: Rudolf Goldscheid
: Peter Bürger
: Menschenökonomie, Weltkrieg und Weltfrieden Ausgewählte Schriften 1912 - 1926
: Books on Demand
: 9783759718891
: edition pace
: 1
: CHF 3.50
:
: Politikwissenschaft
: German
: 268
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Österreicher Rudolf Goldscheid (1870-1931) zählte zu den Pionieren der Soziologie im deutschsprachigen Raum und votierte für einen demokratischen Sozialismus. Der vorliegende Band erschließt zentrale pazifistische Texte aus seiner Forschungswerkstatt. Für Goldscheid waren Vernunft und Menschlichkeit keine Gegensätze, sondern notwendige Entsprechungen. Nur unter dem Vorzeichen des Friedens und eines neuartigen Internationalismus lässt sich eine Zukunft des homo sapiens überhaupt denken:"Nichts kurzsichtiger, als zu glauben, in dem Ringen um Vermeidung von Kriegen handle es sich nur um eine politische oder gar lediglich um eine parteipolitische Angelegenheit. Hier stehen wir vielmehr vor der alles Politische weitaus überragenden Grundfrage unserer Gattung überhaupt. Zu so gewaltiger Größe hat die Entwicklung des wissenschaftlichen und organisatorischen Genius die Kriegstechnik entfaltet, dass die Kulturmenschheit sich nur vor Selbstmord zu bewahren vermag, wenn sie dafür sorgt, die selbstgeschaffene Höllenmaschine nicht in Funktion geraten zu lassen. Das sicherste Mittel hierzu ist natürlich ihr systematischer Abbau. Zu diesem schreiten heißt aber, die Friedenstechnik in noch viel vollkommenerer Weise ausbauen wie bisher die Kriegstechnik, heißt also mit glühendstem Eifer die allgemeine pazifistische Wehrpflicht verfechten, sich mit Leib und Seele in den Dienst des allumfassenden Vaterlandes friedlicher Kultur stellen. - Nie wieder Krieg, nie wieder Völkermord, nie wieder planmäßige, bestialisch organisierte Massenschlächterei!" (R. Goldscheid: Friedenswarte, 1924). edition pace. Regal: Pazifisten& Antimilitaristen aus jüdischen Familien 2. Herausgeber: Peter Bürger.

Rudolf Goldscheid (1870-1931) kam in Wien als jüngstes Kind der Eheleute Moses Hirsch (1826-1897) und Betty geb. Reitzes (1810-1884) zur Welt. Er war"ein Novellenschreiber, ein universaler Privatgelehrter, ein Pazifist und theoretischer Sozialreformer, ein Mitglied der Mittelschicht und ein Sozialist, ein assimilierter Jude und ein Modernist" (Helge Peukert, 2009). G."studierte in Berlin und Wien Philosophie (besonders bei E. Mach) und Volkswirtschaft, ohne jedoch ein Diplom zu erwerben. ... In jüngeren Jahren als Dichter fruchtbar, wandte er sich später der wissenschaftlichen Behandlung ökonomischer und soziologischer Probleme zu. - Philosophisch Vertreter des Monismus, lehnt G. als Nationalökonom die Übertragung der darwinistischen Entwicklungslehre auf Kultur und Gesellschaft ab. Er tritt für'Menschenökonomie&apo ; ein ... und propagiert die Umwandlung des Steuerstaates in einen selbstwirtschaftenden Staat. ... G.s außerordentliche Aktivität findet neben seinem publizistischen Wirken auch in seiner organisatorischen Tätigkeit ihren Niederschlag. So war er 1907 Gründer der Soziologischen Gesellschaft in Wien, 1909 Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, außerdem Mitherausgeber der Annalen für Natur- und Kulturphilosophie (mit Wilhelm Ostwald) und seit 1922 Herausgeber der'Friedenswarte'; Ehrenvorsitzender des Deutschen Monistenbundes" (Neue Deutsche Biographie Bd. 6, 1964).

Vorbemerkungen
zu dieser Auswahl von
Schriften Rudolf Goldscheids


„Ihr habt im Kriege eine Welt zu verlieren und nichts zu gewinnen, als neue Ketten und neue Lasten. Nationen aller Länder, vereinigt euch! Vereinigt euch im Kampfe gegen den Krieg, vereinigt euch im unablässigen Ausbau solcher Friedensorganisationen, die den Ausbruch von Kriegen für alle Zeitenkulturtechnisch unmöglich machen!“

RUDOLF GOLDSCHEID: ‚Krieg und Kultur‘, 19121

Das Regal „Pazifisten und Antimilitaristen aus jüdischen Familien“ innerhalb der Reihe „edition pace“ vermittelt das Denken von Frauen und Männern, deren Friedenswerke unser – durchaus auf Erfahrung beruhendes – Wissen um einemögliche (!) Schönheit der menschlichen Gattung immer wieder aufs Neue anschaulich werden lassen. Die Freude am eigenen Menschsein kann vorzugsweise dort Nahrung finden, wo in anderen Vertretern der SpeziesVernunft undMenschlichkeit – diese aufeinander verwiesenen Entsprechungen – eine unzerreißbare Verbindung eingehen. Im vorliegenden Band mit Texten des Österreichers RUDOLF GOLDSCHEID (1870-1931) erkunden wir Pfade eines rationalen Pazifismus, der die Symbiose von klarem Denken und lebensdienlicher Ethik (‚biophiles Ethos‘) nicht nur für wünschenswert hält, sondern auch als alternativlos betrachtet.

Das Votum von Albert Einstein

Nachdrücklich hat nach dem Ersten Weltkrieg ALBERT EINSTEIN (1879-1955) für wissenschaftliche Grundlegungen der Friedensarbeit votiert. Er ging davon aus, dass Vertreter empirischer Wissenschaften aufgrund von Erfordernissen und Interessenlagen ihrer Fachgebiete eine besondere Affinität zur Kritik der Kriegsapparatur aufweisen:

„Kriege sind die schwersten Hindernisse für die Entwicklung aller Bestrebungen, die wesentlich auf der Zusammenarbeit von Menschen aller Nationen beruhen, insbesondere alle kulturellen Bestrebungen. […] Deshalb muß ein Mensch, dem die geistigen Werte die höchsten sind, Pazifist sein. Dies beweist auch die Geschichte, wenn man die Männer der Vergangenheit nicht zählt, sondern wägt.

Wie steht es mit der Wirkung der Wissenschaft auf die Entwicklung des Pazifismus? Der Einfluß der Geisteswissenschaft in dieser Beziehung war offenbar ein sehr geringer. Es ist leicht, zu beobachten, daß die Mehrzahl der Vertreter derjenigen Wissenschaft, die hier in erster Linie in Betracht kommt, nämlich der Geschichte, die Sache des Pazifismus keineswegs gefördert hat. Viele Vertreter dieser Wissenschaft, wenn auch nicht gerade die besten unter ihnen, haben sich merkwürdigerweise, besonders bei Gelegenheit des letzten großen Krieges, in der Öffentlichkeit durch besonders starke chauvinistische und militaristische Äußerungen hervorgetan. – Ganz anders steht es bei den Naturwissenschaften. Ihre Vertreter neigen infolge des universellen Charakters der von ihnen behandelten Gegenstände und infolge der Notwendigkeit international organisierter Zusammenarbei