetzt also nicht nur Nüssli mit ihrem Gehilfen Mettlach fürchten, sondern auch ihren Sohn. Aber was hat sie denn gemeinsam mit dem Kuschelkater vor. Er wird sich doch mit Sicherheit nicht mit ihr verbünden?!“

„Ich bin ganz sicher, dass er nicht kompromissbereit ist, sondern meiner Herrin alle Wünsche und Bitten verweigert.“

„Das klingt nach einem Aber“, findet Lamina.

„Sie wird sich sicherlich einen Trick ausdenken, ihn zu isolieren, denn sie hat vor, allen Menschen in Zukunft die Kuschel-Einheiten zu entziehen. Dann gibt es nur noch kleine Soldaten auf der Welt.“

Federica stöhnt. „Das hat sie vor? Was verspricht sie sich davon? Hat man nicht früher Witze darüber gemacht, dass Soldaten nicht eigenständig denken dürfen?“

„Leider waren es nicht nur Witze“, weiß die Katze. „Nüsslis kleine Soldaten sollen all das tun, was sie sagt, und ich kenne sie. Sie hat großen Spaß an grausamen Spielen. Wenn sie das schafft, wird es auf der Welt bald ganz anders aussehen.“

„Das muss unbedingt verhindert werden“, findet die gute Fee.“

„Das sieht ja dann so aus, als hätte deine Herrin große Pläne“, bemerkt Lamina. „Das könnte bedeuten, dass ihr die Prinzessin unwichtig geworden ist, oder?“

Luciana umkreist erneut die duftenden Töpfchen. „Darauf würde ich mich nicht verlassen. Der Wanderfalke, mein Freund Louis, hat sie gestern am Lago Maggiore gesehen. Sie hat sich dort mit Dolores getroffen. Und das ist kein gutes Zeichen.“

Federica hebt die Augenbrauen. „Dolores? Der Name sagt mir nichts. Wer ist das?“

„Das ist eine Cousine von ihr, die graue Katze mit dem großen schwarzen Schnurrbart. Sie hat dort ein Seminarhaus und unterrichtet die Leute im Meckern. Außerdem verkauft sie neumodische Brillen, mit denen man alles Grau in Grau oder ganz schwarzsehen kann.“

Lamina staunt. „Unterricht zum Meckern? Wie soll ich mir das vorstellen?“

„Das ist ganz einfach. Wenn man bei ihr einen Kurs absolviert...